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Moralische Bewertung

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Die sittliche Beurteilung der Homosexualität

Moralhistorische Anmerkungen zum christlichen Standpunkt (November 2000)

Josef Spindelböck

Hinweis/Quelle: Erschienen in: Josef Spindelböck, Verantwortete Freiheit. Beiträge zur theologischen Ethik, Kleinhain 2004, 241–265. Die hier vorliegende inhaltlich leicht überarbeitete HTML-Version wurde aktualisiert am 23.04.2005 (zur Word-Version).
Einführung

Die christliche und insbesondere die römisch-katholische Beurteilung der Homosexualität als Neigung und in ihren Vollzügen hinsichtlich ihrer sittlichen Qualität scheinen in der postmodernen Gesellschaft wenig konsensfähig. So sehr sich die Kirche der Welt öffnen muss im Sinn eines missionarischen Dialogs mit der Zeit und im Hinblick auf ihre spezifischen „Zeichen“, so wenig darf sie sich zur unkritischen Übernahme nichtchristlicher Denkmuster und Verhaltensweisen bereit finden. Wo nötig, ist sie aufgerufen, „Zeichen des Widerspruchs“ zu sein, gerade um des Menschen und seiner unveräußerlichen Würde willen!

Wenn im folgenden der Versuch unternommen wird, einige Streiflichter auf die historische Entwicklung der Beurteilung des überaus vielschichtigen Phänomens der „Homosexualität“[2] zu werfen und hier vor allem auf die christliche Wertung einzugehen, so soll gleich zu Anfang eine methodische Vorentscheidung offen gelegt werden: Es geht dem katholischen Moraltheologen, wenn er moralhistorische Gesichtspunkte in seine Argumentation einbezieht, nicht um eine (prinzipiell gar nie mögliche) „wertfreie“ Darstellung. Zugrunde liegt den folgenden Überlegungen die Sicht des katholischen Lehramts, wie sie sich auch im „Katechismus der Katholischen Kirche“ (Nr. 2357–59) ausdrückt: Homosexualität als Neigung ist zwar ungeordnet, aber in sich nicht sündhaft. Sündhaft sind hingegen die homosexuellen Akte, wenn sie bewusst und frei gesetzt werden.[3] Damit wird zugleich dem objektiven Bereich der Norm und des göttlichen Gebotes als auch der subjektiven Sphäre der menschlichen Person und ihrer Verantwortlichkeit Rechnung getragen. Diese Unterscheidung war im christlichen Horizont zumindest implizit auch früher gegeben und ist nicht ganz so neu, wie meist angenommen wird[4], wobei für die richtige Interpretation der Kontext und der lebensgeschichtliche Zusammenhang wichtig sind.

Eine wenigstens ansatzweise historische Betrachtung – mehr kann an dieser Stelle nicht erwartet werden – bietet den Vorteil, aufgrund der Kenntnis des Entwicklungsgangs der ethischen Beurteilung und Diskussion zu einem vertieften Verständnis des Problems in der Gegenwart zu finden.[5]
Die sittliche Beurteilung der Homosexualität in der Antike

Wenn festgestellt wird, bis in die Spätantike sei im Mittelmeerraum der „Strukturierungsprozess der Sexualität“ nicht abgeschlossen gewesen, ausgenommen in der christlichen[6], so kann das hingehend interpretiert werden, dass zwar „alle Gesellschaftsformationen ... bisher Homosexualität als Ausnahme von der Regel“ ansahen[7], ihre eindeutige moralische (Dis‑)Qualifikation im Hinblick auf den aktuellen Vollzug aber nur im jüdisch-christlichen Verständnishorizont möglich war.

