Miserere Nobis!

Hilfe für Katholikinnen und Katholiken mit ungewollten gleichgeschlechtlichen Neigungen

Sakramente


Der häufige Empfang der Sakramente, insbesondere des Sakramentes der Beichte sowie der Eucharistie, sind für jeden Katholiken unerlässlich - insbesondere zur Stärkung für Menschen mit ungewollten gleichgeschlechtlichen Neigungen.



Ein Sakrament (lateinisch; deutsch: Geheimnis) ist ein von Christus für seine Kirche und für immer eingesetztes, mit den Sinnen erfahrbares, besonderes und wirksames Zeichen einer unsichtbaren Gnadenwirkung.

Das zweite Vatikanische Konzil bezeichnet die Kirche als ganze als „Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ und als „allumfassendes Heilssakrament“ (Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen Gentium Nr. 1. 48).

Das Sakrament ist kein bloßes Symbol. In ihm drückt sich durch Worte und Handlungen Jesus Christus als "Ursakrament" sinnenfällig selber aus und wird gegenwärtig. Der Gläubige, der die Sakramente mit der erforderlichen inneren Haltung empfängt, bekommt Anteil an der verheißenen Gnade Gottes. Die Sakramente sind die heilswirksamen Zeichen des Neuen Bundes zwischen Gott und den Menschen, da Gott sich den Menschen in seiner unendlichen Liebe immer wieder neu schenken will. Sie eint die Kirche immer wieder neu.

In der Theologie (Dogmatik) werden die Sakramente in der Sakramentenlehre behandelt. Die wichtigsten Sakramente sind die Taufe und deren Aktualisierung in der Eucharistie. Die anderen Sakramente sind diesen zugeordnet.


Die Sakramente in der Heilsgeschichte


In prophetischen Texten des Alten Testamentes wurde die Heilsgeschichte, die mit Gottes Schöpfung und seinem Bund mit dem jüdischen Volk begann, in Jesus Christus ihren Höhepunkt hatte, in der Sakramentalität der Kirche fortwirkt und in der Wiederkunft Christi am Ende der Zeit ihre Vollendung findet, in poetischer Weise ausgesagt:
Jes 55,1-3 EU: "Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide, und eßt, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung! Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen. Neigt euer Ohr mir zu, und kommt zu mir, hört, dann werdet ihr leben. Ich will einen ewigen Bund mit euch schließen gemäß der beständigen Huld, die ich David erwies."
Jes 66,11-14 EU: "Saugt euch satt an ihrer [der Stadt Jerusalem] tröstenden Brust, trinkt und labt euch an ihrem mütterlichen Reichtum! Denn so spricht der Herr: Seht her: Wie einen Strom leite ich den Frieden zu ihr und den Reichtum der Völker wie einen rauschenden Bach. Ihre Kinder wird man auf den Armen tragen und auf den Knien schaukeln. Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost. Wenn ihr das seht, wird euer Herz sich freuen, und ihr werdet aufblühen wie frisches Gras."

Die Sakramente wurden von Jesus Christus gestiftet; (vgl. Konzil von Trient, Dekret über die Sakramente, Kan. 1). Die Mysterien des Lebens Jesu sind die Grundlage für die Spendung der Sakramente in der Kirche. Die Sakramentalität der Kirche Christi ist zugleich eine der wesentlichen Aussagen der Heiligen Schrift insgesamt.

Das Herz Jesu, der Ursprung der Sakramente (vgl. 1 Joh 5,6 EU)

Ihre Enfaltung erhalten die Sakramente aus dem Herzen Jesu als ihrer Mitte: Dies beschreibt die Präfation vom Heiligsten Herzens: "In Wahrheit ist es würdig und recht, Dir, Allmächtiger Vater, zu danken und Dich mit der gannzen Schöpfung zu loben durch unsern Herrn Jesus Christus. Am Kreuz erhöht, hat er sich für uns dahingegeben aus unendlicher Liebe und alle an sich gezogen. Aus seiner geöffneten Seite strömen Blut und Wasser, aus seinem durchbohrten Herzen entspringen die Sakramente der Kirche. Das Herz des Erlösers steht weit offen für alle, damit sie freudig daraus schöpfen aus den Quellen des Heiles. Durch ihn rühmen Dich Deine Erlösten und singen mit den Chören der Engel das Lob Deiner Herrlichkeit."

Wer handelt im Sakrament?

Im Sakrament handelt Jesus Christus. Er schenkt uns Menschen durch die Sakramente seine Gnaden, also das göttliche Leben. Jedes Sakrament ist dabei von den anderen zu unterscheiden und hat eigene Besonderheiten, auch hinsichtlich des Spenders, der Form wie der Materie des Sakraments und der nötigen Intentionen (siehe: Gültigkeit).

Christi Gegenwart in den Sakramenten

Christus ist in den Sakramenten ganz gegenwärtig; in besonderer Weise in den eucharistischen Gaben. Er ist gegenwärtig in der Person des Ausspenders, denn Christus selbst bringt das Opfer durch den Dienst insbesondere des Priesters dar. Wie er sich am Kreuz dem Vater dargebracht hat, so teilt sich Christus der Kirche, seiner Braut, durch alle Zeiten mit. Spender der Firmung soll, Spender der Weihe kann nur der Bischof sein. Eheleute spenden einander das Sakrament gegenseitig.

Die Taufe kann notfalls jeder spenden, sogar in äußerster Not ein Ungetaufter, falls er nur, etwa auf Bitten des Taufbewerbers, tun will, was die Kirche tut.
Sieben Sakramente

Die Sieben Sakramente der Kirche

Die sieben Sakramente sind: Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte (Buße), Ehe, Weihe und Krankensalbung (vgl. DH 860). Diese sprechen alle wichtigen Phasen eines Lebensweges an. Es sind sozusagen entsprechend den Stufen des natürlichen Lebens die Stufen des geistlichen Lebens.

"Die Kirche hat im Laufe der Jahrhunderte erkannt, dass es unter ihren liturgischen Feiern sieben Sakramente gibt." (KKK Nr. 1117)

Jedes Sakrament nimmt einen wichtigen Platz ein. Die Eucharistie ist dabei das "Sakrament aller Sakramente", wie der Heilige Thomas von Aquin schreibt, da sie das Erlösungsgeheimnis der Taufe, die Einheit in Christus, realpräsent aktualisiert.

Gruppierungen

Das "Ursakrament" ist Jesus Christus.
Die Kirche ist das "allumfassendes Heilssakrament" (Lumen gentium 48) und "Wurzelsakrament".
Die Sakramente der Initation (Einweisung) sind: Taufe, Firmung und Eucharistie (in der Osternacht in dieser Reihenfolge). Sie führen ins christliche Leben ein und bilden eine "Startzündung".
Die Sakramente der Heilung sind: Beichte und Krankensalbung.
Die Sakramente des Dienstes an der Gemeinschaft: Ehe und Weihesakrament.
Sakramente, welche ein unauslöschliches Merkmal ("sogenannter Charakter") einprägen und nicht wiederholt werden dürfen sind: Taufe, Firmung und Weihesakrament (Catechismus Romanus, Von den Sakramenten im allgemeinen, Nr. 24-25).
Zum Heil notwendige Sakramente: Die Taufe ist regelmäßig heilsnotwendig, bzw. die Sakramente als solche. Wer erkannt hat, dass Christus der Erlöser ist, ist dazu gerufen, seiner Kirche beizutreten und ihr treu anzuhängen; vgl. Lumen gentium, Nr. 14. (Die Taufe von Kleinkindern ist jedoch aufzuschieben, wenn sicher vorherzusehen ist, dass keine christliche Initiation folgt. Mit Erreichen des Unterscheidungalters gilt normalerweise die Pflicht zur Erwachsenentaufe.)

Ziel der Sakramente

Die Sakramente sind auf die Heiligung des Menschen, den Aufbau des Leibes Christi (Kirche) und auf die Gott geschuldete Verehrung hingeordnet. Sie wollen uns auch lehren in einem geistigen Sinne. Die Sakramente haben insbesondere das Ziel, das Leben der Kirche aus der Eucharistie zu beleben und zu ihr zu führen. In ihr kann der Christ täglich Ostern feiern.

Innerhalb der Ordnung der sieben Sakramente bezeichnet man zwei als Standessakramente. Das Sakrament der Priesterweihe und Ehe empfängt man nicht in erster Linie für sich selbst. Sie dienen nicht primär der persönlichen Heiligurig, sondern stellen den Empfänger in den Dienst der Gemeinschaft. Wie die Eheleute fruchtbar sein sollen, um die Erde zu bevölkern, so wird auch der Priester geweiht zu einer geistigen Vaterschaft und zur Weitergabe des übernatürlichen Lebens.

Wirkung der Sakramente

KKK Nr. 1152: "Die Sakramente der Kirche schaffen den ganzen Reichtum der Zeichen und Symbole des Kosmos und des gesellschaftlichen Lebens nicht ab, sondern läutern und integrieren sie." Sie wollen den Menschen heilen und heiligen. Insofern bereiten die Sakramente uns vor auf das Leben im Himmel. "Die Frucht des sakramentalen Lebens besteht darin, dass der Geist der Gotteskindschaft den Gläubigen Anteil an der göttlichen Natur schenkt, indem er sie mit dem einzigen Sohn, dem Erlöser, lebendig vereint." (KKK Nr. 1128)

Die Sakramente wirken "ex opere operato" (aus sich heraus, bzw. Kraft der vollzogenen Handlung durch Christus). Während die Wirkweise aufgrund des Vollzugs feststeht, gibt es unter den theologischen Schulen eine Kontroverse über die genaue Wirkweise der Sakramente. Nahmen v.a. die Jesuitentheologen an, dass diese Wirkweise rein moralisch zu verstehen ist, vertritt die thomistische Schule eine physische Wirksamkeit der Sakramente. Die zweitere Ansicht dürfte dem Dogma von Trient gerechter werden. Die sakramentalen Wirkungen auf bestimmte Mindestdispositionen von Spender oder Empfänger einzuschränken, das hieße, zu engherzig von der Liebe Gottes zu denken. Die Auswirkung der Teilhabe am sakramentalen Leben der Kirche (auf den moralischen Erfolg im Leben der Christen) ist jedoch abhängig davon, ob der Glaube auch gute Werke hervorbringt, also vom Fortschritt des christlichen Bemühens.

Gültigkeit

Die Gültigkeit der Spendung eines Sakramentes ist an drei Bedingungen gebunden: Form, Materie und Intention.

Die Form ist zum Beispiel bei der Taufe die Taufformel. Wenn zur sakramentalen Handlung (=Materie) ein stoffliches Element (z.B. Wasser bei der Taufe) verwendet wird, nennt man dieses entfernte Materie, das Tun damit (bei der Taufe= Waschung mit Wasser) nähere Materie.

Zudem muss der Spender die Intention haben, das Sakrament zu spenden. Er muss die Absicht haben das zu tun was Gott getan haben will und weil die Kirche sich an den Willen Christus/Gottes halten will, muss er die Absicht haben das zu tun was die Kirche tut.

Die Zeichenhaftigkeit der Sakramente

Die von Jesus Christus zum äußeren Zeichen eines Sakramentes gewählte Materie hat jeweils eine natürliche Eignung, das zu bedeuten, was das Sakrament bewirkt. Die Materie der Taufe ist nicht umsonst Wasser, denn das Wasser ist natürlicherweise geeignet, durch seine reinigende Kraft die Befreiung von der Erbschuld zu bezeichnen und Leben wachsen zu lassen. Ganz ähnlich verhält es sich auch mit dem Priestertum. Das Mannseinsein gehört wesentlich zur Zeichenhaftigkeit dieses Sakramentes. Nur als Mann hat der Träger des Priestertums die erforderliche natürliche Eignung, Christus sowohl als Mann als auch als Haupt zu repräsentieren [vgl. KKK 1548, Thomas von Aquin Suppl 39,1]. Damit sind Frauen keineswegs ,diskriminiert', denn sie sind nicht weniger Wert als Männer, sondern sie sind ganz einfach anders. Dies ist auch für die Ehe wichtig, denn gerade in ihrem Anderssein ergänzen Mann und Frau einander und stellen so im Sakrament in völliger Gleichwertigkeit aber bedeutsamer ,Andersheit' die Liebe Christi zu seiner Kirche dar [vgl. Eph 5,22 -I33]. Wenn Jesus eine Frau zum Priestertum hätte erheben wollen, dann wäre dies ganz sicher die Gottesmutter Maria gewesen.

Unterscheidung zwischen Sakrament und sakramentalem Rahmen

Beim Vollzug der Sakramente muss man unterscheiden zwischen dem eigentlichen sakramentalen Kern und dem Rahmen. Das Sakrament besteht in dem von Christus eingesetzten Zeichen. Es kommt zustande, wenn jemand, der die Vollmacht dazu hat, nach der Intention der Kirche und auf die richtige Weise die von Christus selbst bestimmte Handlung vollzieht. Drei Wesensmerkmale gehören zum Sakrament, nämlich (1) das äußere Zeichen, (2) die innere Gnade und (3) die direkte Einsetzung durch Jesus Christus. Weil aber zu einem schönen Bild ein würdiger Rahmen gehört, hat die Kirche einen solchen auch für die Sakramente geschaffen. Zu diesem Rahmen gehören all die vielen altehrwürdigen Riten, die schon in frühester Zeit unter der Aufsicht der Kirche entstanden sind und die Eingang gefunden haben in die liturgischen Bücher: das Missale, das Rituale und das Pontiftcale Romanum. Diese Riten sind nicht nur auf die Sakramente hingeordnet, sondern haben auch eine gewisse Ähnlichkeit mit ihnen. Auch sie sind (1) äußere Zeichen, die (2) innere Gnaden bewirken. Ein großer Unterschied besteht jedoch darin, dass sie (3) nicht durch Christus eingesetzt wurden, sondern durch die Kirche. Um diese Ähnlichkeit anzudeuten und sie doch von den Sakramenten zu unterscheiden, nennt man sie Sakramentalien.

Unterschied zu Sakramentalien

Sakramentalien sind Zeichen, die nicht "indem sie vollzogen werden" (ex opere operato) wirken, sondern kraft der Fürbitte der Kirche. Sie wollen eine gewisse Nachahmung der Sakramente in der alltäglichen Frömmigkeit begünstigen.


Päpstliche Schreiben

Eugen IV.

22. November 1439 Konzil von Florenz: Bulle Exsultate Deo über die Union mit den Armeniern (Materie und Form eines jeden der Sakramente).

Paul III.

3. März 1547 Konzil von Trient Ad consummationem über die Sakramente.

Pius V.

1566 Catechismus Romanus, II. Teil: Erstes Kapitel: Von den Sakramenten im allgemeinen.

Johannes Paul II.

2. Dezember 1984 Nachsynodales Schreiben Reconciliatio et paenitentia über Versöhnung und Buße in der Sendung der Kirche heute, Nr. 27 (-34).

Literatur

Romano Guardini: Von heiligen Zeichen, Werkbund Verlag Würzburg 1937 (98 Seiten; Imprimatur Moguntiae die 12.1227 Dr. Mayer Vic. Gen.).
Karl Wallner: Die sieben Sakramente, St. Benno Verlag (96 Seiten).
Rudolf Graber: Christus in seinen heiligen Sakramenten, Kösel/Pustet München 1937/1940 (1/2. Auflage; Imprimatur Eystadii, die 20. Januarii 1940 Dr. L. Bruggaier Vic. Gen.; 206 Seiten).
Markus Büning: Brücken zur Heiligkeit. Die Sakramente der Kirche im Leben der Heiligen und Seligen (Sakramentskatechesen) Mit einem Vorwort von Athanasius Schneider. Christiana Verlag Kisslegg-Immenried 2015 (144 Seiten; ISBN 978-3-7171-1245-7 kart.).
Peter Christoph Düren: Christus in heiligen Zeichen. Eine kleine Sakramentenlehre, Mit einem Vorwort von Bischof Josef Stimpfle EOS Verlag St. Ottilien 1991 (218 Seiten. Paperback; ISBN 3-88096-679-6).
Franz-Josef Nocke: Allgemeine Sakramentenlehre. In: Theodor Schneider (Hrsg.): Handbuch der Dogmatik, Band 2, Düsseldorf 2002, S. 188–224.
Franz-Josef Nocke: Spezielle Sakramentenlehre. In: Theodor Schneider (Hrsg.): Handbuch der Dogmatik, Band 2, Düsseldorf 2002, S. 226–376.
Theodor Schnitzler: Was die Sakramente bedeuten. Hilfen zu einer neuen Erfahrung, Herder Verlag, Freiburg 1983, ISBN 3-451-19559-3.
Walter Simonis: Lebenszeichen der Kirche. Sakramentenlehre, Patmos Verlag, Düsseldorf 2006, ISBN 3-491-70398-0.
Josef Beeking: Vom Mysterium der Sakramente: Das Geheimnis der heiligen Sakramente, Felizian Rauch Verlag, Innsbruck 1940 (ca. 30 Seiten).
Peter Paul Kaspar: Sakramente "Die Sprache der Zeichen", Styria Verlag, Wien-Graz 2003 (118 S. ; ISBN 3-222-13114-7 Pp.).
Nikolaus Gihr: Die heiligen Sakramente der Katholischen Kirche Herder Verlag Freiburg
Teil: Bd. 1., Allgemeine Sakramentenlehre 1897; 1902 - 2. Verb. Auflage; 1918 - 3. Auflage.
Teil: Bd. 2., Die Busse, die letzte Oelung, das Weihesakrament u. d. Ehesakrament [u. a.] 1899; 1903 - 2. Verb. Auflage; 1921 bzw. 1923 - 3. Auflage.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php?title=Sakramente)


Eucharistie

Das Wort Eucharistie bedeutet: Danksagung.