Gewisse „primitive“ Stammeskulturen gestatteten dem zum Mann heranreifenden Jüngling erst nach zunächst passiver, dann aktiver Homosexualität auch den heterosexuellen Umgang, weil man meinte, „erst Männerliebe“ gewähre „dem Knaben die Fülle der männlichen Kraft“.[8]

Ägypten und Kanaan werden im Alten Testament wegen ihrer homosexuellen Praktiken – oft im Rahmen von Tempelprostitution – kritisiert (vgl. Lev 18,3 ff). Diese Praktiken in ihrer relativen Häufigkeit aufgrund von Originaldokumenten nachzuweisen ist allerdings schwierig.[9]

In Mesopotamien und Altsyrien wurde männliche Homosexualität in früher Zeit allem Anschein nach nicht unterdrückt und auch nicht als sittlich negativ qualifiziert. Nach dem Grundmuster der babylonisch-assyrischen Kulte manifestierten sich die Gottheiten auch in der Sexualität. So trugen sie durch ihre Dienerinnen und Diener allen Anhängern, Männern wie Frauen, auch in sexueller Hinsicht Rechnung, egal ob sich ihr Verlangen auf das gleiche, das andere oder auf beide Geschlechter richtete.[10]

Homosexualität war im Iran weit verbreitet, sie wurde aber von der zoroastrischen Religion verurteilt.[11]

Was das antike Griechenland betrifft, so war die Homosexualität nicht nur in Sparta und Kreta gängige Praxis, sondern sie war mancherorts gar zu einer „Art ständischer Initiation“[12] geworden, durch welche männliche Jugendliche in die Welt der adligen Männergesellschaft aufgenommen wurden. Als solche war sie vorübergehend, aber anerkannt. Gesetze gab es gegen Nötigung zur Homosexualität, doch waren z.B. Sklaven ohne Rechtsschutz und somit jedem Missbrauch ihrer Herren ausgesetzt.[13] Außerdem existierte eine „philosophische Homosexualität“, wobei persönlich nicht involvierte Philosophen wie Sokrates oder Platon die Homosexualität im Lehrer-Schüler-Verhältnis theoretisch rechtfertigten, da die gleichgeschlechtliche Liebe sowohl einen epistemologischen wie pädagogischen Wert in sich trage[14], eine für die christlich-jüdische Denkweise inakzeptable Vorstellung! Treffend bemerkt in diesem Zusammenhang Karl Hoheisel über diesen dunklen Schatten antiker griechischer Philosophie: „Doch Sokrates hatte mit dem Feuer gespielt: Platon und alle seine Nachfolger gerieten in die Nähe zur Tradition der Homosexualität.“[15]

Im antiken Rom wurde ursprünglich nicht die Homosexualität als solche, sondern nur die in Griechenland wichtigste Form der Homosexualität unter Freigeborenen abgelehnt.[16] Allmählich kam es zu einer philosophischen Entwertung männlicher Liebesbeziehungen.[17] Christliche Kaiser erließen in der Folgezeit auch gesetzliche Bestimmungen gegen Homosexualität.[18]

Ein kurzer Blick auf den Islam zeigt, dass die Homosexualität zwar religiösethisch verboten, eine rechtliche Sanktionierung in der Praxis aber durch strenge Beweisregeln fast unmöglich gemacht wurde. Teilweise wurde sie offiziell geduldet und praktiziert, besonders an Fürstenhöfen. Homosexuelle Kontakte wurden durch die strenge Geschlechtertrennung in bestimmtem Ausmaß gefördert.[19]
Die sittliche Beurteilung der Homosexualität in der Heiligen Schrift

Im Folgenden soll keine exegetische Spezialuntersuchung geboten werden, wohl aber ein auf bibelwissenschaftlichen Erkenntnissen fußender Überblick über die Stellungnahme der Bibel des Alten und Neuen Testaments zur Homosexualität. Darauf baut die folgende Tradition der Kirche auf; die Schrift als Wort Gottes ist bleibend normativ für die Kirche und ihr Lehramt.
Altes Testament

Die hebräische Bibel (AT) bietet eine Sicht, die sich von der Umwelt Israels und den antiken Völkern völlig unterscheidet: Volles Menschsein bedeutet Zuordnung und Gemeinschaft mit dem anderen Geschlecht.[20]