Die tägliche Eucharistiefeier ist die Quelle und Zentrum des kirchlichen Lebens, insbesondere der Priester und Ordensgemeinschaften, aber auch der gesamten Christenheit. Jeder Katholik ist gehalten, am Tag des Herrn, dem Sonntag, sowie an wichtigen Festtagen die Heilige Messe mitzufeiern.


Theologie der Eucharistie

Die Kirche lebt von der Eucharistie. Sie enthält zusammenfassend den Kern des Mysteriums. Ihr gilt die Verheißung: "Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28, 20). In der Eucharistiefeier vollzieht sich die Verwandlung des Brotes und des Weines in den Leib und das Blut Christi. Seitdem die Kirche, das Volk des Neuen Bundes, am Pfingsttag ihren Pilgerweg zur himmlischen Heimat begonnen hat, prägt das Allerheiligste Sakrament unaufhörlich ihre Tage und erfüllt sie mit vertrauensvoller Hoffnung. Das Zweite Vatikanische Konzil lehrt, dass das eucharistische Opfer "Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens" ist.[1] "Die Heiligste Eucharistie enthält das Heilsgut der Kirche in seiner ganzen Fülle, Christus selbst, unser Osterlamm und das lebendige Brot. Durch sein Fleisch, das durch den Heiligen Geist lebt und Leben schafft, spendet er den Menschen das Leben".[2] Deshalb ist der Blick der Kirche fortwährend auf den im Sakrament des Altares gegenwärtigen Herrn gerichtet, in welchem sie den vollen Ausdruck seiner unendlichen Liebe entdeckt (vgl. Ecclesia de Eucharistia, 1). Indem wir der Eucharistie ganz und gar die Bedeutung beimessen, die ihr zukommt, und indem wir mit aller Sorge darauf bedacht sind, keine ihrer Dimensionen oder Ansprüche abzumindern, zeigen wir uns wahrhaftig der Größe dieser Gabe bewusst. [...]. Es besteht keinerlei Gefahr, in der Sorge um dieses Geheimnis zu übertreiben".[3]


Aufbau der Eucharistiefeier

Die Eucharistiefeier, die Christi Gegenwart unter den Seinen bedeutet, mithin die Taufgnade aktualisiert, entfaltet sich in zwei Teilen, die eng zusammengehören:

im Wortgottesdienst mit der Verkündigung und dem Hören auf das Wort Gottes
im Opfermahl, bestehend aus Darbringung von Brot und Wein, dem Hochgebet (oder Anaphora (gr. Opfer)) mit den Wandlungsworten und der Kommunion.

Zentrum der Feier ist die Heilige Wandlung, bei der Brot und Wein auf sakramentale Art und Weise zu Leib und Blut Christi verwandelt werden. Das sakramentale Gedächtnis Christi bewirkt nicht nur eine symbolische, sondern eine wirkliche Gegenwart Gottes. Diese fundamentale Glaubenswahrheit ist Ausgangspunkt für die Entwicklung jeglicher eucharistischer Verehrung.

Der Priester handelt in der Person Jesu Christi, und die Wandlungsworte sind Schöpferworte, die eine neue Wirklichkeit, die über unsere irdische hinausgeht, hervorbringen. Daher kann unserem Verständnis nach nur der gültig geweihte Priester die Eucharistiefeier wirksam feiern (und nicht ist es - wie nach protestantischem Verständnis - der Glaube der anwesenden Gemeinde, der Gott gleichsam anwesend macht).

Zu Details über die Teile und den Aufbau der Hl. Messe siehe auch den entsprechenden Einzelartikel.



Wirkung der Hl. Eucharistie


Grundsätzlich kann man sagen: In der Geschichte der Kirche wurde manchmal der eine, manchmal ein anderer Aspekt der Bedeutung und Wirkung mehr betont. Es gilt, hier klug den einen nicht über einen anderen Aspekt zu vergessen, sondern möglichst die Fülle der innenliegenden Symbolik auszuschöpfen.


Opfer

Das Heilige Opfer, das Gott Vater dargebracht wird, ist eine Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Jesu Christi auf Golgotha, das uns das ewige Leben eröffnet hat. Der Empfang des Altarssakramentes in der Heiligen Kommunion ist die Wegzehrung auf unserer irdischen Pilgerschaft und als solche Mittel zum geistlichen Wachstum und zur persönlichen Heiligung. Jeder, der die Heilige Kommunion empfangen kann, wird durch die helfende Gnade Gottes gestärkt.

Jesus nimmt das jüdische Pascha als Hintergrund, um dieses Fest der Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens mit einem neuen Sinn zu versehen. Die Begegnung mit Jesus in der Hl. Eucharistie soll unser neutestamentlicher Exodus aus unserem ganz persönlichen „Ägypten“ der Sünde und der Not werden.

Siehe auch die weiter unten angeführte „Präfation I“ (Fronleichnam), die den Opfergedanken ausführt, sowie die „Präfation II“, die den Aspekt der persönlichen Heiligung im Gleichförmigwerden mit Jesus betont.


Mahl der Gemeinschaft

Parallel mit dem Opfergeschehen, in dem sich Jesus zu unserem Heil ganz darbringt, ist aber auch das Mahlgeschehen wichtig:

In erster Linie: Gemeinschaft mit Gott: Jesus verwendet die ganz einfache, fast archaische Symbolik des Essens und sagt damit, dass Er ganz tiefe Gemeinschaft mit dem Menschen möchte, die nicht auf intellektueller Leistung gründet. Sogar Kinder, schwer Behinderte, und ganz alte Menschen, die mit dem Nachlassen ihrer Sinne und auch ihrer geistigen Kräfte belastet sind, haben Zugang zu dieser tiefen, herzensinnigen Verbindung mit Jesus.

Von dorther kommend Gemeinschaft der Glaubenden untereinander: Die gemeinsame Feier und der gemeinsame Kommunionempfang hat einen stark gemeinschaftsbildenden Aspekt; die Symbolik des einen Brotes, das aus vielen Körnern bereitet ist – und auch des Weins, der aus vielen Trauben gekeltert ist – spricht davon. Wenn schon auf der weltlichen Ebene das Feiern und gemeinsame Essen als gemeinschaftsbildend erlebt wird, um wieviel stärker noch ist dieser Impuls in der „Eucharistischen Speise“ wirksam. Wir werden aber durch den Genuss der Eucharistischen Gaben nicht nur untereinander zum mystischen Leib Christi verbunden, sondern in ganz besonderer Weise auch gebrochen und einander geschenkt, um füreinander „Brot“, Lebensgrundlage, zu sein.


Eucharistie als „Speise zum Ewigen Leben“

Neben den oben angeführten, greifbaren Aspekten erkennen wir bei tieferer Betrachtung noch einen weiteren: Gott wirkt gerade durch die Hl. Eucharistie Zeichen, die uns in unserem Glauben an die wirkliche Gegenwart Jesu bestärken und uns über das Irdische hinausführen sollen. Es seien hier nur exemplarisch einige genannt:

- Die bezeugte Nahrungslosigkeit etlicher Heiliger, die jahre- und jahrzehntelang nur vom Genuss der Hl. Eucharistie gelebt haben – Therese Neumann v. Konnersreuth, Marthe Robin, Bruder Klaus von der Flue usw.
- Die Fähigkeit mancher Heiliger, konsekrierte von nicht konsekrierten Hostien treffsicher unterscheiden zu können (Sel. Anna Katharina Emmerich)
- Die (mehr oder weniger gut bezeugten) eucharistischen Wunder – das von Lanciano wurde mit modernen wissenschaftlichen Methoden untersucht


Der „Heilende Aspekt“ der Eucharistie

Jede Begegnung mit Jesus hat zutiefst heilende Dimension – und das gilt in besonderem Maße für die Hl. Eucharistie. Von daher ist der Sinn der Krankenkommunion zu verstehen, und daher wird auch den Sterbenden schon seit der Zeit der Apostel die Hl. Eucharistie als Nahrung für den Hinübergang gereicht ( Viaticum ).

Interessant ist auch, dass in Lourdes weitaus mehr Wunderheilungen bei der Sakramentsprozession geschehen als in den Piscinen. Nach Informationen im Paderborner Anhang im Gebet- und Gesangbuch Gotteslob ist zum Heil der Empfang der Hl. Eucharistie nicht zwingend notwendig, wenn der Gläubige den Wunsch nach der Speise verspürt, aber aus bestimmten Gründen ein Sakramentenempfang nicht möglich ist.


Historische Entwicklung

Jede eucharistische Verehrung hat ihre inhaltliche Wurzel in einem ganz einfachen Sachverhalt: unserem Glauben an die leibhaftige Anwesenheit Jesu mit Gottheit und Menschheit in den Eucharistischen Gaben, und zwar nicht erst bei der Kommunion, sonder schon durch das Geschehen der Wandlung, und so lange die Brot-Materie vorhanden ist. Daher ist die Verehrung der Hl. Eucharistie die folgerichtige Konsequenz aus diesem Glauben.

Ursprünglich war die Eucharistische Verehrung in die Hl. Messe eingebettet: Die Apologie des Philosophen und Märtyrers Justin (verfasst um das Jahr 150) überliefert bereits eine Schilderung der Gemeindeeucharistie, der wir die überaus hohe Bedeutung entnehmen, die der Hl. Eucharistie damals bereits zukam. Es sind schon frühkirchliche Spendeworte zur Kommunion-Austeilung überliefert, die ganz klar den Glauben an Jesu Gegenwart bezeugen. Ab dem 3. oder 4. Jhdt. sind Kommunion-Gesänge bezeugt, besonders wird auch Psalm 34 und 145 gesungen.

Außerhalb der Eucharistiefeier finden wir bis nach der Jahrtausendwende nur eine Verehrung der für die Kranken und Sterbenden aufbewahrten Eucharistie. Lediglich im Zusammenhang mit dem Karfreitagsgottesdienst finden wir eine "Liturgie der vorgeheiligten Gaben".

Im 13. Jhdt. verschiebt sich die Akzentuierung des Eucharistieverständnisses: die Realpräsenz Jesu in den Eucharistischen Gaben wird stärker betont. Zugleich entspricht es der gotischen Frömmigkeit, "sehen" zu wollen. Einerseits werden die Kathedralen größer, andererseits wird die Beteiligung am Tisch des Herrn geringer. Aus diesen Gründen findet ein neuer Gebrauch Eingang in die Hl. Messe: die Erhebung der Hostie unmittelbar nach den Wandlungsworten des Hochgebetes, die späterhin von Glockenzeichen, Kerzen und Gesängen begleitet wurde.

Seit dem Jahre 1209 hatte die Augustiner-Nonne Juliana von Lüttich in Visionen erkannt, dass der Herr die Verehrung Seines sakramentalen Leibes durch ein Fest wünschte - der Ursprung des Fronleichnamsfestes. Seit etwa 1265 sind Prozessionen bezeugt.

Im 16. Jhdt. nahm eine weitere Form der Eucharistieverehrung ihren Ausgang: das Vierzigstündige Gebet. Angelehnt an die ursprüngliche Zeit der Grabesruhe Jesu wurde viermal im Jahr in der Kirche des Hl. Grabes in Mailand (zu den Kartagen, Pfingsten, Mariä Himmelfahrt und Pfingsten), eine Vierzigstündige Anbetung gehalten. Von dort verbreitete sich diese Andachtsform rasch, und aus ihr entwickelte sich die "Ewige Anbetung", wo sich Kirchen und Klöster in einem festgelegten Rhytmus bei der Anbetung abwechseln.

Die Eucharistische Anbetung, wie wir sie heute kennen, entspringt dem Wunsch, das Geheimnis des Kommunionempfangs noch dankbar nachklingen zu lassen und das Herz in Sehnsucht und Freude bereitzumachen, den Herrn wieder in Glaube, Hoffnung und Liebe zu empfangen.


Zitate

Frère Roger Schutz über seine Erfahrung bei der Anbetung in einer kleinen Dorfkirche: "Dies ist ein bewohnter Ort."

Augustinus (gest. 430): "Weil er im Fleisch selber hier wandelte, so gab er uns auch sein Fleisch als Speise zum Heil; niemand aber isst jenes Fleisch, der nicht zuvor angebetet hat. Nicht nur sündigen wir nicht, wenn wir anbeten, sondern wir sündigen, wenn wir nicht anbeten."


Präfationen von der heiligen Eucharistie der Sonntage im Jahreskreis


I. Die Eucharistie als Opfer Christi und Opfer der Kirche

In Wahrheit ist es würdig und recht. Dir. Herr. heiliger Vater. Allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus. Als der wahre und ewige Hohepriester hat Er die Feier eines immerwährenden Opfers gestiftet. Er hat sich selbst als Opfergabe dargebracht für das Heil der Welt und uns geboten, dass auch wir diese Gabe darbringen zu seinem Gedächtnis. Er stärkt uns, wenn wir seinen Leib empfangen, den Er für uns geopfert hat. Er heiligt uns, wenn wir sein Blut trinken, das Er für uns vergossen hat. Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln, den Thronen und Mächten und mit all den Scharen des Himmlischen Heeres den Hochgesang von Deiner göttlichen Herrlichkeit: Heilig, Heilig, Heilig ...


II. Abendmahl Christi und Eucharistiefeier der Gläubigen

In Wahrheit ist es würdig und recht, Dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn Er hat beim Letzten Abendmahl das Gedächtnis des Kreuzesopfers gestiftet zum Heil der Menschen bis ans Ende der Zeiten. Er hat sich dargebracht als Lamm ohne Makel, als Gabe, die Dir gefällt, als Opfer des Lobes. Dieses erhabene Geheimnis heiligt und stärkt Deine Gläubigen, damit der eine Glaube die Menschen der einen Erde erleuchte, die eine Liebe sie alle verbinde. So kommen wir zu Deinem heiligen Tisch, empfangen von Dir Gnade um Gnade und werden neu gestaltet nach dem Bild Deines Sohnes. Durch ihn rühmen Dich Himmel und Erde, Engel und Menschen und singen wie aus einem Munde das Lob Deiner Herrlichkeit: Heilig, Heilig, Heilig ...


Päpstliche Schreiben

Julius III.

11. Oktober 1551 Konzil von Trient Sacrosancta oecumenica (3) über das Altarsakrament.

Pius V.

1566 Catechismus Romanus, II. Teil: Viertes Kapitel: Vom Sakrament der Eucharistie.

Klemens VIII.

Der Papst führte mit der Bulle "Graves et diuturnae" die eucharistische Ewige Anbetung ein.

Leo XIII.

28. Mai 1902 Enzyklika Mirae caritatis über den Eucharistischen Christus als Leben des Menschen; die Verbindung von Eucharistie mit der Kirche und der Gemeinschaft der Heiligen. Man bezeichnet diese Enzyklika als das „Testament Leo´s XIII. an die Kirche“.

Pius XII.

1. Oktober 1949 Sakramentenkongregation Instruktion Quam plurimum (AAS 41 [1949] 493-511)
1. Juni 1957 Ritenkongregation: Dekret Sanctissimam Eucharistiam maximo über die Aufbewahrung des heiligen Sakramentes der Eucharistie in den Gotteshäusern.

Paul VI.

3. September 1965 Enzyklika Mysterium fidei über die Lehre und den Kult der Heiligsten Eucharistie.
25. Mai 1967 Kongregation für die Sakramente und den Gottesdienst, Instruktion Eucharisticum mysterium über Feier und Verehrung des Geheimnisses der Eucharistie.
7. Januar 1970 Sekretariat für die Einheit der Christen, Erklärung der Katholischen Kirche in der Frage gemeinsamer Eucharistiefeiern konfessionsverschiedener Christen.
2. Mai 1972 Kongregation für die Glaubenslehre: Erklärung De fragmentis eucharisticis über eucharistische Partikel.
27. April 1973 Kongregation für den Gottesdienst, Rundschreiben "Eucharistiae participationem" AAS LXV (1973) 340-347.
21. Juni 1973 Kongregation für den Gottesdienst, Dekret Eucharistiae sacramentum (AAS 65 (1973) 610) mit Kommunionspendung und Euchariestieverehrung außerhalb der Messe.

Johannes Paul II.

24. Februar 1980 Gründonerstagsschreiben Dominicae cenae über das Geheimnis und die Verehrung der heiligste Eucharistie.
3. April 1980 Kongregation für die Sakramente und den Gottesdienst, Instruktion Inaestimabile donum über einige Normen zur Feier und Verehrung des Geheimnisses der Heiligste Eucharistie.
6. August 1983 Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben Sacerdotium ministeriale über einige Fragen bezüglch des Dieners der Eucharistie.
2. Dezember 1984 Nachsynodales Schreiben Reconciliatio et paenitentia über Versöhnung und Buße in der Sendung der Kirche heute, Nr. 27.
17. April 2003 Enzyklika Ecclesia de eucharistia über die Eucharistie in ihrer Beziehung zur Kirche.
27. Juni 2003 Kongregation für den Klerus: Il sacerdote, responsabile Die Eucharistie und der Priester: untrennbar vereint von der Liebe Gottes.
25. März 2004 Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Instruktion Redemptionis sacramentum über einige Dinge bezüglich der Heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind.
7. Oktober 2004 Apostolisches Schreiben Mane nobiscum domine zum Jahr der Eucharistie (Oktober 2004-Oktober 2005).
15. Oktober 2004 Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung Das Jahr der Eucharistie, Empfehlungen und Vorschläge. [1]

Benedikt XVI.

22. Februar 2007 Nachsynodales Schreiben Sacramentum caritatis über die Eucharistie - Quelle und Höhepunkt von eben und Sendung der Kirche.
21. Oktober 2009 Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung Compendium eucharisticum.