Gott schuf den Menschen als Mann und Frau (Gen 1,27), die einander ergänzen und die im Bund der Liebe „ein Fleisch“ werden sollen. „Das biblische Menschenbild ist somit heterotrop. Homosexuelle Vergehen werden verurteilt (Lev 18,22; 20,13; Röm 1,24–32; 1 Kor 6,9–10; 1 Tim 1,8–11). Sie entsprechen nicht der Schöpfungsordnung.“[21]

Die Geschichte von Sodom in neuerer exegetischer Auffassung kein eindeutiges Argument für die biblische Verurteilung der Homosexualität, da hier auch das Gastrecht verletzt wird – dafür erfolgt die Bestrafung.[22]

Dass die innige Freundschaft Davids mit Jonathan (1 Sam 18,2–4) einen homosexuellen Charakter gehabt habe, lässt sich weder beweisen noch auch zwingend widerlegen. In der traditionellen kirchlichen Interpretation hat diese Auslegung jedenfalls keine Grundlage. Doch selbst bei Annahme einer homoerotischen oder gar homosexuellen Prägung dieser Freundschaft wäre damit keine Billigung von Homosexualität durch die Bibel vorgenommen, da die Heilige Schrift vieles darstellt und beschreibt, ohne es zugleich sittlich und religiös gutzuheißen.[23]

Das Alte Testament und das Judentum kennen einen Topos, nach dem der sittliche Verfall im Heidentum zurückzuführen ist auf die Leugnung des einen Gottes. Dies trifft auch auf die sittlich negativ beurteilte praktizierte Homosexualität zu.

Eine wichtige Stelle ist hier Weish 14,26 f, wo es über die heidnische Welt heißt: „Es herrscht Umkehrung der Werte, undankbare Vergeßlichkeit, Befleckung der Seelen, widernatürliche Unzucht, Zerrüttung der Ehen, Ehebruch und Zügellosigkeit. Die Verehrung der namenlosen Götzenbilder ist aller Übel Anfang, Ursache und Höhepunkt.“ Die eigentliche Sünde ist also der Abfall von Gott, der alle anderen Übel im Gefolge nach sich zieht, so auch die Verkehrung des Verhaltens im sexuellen Bereich.
Neues Testament

Auf dieser Linie liegt auch der Völkerapostel Paulus, wenn er in Röm 1,26 f die praktizierte Homosexualität als schuldhafte Verirrung beurteilt, die eine tiefere Ursache hat: „Der schlimme Zustand der Heidenwelt ist Folge ihres Götzendienstes. Weil sie die doxa Gottes mit Götzenbildern vertauscht haben, hat dieser bewirkt, dass sie nun bei sich selber Richtung und Ziel im Sexuellen vertauschen.“[24] Es wird beide Male das selbe Verbum „vertauschen“ (allásso) gebraucht. Paulus geht es nicht um psychologische Erklärung, wohl aber um Deutung der theologischen Zusammenhänge. Es ist darum nicht möglich, eine Aussage über den Einzelfall homosexueller Veranlagung hinsichtlich ihrer Ursache zu treffen. Auch ist mit dieser auf die objektiven Zusammenhänge abzielenden Beurteilung des Apostels die Bewertung subjektiver Schuld bei homosexuellem Tun nicht vorweggenommen.

Von Paulus werden alle nicht zwischen Mann und Frau vollzogenen Geschlechtsakte als „para physin“ (an der Natur vorbei) abgelehnt: „Wie die Menschen mit dem Abrücken von der Erkenntnis des wahren Gottes wenn nicht in Widerspruch zu, so doch neben die Ordnung Gottes bzw. der Schöpfung gerieten, so steht Geschlechtsverkehr von Männern untereinander, selbst ein Ergebnis des Abweichens vom einen Gott, im selben Sinne außerhalb dieser Ordnung.“[25]