Literatur

Theologie der Eucharistie

Thomas von Aquin: Summa theologica. Die deutsche Thomas-Ausgabe, lateinisch-deutsch, St. III 73 - 83, Band 30: Das Geheimnis der Eucharistie, Verschiedene Verlage 1938 (mit Imprimatur).
Joseph Ratzinger: Gott ist uns nah. Eucharistie: Mitte des Lebens. Hrsg. v. Vinzenz Pfnür u. Stephan Horn. Sankt Ulrich Verlag 2001 (304 Seiten; ISBN: 3-929246-69-4)
Gerhard Stumpf (Hrsg.): Eucharistie - Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens (Berichtband der 14. Theologischen Sommerakademie Augsburg 2006) Eigenverlag des Initiativkreises, Landsberg 2006 (160 Seiten; ISBN-13: 9783980806855; 
ISBN 3980806855; als PDF-Datei)
Alexander Gerken: Theologie der Eucharistie, Kösel Verlag, München 1973
Johann Auer: Das Mysterium der Eucharistie (Kleine katholische Dogmatik Bd. 6) 2. Aufl., Regensburg 1974
Theodor Schneider: Zeichen der Nähe Gottes, 9. Aufl., Mainz 2008
Franz-Josef Nocke: Eucharistie. In: Theodor Schneider (Hrsg.): Handbuch der Dogmatik, Bd. 12, Düsseldorf 1992, S. 267-305

Adolf Fugel: Glaubenskurs Beichte-Eucharistie (108 Seiten; ISBN 978-3-033-1109-0)

Neues Testament

Hans-Josef Klauck: Herrenmahl und hellenistischer Kult, 2. Aufl. Aschendorff Verlag, Münster 1998
Paul Neuenzeit: Das Herrenmahl. Studien zur paulinischen Eucharistieauffassung. (Studien zum Alten und Neuen Testament, Band 1). Kösel Verlag, München 1960

Heilige Messe

Paul Josef Cordes: Actuosa participatio – tätige Teilnahme. Pastorale Annäherung an die Eucharistiefeier in kleinen Gemeinschaften, Paderborn 1995.

Einzelaspekte

Ferdinand Holböck: Der eucharistische und der mystische Leib Christi in ihren Beziehungen zueinander nach der Lehre der Frühscholastik, Verlag "Officium Libri Catholici" Rom 1941.
Josef Wohlmuth: Realpräsenz und Transsubstantiation im Konzil von Trient, Frankfurt 1974

Spiritualität - Erbauliche Schriften, Kleinschriften

Theodor Schneider: Wir sind sein Leib. Meditationen zur Eucharistie, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1977
Helmut Hoping: Kreuz und Altar. Die Gegenwart des Opfers Christi in der Eucharistie. Dominus Verlag (DIN A 6; 40 Seiten; ISBN 978-3-940879-10-3).
Karl Wallner: Die Eucharistie. Grundkurs Christentum St. Benno Verlag (96 Seiten).
Franz-Toni Schallberger: Eucharistie - leibgewordener Glaube ... damit Erlösung geschehe. Kanisius Verlag Freiburg/Schweiz, 1992 (224 Seiten; ISBN 3-85764-358-7).
Petra Lorleberg (Hrsg.): Glaubenswege II: Gott - strahlend gegenwärtig in der Hl. Eucharistie (Vorwort von Dominikus Schwaderlapp, Dip3 Bildungsservice Gmbh 2015 (134 Seiten; Tb; ISBN 9783903028388).
Franz Edlinger: Eucharistie : Brot für das Leben der Welt. dip3-Bildungsservice Wilhering 2014 (1. Auflage; 58 S.; ISBN 978-3-903028-06-7 geh.).
Ferdinand Holböck: Das Allerheiligste und die Heiligen, Eucharistische Heilige aus allen Jahrhunderten der Kirchengeschichte, Christiana Verlag Stein am Rhein / Schweiz 1979 (1. Auflage; Kirchliche Druckerlaubnis, Salzburg, Jacob Mayr Weihbischof und Generalvikar).
Hermann Wagner: Das eucharistische Herz Jesu Verlag Josef Kral Abensberg 1995 (447 Seiten; ISBN 3980401642).
Maria Haesele: Eucharistische Wunder aus aller Welt, Christiana im fe-Medienverlag Kißlegg 2016 (9. Auflage; Imprimatur Dr. Josef Capmany, Vicario Episcopal; ISBN 3-7171-0645-7).
Karl Maria Harrer: Die schönsten Eucharistischen Wunder, Heft 1-5 (je 48 Seiten) Miriam Verlag
Pur spezial "Eucharistische Wunder" (Katholisches Themenheft - 20 Seiten, DIN A 5) Fe-Medienverlag
Werner Groß (Hrsg.): "Wer glaubt, betet an" Schwabenverlag (ISBN 3-7966-0977-5).
Hrsg. v. d. Theolog.-Histor. Kommission f. d. Heilige Jahr 2000.: Eucharistie, Sakrament des Neuen Lebens. Mit e. Vorw. v. Roger Etchegaray. Schnell & Steiner Verlag 1999 (166 Seiten; ISBN: 3-7954-1247-1).
Emil Springer: Wenn du die Gabe Gottes erkenntest! - Das heiligste Altarssakrament als Speise der Seele dargestellt, von Emil Springer S.J., Prof. der Theologie am erzbischöfl. Seminar zu Sarajevo, Bonifatius Verlag Paderborn 1909 (Mit Imprimatur; 84 Seiten).
Ida Lüthold-Minder: Ein Apostel der Eucharistie Christiana Verlag Stein am Rhein (206 Seiten)
Thomas Merton: Der mit dir lebt. Betrachtungen über die Eucharistie, Benziger Verlag Einsiedeln 1958 (185 Seiten).
Hermann Wagner: Christus im Altarsakrament Ruhland Verlag Altötting 1974 (186 Seiten)
Tochter der Sonne: Die Eucharistie. Mein schönstes Geschenk. Parvis Verlag 2010 (192 Seiten).
Maureen Sweeney-Kyle: Der Sakramentale Jesus Christus in der Eucharistie. Parvis Verlag (48 Seiten).


Anmerkungen

1. ↑ II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, 11.
2. ↑ II. Vatikanisches Konzil, Dekret über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum ordinis, 5.
3. ↑ Ecclesia de Eucharistia, 61: Heiliger Thomas von Aquin, Summa theologiae, III, q. 83, a. 4 c.



Beichte


Die Beichte ist eines der sieben Sakramente der katholischen Kirche. Sie wird auch Sakrament der Vergebung, der Buße oder der Versöhnung genannt. Das Bußsakrament ist eine liturgische Handlung und der ordentliche Weg, um Vergebung und Nachlass seiner schweren Sünden zu erlangen, die nach der Taufe[1] begangen wurden. Es ist das zweite Gebot der Kirche.

In der Beichte vergibt Jesus Christus dem Pönitenten (Büßer) seine Schuld und wendet ihm die Früchte seines Leidens und seines Todes am Kreuz zu. Gott vergibt dem Bekennenden durch Vermittlung und Worte des Priesters. Nur ein geweihter Priester, der auch rechtlich dazu befähigt wurde (Beichtjurisdiktion), hat die Vollmacht, das Beichtsakrament zu spenden (vgl. Beichtvater).

Das Bußsakrament entspricht auch einem berechtigten und natürlichen, dem menschlichen Herzen innewohnenden Bedürfnis, sich jemandem zu eröffnen. Zur Vorbereitung auf die Beichte empfiehlt die römisch-katholische Kirche den Gewissensspiegel (Beichtspiegel).


Sündenvergebung

Voraussetzung für die Sündenvergebung in der Beichte sind:

- Einsicht und Reue
- Bekenntnis der Sünden in der Beichte.
- Bußakt/Genugtuung (nach Maßgabe des Beichtvaters - Werke der Gottesverehrung, der Nächstenliebe, der - Barmherzigkeit oder der Wiedergutmachung) und Vorsatzverwirklichung.

In der Beichte sind alle schweren Sünden (einschließlich der Zahl und der erschwerenden Umstände) zu bekennen, deren man sich nach sorgfältiger Gewissenserforschung reumütig bewusst ist. Im Interesse der geistlichen Entwicklung des Glaubenden ist es angeraten, auch lässliche Sünden zu bekennen. Schwere Sünden können nur in der Beichte sakramental vergeben werden, lässliche auch außerhalb, so durch Gebet, gute Werke und besonders durch den würdigen Empfang der heiligen Kommunion.

In der Generalbeichte (Beichte eines Lebensabschnittes) und der Lebensbeichte (Beichte des gesamten Lebens) stellt der Getaufte sein Leben aus schwerwiegenden Gründen neu vor Christus, um in der Taufgnade einen Neuanfang seiner christlichen Existenz zu setzen. Viele Katholiken, insbesondere in Europa, halten die Beichte heute irrtümlich für ein auf diese Fälle hin "eingeschränktes" Sakrament (und sehen den Fall der "Todsünde" als kaum je gegeben an). Richtig ist, dass Gottes Erbarmen auf vielen Wegen zu den Menschen kommt, die sich ihm zuwenden, so auch im Bußakt zu Beginn der Hl. Messe, im Reuegebet, im zerknirschten Herzen.

In der Kirchengeschichte hat sich das Bewusstsein davon, dass der rückfällige Getaufte beichten darf, also eine sakramental wirksame Wiederherstellung der Taufgnade (notfalls täglich!) überhaupt möglich ist, allmählich durchgesetzt. Im Prinzip war die Vollmacht der Kirche zur Sündenvergebung aber schon im Evangelium fest enthalten.

Im übrigen "muss" (im Sinne von Zwang) niemand irgendwo je beichten; die Beichte ist immer ein höchstpersönlicher Akt, da sie sonst auch nicht lebensnah "funktioniert". Im Gegenteil: Die Christen dürfen beichten; und so ihre sakramentale Taufe, den Bund mit Gott, immer wieder aktualisieren, wie auch in der Eucharistie.

Jedoch um die Eucharistie zu empfangen, darf man nicht in schwerer Sünde ("Todsünde") leben. Diese Menschen "müssen" zunächst beichten und die Absolution bekommen. Jeder Katholik sollte vor dem Empfangen der sakramentalen Kommunion sein Gewissen prüfen, um die Gnade Gottes würdig zu erhalten. Somit ist das Beichten fest mit der Eucharistie verbunden. Denn nur derjenige der weiß dass er fehlerhaft ist und es sich eingestehen kann und vor Gott Reue empfindet, der hat das göttliche Geschenk der Vergebung - also die Beichte - verstanden.

Die sakramentale Sündenvergebung in der Taufe, der Beichte und der Kommunion (des Blutes) wird in der Offenbarung des Johannes mit den Worten ausgedrückt Offb 22,14 EU: "Selig, wer sein Gewand (der Seele) wäscht: Er hat Anteil am Baum des Lebens und er wird durch die Tore in die Stadt eintreten können.[2]


Absolution

"Wären eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee." (Jes 1,18 EU)

"Selig, wer sein Gewand (der Seele) wäscht: Er hat Anteil am Baum des Lebens und er wird durch die Tore in die Stadt eintreten können." (Offb 22,4 EU), KKK 1470

Bei der Absolution (von lat. absolutio "Freisprechung") in der Einzelbeichte geschieht die sakramentale Lossprechung von den Sünden durch einen Priester, der dabei die Absolutionsformel spricht: „„Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Dabei legt der Priester dem Beichtenden die Hand auf oder streckt die Hand zum Segen aus.

Der Glaubende, der sich mit der richtigen inneren Verfassung zur Beichte begibt, macht nicht die Erfahrung der verurteilenden Gerechtigkeit, sondern der vergebenden Liebe,[3] der Barmherzigkeit Gottes.

Die Lossprechung durch einen an einer Sünde gegen das sechste Gebot beteiligten Priester (sog. absolutio criminalis) ist außer in Fällen der Todesgefahr ungültig (Can. 977) und zieht für den Priester die Exkommunikation als Tatstrafe nach sich (can. 1378 § 1). Das bedeutet:, Wenn ein Priester mit einer anderen Person Unzucht treibt, kann dieser Priester nicht der beteiligten anderen Person die Lossprechung von dieser Sünde erteilen.


Sakramentaler Zusammenhang

Die Aussage aus dem Credo "Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und das ewige Leben" meint verschiedene Aspekte desselben sakramentalen Geheimnisses. Heiliger Geist, Kirche, Taufe, Buße, Gemeinschaft und ewiges Leben sind Ausdruck des einen Heils, welches Gott den Menschen verheißt.

Der Empfang der sakramentalen Kommunion im Zustand der schweren Sünde ist unwürdig und stellt selbst eine schwere Sünde dar. Wiederverheiratete Geschiedene sind so lange vom Empfang der Eucharistie ausgeschlossen, als sie objektiv in schwerer Sünde (Ehebruch) leben: "Die Wiederversöhnung im Sakrament der Buße, das den Weg zum Sakrament der Eucharistie öffnet, kann nur denen gewährt werden, welche die Verletzung des Zeichens des Bundes mit Christus und der Treue zu ihm bereut und die aufrichtige Bereitschaft zu einem Leben haben, das nicht mehr im Widerspruch zur Unauflöslichkeit der Ehe steht. Das heißt konkret, dass, wenn die beiden Partner aus ernsthaften Gründen - zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder - der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können, 'sie sich verpflichten, völlig enthaltsam zu leben, das heißt, sich der Akte zu enthalten, welche Eheleuten vorbehalten sind'."[4]


Sündenfolgen und Buße

Je nach Art und Zahl der Sünden hat der Beichtvater unter Berücksichtigung der Verfassung des Pönitenten heilsame und angemessene Bußen aufzuerlegen; der Pönitent ist verpflichtet, diese persönlich zu verrichten (CIC can 981).

Durch den Empfang der Beichte sind zwar die Sündenschulden des Menschen vergeben, nicht jedoch alle Sündenstrafen - also die Auswirkungen der Sünde. Diese Strafen können durch Gebet, gute Werke, Teilnahme an der Hl. Messe, Wallfahrten, Almosen und Ähnliches getilgt werden. Die Kirche gewährt für manche diese "Tätigkeiten" einen Ablass, was die teilweise (Teilablass) oder vollständige (vollkommener Ablass) Wegnahme der zeitlichen (diesseitigen) Sündenstrafen mit günstiger Wirkung auch für das Purgatorium bedeutet.


Wie oft darf ich beichten?

Wer sich in schwerer Schuld weiß, sollte bald zur Beichte gehen. Die von der Kirche verlangte jährliche Beichte (vgl. KKK: 1457), ist ein Minimum für das Überleben des Seele (ähnlich der Intensivstation für den Körper). Dieses gilt auch, wenn man sich keiner schweren Sünde bewusst ist.[5] Der Gläubige sollte wenigstens an den Hauptfesten: Weihnachten, Ostern und Pfingsten (oder zwischen Ostern und Weihnachten) die sakramentale Lossprechung erhalten. So wie man immer wieder im Haus Staub wischt, so sollte man öfters bereuen. Als Richtschnur kann auch die monatliche Beichte am Herz-Jesu-Freitag angesehen werden.

Die Beichte sollte regelmäßig stattfinden. Es wird die Beichte auch bei lässlichen Sünden (Andachtsbeichte) von der Kirche seit dem Mittelalter nachdrücklich empfohlen (vgl. KKK: 1493, Mediator dei Nr. 176). Wenn jemand alle zwei Wochen beichtet, kann er ohne weitere Beichte alle Ablässe empfangen, für welche das Bußsakrament erforderlich ist.


Wo soll ich beichten?

Der der Entgegennahme sakramentaler Beichten eigene Ort ist eine Kirche oder eine Kapelle, (Can. 964, § 1.), wobei pastorale Gründe die Erteilung des Sakramentes auch an anderen Orten rechtfertigen können (Vgl. can. 964, § 3.) Die Stelle der Beichtgelegenheit muss "an einem offen zugänglichen Ort" sich befinden und soll mit einem festen Gitter versehen sein.[6]


Beichtgeheimnis oder Beichtsiegel

Kirchenrechtlich darf der Beichtvater, das aus der Beichte gewonnene Wissen, unter keinen Umständen preisgeben, weder Vorgesetzten (Can. 984 — § 2), dem Staat, auch nicht bei Todesgefahr (vgl. Johannes Nepomuk). Das Beichtgeheimnis ist unverletzlich, dem Beichtvater ist es daher streng verboten, den Pönitenten durch Worte oder auf irgendeine andere Weise und aus irgendeinem Grund irgendwie zu verraten (Can. 983 — § 1).