Wenn heute manche meinen, Paulus habe Homosexualität „nur als frei gewählte Form der Lustbefriedigung, also als Perversion und Sünde“ abgelehnt[26], aber nicht jede Form ihrer Aktualisierung, so nimmt diese Interpretation den Paulustext in seiner Aussageabsicht nicht ernst und gelangt dadurch zu einer mit dem heutigen Zeitgeist leichter vereinbaren Sicht, welche nicht mehr heilsame Provokation bedeutet, sondern nachträgliche Bestätigung dessen, was sich menschlicher Autonomismus auch im sexuellen Bereich gegenüber dem Gottes Gebot herausnimmt. Demgegenüber fasst Korff zusammen, dass für Paulus homosexuelles Verhalten „geradezu zum Symbol einer von Gott abgewandten, in sich verkehrten Welt“ geworden sei.[27]

Jesus Christus nimmt nicht ausdrücklich Stellung zur Homosexualität. In diesem Zusammenhang ist seine klare und positive Bewertung der Ehe und der darin vollzogenen sexuellen Hingabe von Bedeutung (vgl. Mt 19,3–12). Dies schließt die Anerkennung der gottgewollten Polarität von Mann und Frau ein, zu der eine homosexuelle Haltung und Praxis in Widerspruch stellt. Indem Jesus die Ehe auf das Geheimnis des Anfangs – den Schöpfungsplan Gottes – zurückführt, zeigt er einschlußweise auch, dass alles, was im Widerspruch zur rechten Sicht der Ehe und ihren aus der gegenseitigen Liebe und Treue kommenden Vollzug steht, gegen diese Schöpfungsordnung Gottes gerichtet ist. Wer um des Himmelreiches willen wie Jesus auf die Ehe verzichtet (Jungfräulichkeit, Zölibat), anerkennt diese doch als hohen Wert und verneint nicht ihre gottgewollte Ordnung sowie die darin vollzogene sexuelle Begegnung von Mann und Frau.

Die in den Lasterkatalogen 1 Kor 6,9 f und 1 Tim 1,8–10 verwendeten Termini „malakoi“ und „arsenokoitai“ lassen sich kaum eindeutig in ihrer genauen Bedeutung bestimmen; die Interpretation in Richtung Homosexualität ist aber wahrscheinlich zutreffend.[28]

Auf der Basis der Schrift lässt sich also eine eindeutige Ablehnung homosexuellen Verhaltens nachweisen. Zugestanden werden kann, dass über Homosexualität als Neigung noch kaum reflektiert wurde, was aber die biblisch negative Wertung der homosexuellen Akte in ihrer Normativität für die spätere theologische Reflexion nicht aufhebt.
Die sittliche Beurteilung der Homosexualität bei den Kirchenvätern

Die sittliche Bewertung der Homosexualität verbindet in Weiterführung von Röm 1,26 f das von der Stoa entwickelte Naturrechtsparadigma mit einer schöpfungstheologischen Sicht: „Schöpfungsgemäßes Handeln bedeutet secundum naturam vivere. Homosexuelles Handeln ist ein Handeln contra naturam.“[29]

Justin verurteilt Homosexualität als spezifisch heidnisches Laster.[30] Bei Lactantius gilt homosexuelles Tun als besonders schwere Sünde und als Erfindung des Teufels.[31]

Cyprian von Karthago verurteilt die homosexuelle Praxis entschieden.[32] Er hält aber im Gegensatz zu Tertullians Rigorismus[33] keine Sünde für unvergebbar, auch nicht die homosexuelle Abirrung.[34]

Bisweilen findet sich bei Apologeten und Kirchenvätern auch der „Reflex zutiefst sexualitätsfeindlicher Zeitströmungen“.[35] So ansatzweise auch bei Clemens von Alexandrien, der die Lust als legitimen Aspekt der Sexualität auszuklammern scheint und „jede Form der Geschlechtslust, die nicht ihrem einzigen Zweck, der Zeugung, diente, kategorisch“ ablehnt.[36] Bezüglich der homosexuellen Akte urteilt er: „Deshalb ist es für uns ohne jeden Zweifel klar, dass man die Unzucht mit Männern und die unfruchtbaren Begattungen und die Päderastie und die von Natur unmöglichen Verbindungen der Androgynen vermeiden muss, gehorsam der Natur, die selbst solches durch den Bau der Glieder verbietet, indem sie dem männlichen Geschlecht die Manneskraft verliehen hat, nicht dass es den Samen in sich aufnehme, sondern dass es ihn von sich ergieße.“[37]

Die Synode von Elvira (305) verbot die Rekonziliation von Knabenschändern selbst in der Todesstunde[38]; dagegen wandte sich das Konzil von Nicäa (325).[39] Die Novellen Nr. 77 und 141 des christlichen Kaisers Justinian aus den Jahren 538 bzw. 559 befassen sich mit homosexuellen Vergehen, die aufs schärfste verurteilt werden. Unter anderem heißt es: „Denn wegen solcher Vergehen entstehen Hungersnot, Erdbeben und Pest, und darum ermahnen wir sie, sich der angegebenen unerlaubten Handlungen zu enthalten, damit sie nicht ihr Seelenheil verlieren.“[40] Von einer solchen pauschalen Feststellung aus, die Justinian in der alttestamentlichen Sodomerzählung begründet wissen will, war es nicht weit dazu, Sündenböcke für Naturkatastrophen gerade bei praktizierenden Homosexuellen zu finden – ein Beispiel für ungerechte Diskriminierung und Verdächtigung, die Homosexuellen oft widerfahren ist.

Am umfassendsten wandte sich Johannes Chrysostomos gegen die Homosexualität bei den Heiden, aber auch unter Christen.[41] In seinem Römerbriefkommentar meint er: „Es gibt nichts, was schlimmer wäre als dieser Frevel.“ Als Hauptgrund für die sittliche Verwerflichkeit nennt er die krasse Widernatürlichkeit der Homosexualität. Und er fragt: „Welche Höllenstrafen werden groß genug sein für solche Menschen?“[42] Die unmittelbare Strafe liegt nach seinen Worten bereits in der Sünde selbst, in der Abkehr von der rechten Ordnung, die den Sündern in ihrer Verblendung oft gar nicht mehr bewußt ist.[43]

Augustinus betont, „dass Männer beim Geschlechtsverkehr die Rolle des Weibes spielen, ist nicht naturgemäß, sondern widernatürlich.“ Und er tadelt jene, die im Namen der heidnischen Götter „diese Seuche, dies Verbrechen, diese Schmach“ sogar „in jenem Kult gewerbsmäßig“ betreiben.[44]

Dieser kurze Überblick zeigt: Es gab bei den Kirchenvätern und kirchlichen Schriftstellern gerade in Bezug auf die sittliche Wertung der Homosexualität zeitbedingte Elemente und leider auch echte Diskriminierungen von homosexuellen Menschen. Unbeschadet aller diesbezüglichen Trübungen und Verzerrungen hielt sich in der Kirche die von der Offenbarung vorgegebene Grundlinie durch: Homosexuelles Verhalten ist Ausdruck des Abfalls von Gott und gegen die Schöpfungsordnung gerichtet. Daher ist es in schwerer Weise ein Verstoß gegen das Gebot Gottes und für einen Christen auf jeden Fall zu meiden.
Die sittliche Beurteilung der Homosexualität in Kirche und Theologie des Mittelalters

In den mittelalterlichen Bußbüchern wurde homosexuelles Tun unter die schuldhaften sexuellen Verfehlungen gerechnet.[45] Extreme Anschauungen – die keineswegs den kirchlichen und theologischen „mainstream“ repräsentieren – qualifizierten bereits die ungeordnete Lust als solche als sündhaft. In dieser Linie gab es keinen Raum für eine adäquate Unterscheidung von homosexueller Neigung und homosexuellem Tun.