Ein Beichtvater, der das Beichtgeheimnis direkt verletzt, zieht sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe (indem er es begangen hat) zu; verletzt er es aber nur indirekt, so soll er je nach Schwere der Straftat bestraft werden (Can. 1388 — § 1). Zur Wahrung des Geheimnisses sind auch, falls beteiligt, der Dolmetscher und alle anderen verpflichtet, die auf irgendeine Weise aus der Beichte zur Kenntnis von Sünden gelangt sind. "Jeder, der das Bußsakrament verletzt, indem er mittels eines technischen Gerätes aufnimmt, was bei echten oder simulierten sakramentalen Beichten gesagt wird, dies ausdruckt oder das so in Erfahrung Gebrachte verbreitet, sowie alle, die formal daran mitwirken, ziehen sich gemäß der Vorschrift der Canones 889, 890, 2369 die Strafe der Exkommunikation als Tatstrafe zu.[7]

Laut Art. 9 des Konkordates unterliegt das Beichtgeheimnis besonderem Schutz. Geistliche sind daher nicht verpflichtet, Straftaten, die ihnen im Rahmen der Beichte anvertraut worden sind, staatlichen Stellen gegenüber zu offenbaren. Sie sind auch nicht verpflichtet, geplante schwere Straftaten anzuzeigen.[8] Das deutsche Recht trägt damit dem kanonischen Recht, wonach das Beichtgeheimnis unverletztlich ist (vgl. can. 983 § 1 CIC), Rechnung. Die Deutsche Bischofskonferenz gibt einen juristischen Leitfaden für Seelsorger zum Schutz des Beicht- und Seelsorgegeheimnisses in den Arbeitshilfen Nr. 222 heraus.[9]


Die Beichte und das priesterliche Leben

Papst Johannes Paul II. wendet sich an die Priester und ermahnt sie, "großherzig ihre Verfügbarkeit im Beichthören einzusetzen und selber durch den regelmäßigen Empfang des Bußsakramentes ein Beispiel zu geben." Sie sollen die Gläubigen geduldig dahin bringen, die Forderungen des christlichen Sittengesetzes anzuerkennen, und ihnen helfen, das Sakrament als eine freudige Begegnung mit dem Erbarmen des himmlischen Vaters zu leben.[10] "Reife und Eifer im geistlichen Leben und pastoralen Einsatz des Priesters wie auch der Laien und Ordensleute, die seine Brüder sind, hängen von seinem häufigen und bewussten Empfang des Bußsakramentes ab.[11] Die Feier der Eucharistie und der Dienst der anderen Sakramente, der pastorale Eifer, die Beziehung zu den Gläubigen, die Verbundenheit mit den Mitbrüdern, die Zusammenarbeit mit dem Bischof, das Gebetsleben, ja die ganze priesterliche Existenz würden unweigerlich schweren Schaden nehmen, wenn man es aus Nachlässigkeit oder anderen Gründen unterließe, regelmäßig und mit echtem Glauben und tiefer Frömmigkeit das Bußsakrament zu empfangen. Wenn ein Priester nicht mehr zur Beichte geht oder nicht gut beichtet, so schlägt sich das sehr schnell in seinem priesterlichen Leben und Wirken nieder, und auch die Gemeinde, deren Hirte er ist, wird dessen bald gewahr. Ich füge noch hinzu, dass der Priester, sogar um ein guter und wirksamer Diener des Bußsakramentes zu sein, auch selber aus dieser Quelle der Gnade und Heiligkeit schöpfen muss. ... Die persönliche Erfahrung muss heute ihrerseits zum Ansporn werden, den heiligen Dienst des Bußsakramentes, zu dem wir durch unser Priestertum, durch unsere Berufung zu Hirten und Dienern unserer Brüder verpflichtet sind, sorgfältig und treu, mit Geduld und Eifer zu versehen. Darum richte ich auch in diesem Apostolischen Schreiben an alle Priester in der Welt, besonders an meine Mitbrüder im Bischofsamt und an die Pfarrer, die eindringliche Bitte, den häufigen Empfang dieses Sakramentes bei den Gläubigen mit allen Kräften zu fördern, alle möglichen und geeigneten Mittel einzusetzen sowie alle Wege zu versuchen, um unsere Brüder wieder in größerer Zahl zu der »uns gewährten Gnade« hinzuführen, die uns durch das Bußsakrament zur Versöhnung jedes einzelnen und der ganzen Welt mit Gott in Christus vermittelt wird (RP, Nr. 31, VI.). Die Regelmäßigkeit der Beichte, die die Priester gegenseitig erbitten, ermöglicht, das „Streben der Priester nach geistlicher Vollkommenheit."[12]


Beichte in der Krise

Man spricht viel "von Umkehr und Versöhnung im Blick auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen und Konflikte, weicht jedoch der Änderung der eigenen Lebensrichtung und der persönlichen Umkehr des Herzens und damit der eigentlichen Versöhnung mit Gott und den Menschen aus. In hohem Maße sind Wirklichkeiten wie eine wirklich persönliche Gewissensentscheidung und konkrete Schulderfahrung sowie der Sinn für das, was die Heilige Schrift und die Lehre der Kirche Sünde nennen, verdunkelt und wenig wirksam. Die Folge ist, dass sehr viele Christen, die durchaus glauben möchten und auch viel Gutes tun, von der regelmäßigen Erneuerung ihres Lebens in Buße und Beichte abgekommen sind und sich mit sehr allgemeinen Bekenntnissen in gelegentlichen Bußgottesdiensten begnügen. Viele empfangen dann das Sakrament der Eucharistie in einer inneren Verfassung, die der Würde dieses kostbaren Vermächtnisses des Herrn widerspricht (vgl. 1 Kor 11,27 ff EU)." Darum solle die Bischöfe alles tun, "was möglich ist, um alle Glieder der Kirche, auch die Priester selbst, zu einer erneuten Hochschätzung von Umkehr und Versöhnung, konkretisiert in der persönlichen Beichte, zurückzuführen. Das Sakrament der Beichte ist das Geschenk Jesu Christi an seine Kirche, um seinem Ruf zur Umkehr ganzheitlich zu entsprechen."[13]


Zitate

Papst Pius XII.: Die Beichte ist "die rettende Planke nach dem Schiffbruch" der Todsünde.[14]

Carl Gustav Jung: "Unzweifelhaft ist die gewaltige Wirkung der katholischen Beichte, besonders wenn sie nicht bloße Abhörung sondern aktiver Eingriff ist." (G. Bichlmair S. I, Religion und seelische Gesundheit [Wien, Mayer und Co.] S. 57).

Walter Kardinal Kasper wünscht, dass wir "in gewissen regelmäßigen Abständen das Bußsakrament empfangen. Der Verfall des Sakramentes der Buße, wir könnten auch sagen, des Sakramentes der Barmherzigkeit, ist eine der tief schwärenden Wunden im Leib Christi."[15]

Ansgar Puff: Gerade vor Ostern sollten Christen zur Beichte gehen, «weil man ja auch regelmäßig seinen Müll aus der Wohnung bringt», «Der innere Müll muss irgendwann weg, sonst fängt es an zu stinken. Und die Müllabfuhr ist der Beichtstuhl».[16]

Georg Gänswein: «Wer selber regelmäßig beichtet, weiß, wie geistig wohltuend und notwendig dieses Sakrament ist.»[17]


Päpstliche Schreiben

Julius III.

25. November 1551 Konzil von Trient Sacrosancta oecumenica (4) über das Sakrament der Buße und der Letzen Ölung.

Pius V.

1566 Catechismus Romanus, II. Teil: Fünftes Kapitel: Vom Bußsakrament. (Mit Überschriften). Mit den Erklärungen Über das heilige Sakrament der Buße von Michael Gatterer.

Paul VI.

8. Dezember 1970 Kongregation für die Ordensleute und Säkularinstitute: Dekret Dum canonicarum legum. Richtlinien über den Empfang und Spendung des Bußsakramentes, besonders bei den Ordensfrauen.
23. März 1973 Kongregation für die Glaubenslehre: Erklärung Sacra congregatio pro doctrina fidei, vigore über die Schutzwürdigkeit des Bußsakramentes.
24. Mai 1973 Kongregation für die Sakramente: Sanctus pontifex über den Empfang des Bußsakramentes vor der Erstkommunion der Kinder (AAS LXV [1973] 410).
2. Dezember 1973 Kongregation für den Gottesdienst: Reconciliationem inter deum et homines mit Ordo paenitentiae. Die neue Ordnung der Beichte.

Johannes Paul II.

2. Dezember 1984 Nachsynodales Schreiben Reconciliatio et paenitentia über Versöhnung und Buße in der Sendung der Kirche heute, Nr. 28-34.
17. April 1986 Ansprache an die Vollversammlung der Kongregation für die Sakramente Erstbeichte und Generalabsolution.
23. September 1988 Kongregation für die Glaubenslehre: Dekret zum Schutz des Beichtgeheimnisses.
7. Juli 1998 Päpstlicher Rat für die Interpretation von Gesetzestexten: Responsio Patres pontificii consilii ad propositum dubium: de loco excipiendi sacramentales confessiones (AAS 90 [1998] 711).
12. März 2000 Vergebungsbitten des Papstes (Wortlaut) (mit Predigt)
7. Juli 2000 Internationale theologische Kommission: Erinnern und Versöhnen. Die Kirche und die Verfehlungen in ihrer Vergangenheit.
7. April 2002 Apostolisches Schreiben Motu proprio Misericordia dei über einige Aspekte der Feier des Sakraments der Buße.
2015/2 Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung: Zur Wiederentdeckung des „Ritus der Buße“ (in Notitiae).