„In den früh- und hochmittelalterlichen Bußbüchern wird die Homosexualität ohne besondere Hervorhebung im Rahmen der sonstigen Sexualdelikte mit verschiedenen Kirchenstrafen belegt. Theologen aus der Zeit des ‚Reformpapsttums’ fordern eine schärfere Strafpraxis (Petrus Damiani).“[46] Dieser Theologe hat in seinem um 1049 verfaßten „Liber Gomorrhianus“ die homosexuelle Betätigung auf schärfste verurteilt.[47] Im Hintergrund standen konkrete Vorkommnisse auch innerhalb des Klerus, gegen die sich Petrus Damiani wenden musste. Homosexualität sah er als Bedrohung nicht nur für die Kirche, sondern auch für die Gesellschaft. Die „von Petrus geprägten Metaphern (Krebsgeschwür, Gift, Virus)“ übten „großen Einfluß auf die Perhorreszierung der Gleichgeschlechtlichkeit im gesamten Mittelalter“ aus.[48]

Im 3. Laterankonzil (1179) wurde angeordnet, als homosexuell überführte Kleriker zu degradieren sowie Laien aus der Kirchengemeinschaft auszuschließen.[49]

Nach Thomas von Aquin zählt Homosexualität zu den widernatürlichen Unzuchtssünden („vitium contra naturam“). Er nimmt eine zweifache Einteilung der Unzuchtssünden („luxuria“) vor: Es gibt solche, die der rechten Vernunft („ratio recta“) entgegenstehen, und es gibt andere, die darüber hinaus auch noch direkt „gegen die natürliche Ordnung des sexuellen Aktes“ gerichtet sind, wie sie dem Menschen entspricht.

Zu diesem „vitium contra naturam“ zählt er dann wiederum vier Gruppen: Jemand sucht „ohne sexuelle Vereinigung um der Lust willen“ den Orgasmus (= Selbstbefriedigung); jemand bedient sich einer „Sache nicht derselben Art“ für den geschlechtlichen Vollzug (= Bestialität); jemand vollzieht den „Beischlaf mit dem nicht gebührenden Geschlecht“ (= Homosexualität); jemand beachtet „nicht die natürliche Art und Weise des Beischlafs“, entweder in Hinsicht auf ein „ungebührliches Mittel“ oder im Hinblick auf „andere scheußliche und bestialische Weisen des sexuellen Vollzugs“ (z.B. Anal- und Oralverkehr).[50]

Der Aquinate fragt nach der objektiven Schwere der Sünden gegen die Natur, zu denen die schon erwähnten vier Gruppen zählen. Seine Auffassung ist, dass diese Sünden innerhalb der Unzuchtssünden von der Sache her die schwersten sind, da der Mensch dabei das übertritt, „was gemäß der Natur bezüglich des geschlechtlichen Vollzugs festgelegt ist“ („quod est secundum naturam determinatum circa usum venereorum“).[51] Eine Aussage über die Schwere der Schuld im Einzelfall macht er dabei nicht, da für Thomas von Aquin feststeht, dass zur subjektiven Anrechenbarkeit einer Schuld als schwer die bewusste und freiwillige Zustimmung zur Übertretung des Gebotes Gottes in einer wichtigen Sache gegeben sein müssen.

Über die generelle Entwicklung urteilt Hergemöller: In der theologischen und kirchenrechtlichen Diskussion des späten Mittelalters könne „ein Trend zur Aufwertung der ‚sodomitischen Sünde’ als schlimmste aller Unzuchtssünden, ja als die größte aller Verfehlungen überhaupt, beobachtet werden. Sodomie wird seit dem 13. Jahrhundert als Angriff auf die von Gott geschaffene Naturordnung, auf die Heiligkeit des Ehebandes und auf die Grundlagen von Staat und Gesellschaft unter Androhung der Höchststrafe verfolgt“.[52]

Im weltlichen Bereich erfolgte in (straf-)rechtlicher Hinsicht eine Kriminalisierung der Homosexualität. Als Beispiel dafür kann die Peinliche Gerichtsordnung von 1532 genannt werden, die jenen die Verbrennung androhte, die gleichgeschlechtliche Unzucht trieben (Art. 116).[53] „Insgesamt ergibt sich der Eindruck, dass Verstümmelungs-, Ehren-, Geld- und Exilstrafen (insbesondere für Minderjährige und passive Partner) häufiger verhängt wurden als Todesurteile. In Venedig wurden z.B. im 15. Jh. ca. 70 öffentliche Hinrichtungen vollzogen (meist Feuertod bzw. Enthauptung mit anschließender Verbrennung). Die Todesstrafe für Frauen wegen analoger Delikte konnte für die Zeit des Mittelalters bislang nicht nachgewiesen werden.“[54]
Die sittliche Beurteilung der Homosexualität in Kirche und Theologie der Neuzeit

Ökumenisch bedeutsam ist die Einschätzung der Homosexualität und ihrer Akte bei Martin Luther. Während er in seinem Kommentar zum Römerbrief die Homosexualität als sittliche Abirrung der Menschen infolge ihres Gottesverlustes nur en passant zur Sprache bringt, da er hier die Selbstbefriedigung einbezieht[55], zeigt er in seinem Traktat vom ehelichen Leben die Ehe als gottgewolltes und in der Schöpfungsordnung begründetes Heilmittel gegen jede Art von sexueller Zügellosigkeit und Perversion auf, wie sie nach seiner Auffassung auch die homosexuellen Akte darstellen.[56] Am deutlichsten wird der Reformator in seiner Vorlesung zum Buch Genesis: Das homosexuelle Ansinnen der Bewohner Sodomas wertet er als „contra naturam“ sowie als „perversitas“. Ihre eigentliche Wurzel habe diese Verkehrung in der Anstiftung des Teufels.[57] Damit fällt er ein klares Urteil, das der Wertung katholischer Theologen seiner Zeit in nichts nachsteht.

Als exemplarischer Vertreter der katholischen Moral der Neuzeit soll der heilige Alfons von Liguori angeführt werden. Seine Moraltheologie ist am Evangelium orientiert, bedient sich aber auch der rechtlich-kasuistischen Kategorien seiner Zeit. Nach seiner Auffassung besteht die besondere Hässlichkeit („deformitas“) der Sodomie im Verkehr mit dem ungebührenden Geschlecht. Es bestehe ein Unterschied in der sittlichen Bewertung, je nachdem jemand dabei die aktive oder passive Rolle übernommen habe.[58] In bezug auf die Straffolgen der Sodomie überrascht folgender Satz: „Quoad poenas sodomitarum, si sint laici, damnantur morte, et combustione.“[59] Heißt das, dass Alfons hier nicht nur die gesetzliche Regelung seiner Zeit referiert, sondern die Todesstrafe bei Sodomie sogar befürwortet? Sofern dies zutrifft, ist er hier beeinflußt von einer rigoristischen Zeitströmung in Bezug auf die strafrechtliche Verfolgung Homosexueller. Für Kleriker allerdings treten andere Strafen ein (wie Amtsverlust etc.). Im Übrigen fällt gerade bezüglich der Behandlung des 6. Gebotes die kasuistische Sichtweise auf, die aus heutiger Sicht in manchen Bereichen skrupelhaft anmutet.[60]

Dominicus Prümmer (+ 1931) gehört zur jüngsten Vergangenheit. Er anerkennt, dass es „sexuelle Perversion“ („perversio sexualis“) in der Weise gibt, dass jemand ein ungestümes sexuelles Verlangen in Bezug auf eine Person desselben Geschlechtes hat („appetitus sexualis valde vehemens in personam eiusdem sexus“). Eine solche Perversion sei bisweilen gleichsam angeboren („quasi innata“), manchmal durch sexuell zügellose Akte erworben („acquisita actibus valde libidinosis“). Hier könne die sittliche Verantwortung gemindert sein. Deren völlige Aufhebung zieht er kaum in Erwägung: Weil der menschliche Geist überaus selten durch eine derartige sexuelle Perversion in völlige Verwirrung gerate, würden die von der sexuellen Begierde initiierten Akte dem Handelnden prinzipiell angerechnet.[61]

An der grundsätzlichen Auffassung der katholischen Kirche bezüglich der sittlichen Verwerflichkeit homosexueller Akte hat sich in der Neuzeit nichts geändert, obwohl die Kirche ihren gesellschaftlichen Rückhalt vielfach verlor und darum mitunter zu einem einsamen Zeugnis der von ihr vertretenen Wahrheit in Fragen der Glaubens- und Sittenlehre aufgerufen war.