Literatur

Thomas von Aquin: Summa theologica. Die deutsche Thomas-Ausgabe, lateinisch-deutsch, St. III 84 - 90 mit St. III Suppl. 1 - 16, Band 31: Das Bußsakrament, Gemeinschaftsverlag Kerle Heidelberg und Styria Verlag Graz-Wien-Köln 1962 (mit kirchlicher Druckerlaubnis des bischöflichen Seckauer Ordinariates vom 14. Juli 1962, Zl. 3493).
Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung: Beichte Sakrament der Barmherzigkeit. Jubiläum der Barmherzigkeit 2015-2016. Schwabenverlag 2015 (104 Seiten; ISBN 978-3-7966-1687-7).
Petra Lorleberg (Hrsg.): Glaubenswege III: Beichte konkret - Positive Erfahrungen mit dem Bußsakrament (Vorwort von Kardinal Paul Josef Cordes) Dip3 Bildungsservice Gmbh 2016 (Tb; 134 S.; ISBN 978-3-903028-43-2).(Beiträge von Paul Badde; Karl Wallner; Martin Lohmann; Michael Schneider-Flagmeyer; Claudia Sperlich; Weihbischof Dominik Schwaderlapp;; [1]).
Ansgar Wiedenhaus: Imm er wieder neu anfangeen dürfen. Ermutigung und Zuspruch im Sakrament erfahren. Topos Taschenbuch (104 Seiten; erhältlich beim Mediatrix Verlag).
Anton Keller: Ego te absolvo. 100 Beispiele zum Sakrament der heiligen Beichte. (98 Seiten; erhältlich beim Mediatrix Verlag).
Ulrich Filler: Zerbrochene Herzen heilen, Neue Zugänge zur Beichte. Fe Medienverlag Kißlegg (160 Seiten).
Robert Kramer: Hinführung zur Erstbeichte; Schriften des Initiativkreises katholischer Laien und Priester Augsburg, Heft 26 (59 Seiten: pdf-Datei).
Cesare Truqui: Die Beichte. Lebendige Quelle der Freude. Christiana Verlag im Fe Medienverlag Kißlegg 2011 (69 Seiten; ISBN 978-3-7171-126-8).
Christian Schlindwein: 
Wir haben der Liebe geglaubt
. Eine Einladung zur Beichte
. Dominus Verlag Augsburg 2011 (64 Seiten; 
ISBN 978-3-940879-13-4].
Peter van Briel: Weg der Liebe. Das Beichtbuch. Sankt Ulrich Verlag (160 Seiten).
Hans Schalk: Beichten warum und wie? Verlag Neue Stadt (48 Seiten; ISBN 978-3-87996-621-9).
Raphael Nießner: Meine Frühkommunion, Anleitung für die Eltern zur Beichte und Kommunion, Verlagsbuchhandlung der Benediktiner, Abteilung Katechse, D-93352 Rohr i. NB, Tel. 08783/9600-0 (Mit dem Apostolischem Segen Johannes Paul II.
Beichtbüchlein für Kinder / Beichthilfe für Erwachsen (DIN A 6, Mit kirchlicher Druckerlaubnis) [2]
Die Beichte. Grundkurs Christentum, St. Benno Verlag (96 Seiten; ISBN: 9783746227597)
Pur spezial "Vom Sinn der Beichte" (Katholisches Themenheft - 20 Seiten, DIN A 5) Fe-Medienverlag
Jaques Martin, Das Sakrament der Versöhnung, Das Wunder der Liebe (221 Seiten) Mediarix Verlag
Palmatius Zilligen: Der Schlüssel zum Herzensglück Grignion Verlag.
Palmatius Zilligen: Zum Beichtvater oder zum Psychiater? Grignion Verlag.
Joseph Anton Keller: Hundertdreißig Beweise von den Segnungen des heiligen Bußsakramentes und Märtyrer des Beichtsiegels. - Eine Verteidigungsschrift dieses heiligen Sakramentes in Beispielen. Nach wahrheitsgetreuen Quellen, Franz Kirchheim Verlag Mainz 1899 (2., vermehrte Auflage; 306 Seiten); [3] ISBN 978-3-03806-065-9.
Johanna Engelmann: Der Heilbrunnen. Ein erzählendes Hilfsbüchlein für Erstbeichtkinder, deren Eltern und Seelsorger Josef Habbel Verlag 1950 (159 Seiten).
Josef Bommer: Alois Müller. (Hsgr.): Das Sakrament der Buße. Kanisius Verlag Freiburg/Schweiz 1976 (63 Seiten; 1. Auflage; Aus der Reihe "Feiern des Glauben").
Josef Beeking: Erzieherische Beichte : Ein Büchlein vom Sakrament des Friedens und der Freude Felizian Rauch Verlag Innsbruck 1937 (18 Seiten).
Anton Loetscher: Erlösendes Beichten. Ein Büchlein von unserem Reichtum im frohmachenden Ostergeschenk Christi. Kanisius Verlag Freiburg/Schweiz um 1995 (87 Seiten; 4. Auflage).
Adolf Fugel: Glaubenskurs Beichte-Eucharistie (108 Seiten; ISBN 978-3-033-1109-0; erhältlich beim Benedetto Verlag)
Franz Breid Hsgr.): Referate der "Internationalen Theologischen Sommerakademie" des Linzer Priesterkreises / Busse - Umkehr - Formen der Vergebung. Ennsthaler Gesellschaft m.b.H. & Co. KG (ISBN 3850683540).
Georg May: Das verlorene Sakrament. Das Buss-Sakrament in unserer Zeit. Mit einem Auszug aus der Enzyklika "Busse und Versöhnung" Christiana Verlag Stein am Rhein 1996 (55 Seiten; 1. Auflage Download)


Medien

DVD 70 Min.: Die Heilige Beichte. Weihbischof Athanasius Schneider im Interview mit Reiner Müller Josanto-Media Rheinstetten 2015.
DVD (55 min) Richard Pühringer: Beichte, beten, besinnen, bereuen, bekennen, büssen, bessern (erhältlich beim Mediatrix Verlag oder Fe-Medienverlag)
Fritz May CD 58 min. (Vortrag): Die Beichte- Das Sakrament der Liebe (erhältlich beim Miriam Verlag).


Anmerkungen

1. ↑ Die Taufe ist der erste Heilsanker, die Beichte der Zweite: aus: Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung: Barmherzigkeit feiern. Liturgische Anregungen. Jubiläum der Barmherzigkeit 2015-2016. Schwabenverlag 2015, S. 41 (96 Seiten; ISBN 978-3-7966-1680-8); "Bekannt ist das Wort des hl. Hieronymus (In Isai 3, 8), das in der Folge die volle Zustimmung aller Gottesgelehrten fand: die Buße (d.h. die Beichte) ist die zweite Rettungsplanke. Denn wie es beim Schiffbruch nur eine Möglichkeit gibt, sein Leben zu retten, dass man nämlich durch einen glücklichen Zufall irgend eine Planke des Wracks an sich zu bringen vermag, so ist einer nach Verlust der Taufunschuld ganz sicher verloren, wenn er sich nicht an die Rettungsplanke der Buße anklammert. in: 1566 Catechismus Romanus, II. Teil: Fünftes Kapitel: Vom Bußsakrament."; vgl. Thomas von Aquin - Summa Theologiae, IIIª q. 84 a. 6 arg. 1, IIIª q. 90 a. 4 arg. 1.
2. ↑ Predigt von Dr. Josef Spindelböck
3. ↑ 17. April 1986 Ansprache an die Vollversammlung der Kongregation für die Sakramente Erstbeichte und Generalabsolution.
4. ↑ Johannes Paul II.: Familiaris consortio, Nr. 84.
5. ↑ Beichten während der Fastenzeit. Die Regel „einmal im Jahr“ lässt Raum für Flexibilität Zenit am 26. Februar 2016
6. ↑ Vgl. Motu proprio Misericordia dei, Nr. 9.
7. ↑ 23. März 1973 Kongregation für die Glaubenslehre: Erklärung Sacra congregatio pro doctrina fidei, vigore über die Schutzwürdigkeit des Bußsakramentes.
8. ↑ § 139 StGB
9. ↑ Zeugenaussage, Zeugnisverweigerungsrecht und Schweigepflicht
10. ↑ Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Europa, vom 28. Juni 2003, Nr. 77; Vgl. Propositio 16; Johannes Paul II., Brief an die Priester zum Gründonnerstag 2002 (17. März 2002), 4: AAS 94 (2002), 435-436.
11. ↑ Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dekret über Leben und Dienst der Priester Presbyterorum ordinis, 18.
12. ↑ Kongregation für den Klerus: Ratio fundamentalis institutionis sacerdotalis 2016 (Grundordnung für die Ausbildung der Priester) vom 8. Dezember 2016, Nr. 88.
13. ↑ Ansprache an die Bischöfe der west- und norddeutschen Kirchenprovinzen am 23. Januar 1988, Nr. 7
14. ↑ Aus der Ansprache an die Pfarrer und Fastenprediger, 6. Februar 1940: aus Pius XII. sagt, S. 263.
15. ↑ Aus der Katechese beim Eucharistischen Kongress in Köln von Walter Kardinal Kasper am 7. Juni 2013
16. ↑ Müllabfuhr der Seele ist der Beichtstuhl Kath.net am 20. März 2016
17. ↑ Kurienerzbischof Gänswein befürwortet Karfreitagsruhe Kath.net am 26. März 2016


(Quelle: www.kathpedia.com abgerufen am 18.03.2019)