Gesellschaftlich kann der Weg der Bewertung von Homosexualität und ihrer Akte in der Neuzeit so skizziert werden: Homosexualität wurde von einem Vergehen bzw. Verbrechen zu einer privaten Sünde, dann zu einer Krankheit, schließlich zu einer tolerierten und heute zu einer als gleichwertig mit der Heterosexualität anerkannten Lebensform. Diesem Wandel hat sich die Kirche allerdings nicht in der von vielen erwarteten Weise angeschlossen, was ihr nicht selten Widerspruch einbringt.
Die sittliche Beurteilung der Homosexualität in Kirche und Theologie der Gegenwart

Nicht zuletzt aufgrund des Beitrags der Humanwissenschaften hat sich eine Unterscheidung zwischen homosexueller Ausrichtung[62], homosexuellem Verhalten und homosexueller Identität als hilfreich erwiesen. Hinsichtlich des verantwortlichen Umgangs von Christen mit einer homosexuellen Neigung gebe es zwei Lösungswege, meint W. Korff: Entweder den „Weg des Verzichts auf sexuelle Betätigung bei gleichzeitiger Sublimierung des geschlechtlichen Antriebslebens im Rahmen eines individuell und sozial produktiven Lebensentwurfs“ oder den „Weg der Integration der homosexuellen Orientierung und des daraus fließenden Verhaltens in eine auf Dauer ausgerichtete homosexuelle Partnerschaft“.[63] Er meint dann, eine „undifferenzierte und grundsätzliche Verwerfung homosexuellen Verhaltens erscheint aber besonders dort problematisch, wo sich die Betroffenen nicht nur keinerlei strafrechtlicher Verfehlungen schuldig machen ..., sondern umgekehrt ihre Homosexualität in eine dauerhafte, auf personale Bindung gerichtete partnerschaftliche Beziehung integrieren.“[64]

Dieses Beispiel, das sich leicht durch viele andere ergänzen ließe, zeigt, dass selbst innerhalb der katholischen Theologie die Beurteilung von Homosexualität als ungeordnete Neigung und die sittliche Wertung homosexueller Akte als in sich schlecht, wie sie vom Lehramt der katholischen Kirche in Konsens mit Bibel und Tradition vorgenommen wird, nicht mehr auf ungeteilte Zustimmung stößt. Was ist in den letzten Jahren geschehen, was hat zu dieser Entwicklung geführt?
Zur so genannten „Entpathologisierung“ der Homosexualität

Längst wird es in einschlägigen Kreisen nicht mehr als Fortschritt für eine angemessene Beurteilung individueller Verantwortlichkeit angesehen, homosexuelle Neigung in bestimmtem Ausmaß als unfreiwillig zu beurteilen und sie in eine Reihe mit anderen Abweichungen von der rechten Norm zu stellen oder als eine Form krankhafter Prägung der Persönlichkeit zu werten. 1973 beschloss die „American Psychiatric Association“, die Homosexualität als solche zu entpathologisieren und aus dem „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM) zu streichen.[65]

Die Herausnahme von Homosexualität aus dem Verzeichnis krankhafter Erscheinungen verleitet zur Annahme, es handle sich dabei um eine völlig normale, der heterosexuellen Orientierung durchaus gleichwertige Form menschlicher Sexualität. Mitunter wird impliziert, die Zuschreibung einer Krankheit sei per se eine Diskriminierung der Person. In dieser Weise setzt Rauchfleisch einfach voraus, dass eine „stark pathologisierende“ Sicht der Homosexualität zugleich eine „diskriminierende“ Sicht sei.[66] Homosexuelle „Orientierung“ finde „schon im Verlauf der Kindheit und Jugend ihre definitive Ausgestaltung“. Daher sei Therapie nicht nur unmöglich, „sondern geradezu antitherapeutisch und inhuman“, da sie für die Klienten „zu einer Verleugnung und einem Vorbeileben an ihrer wahren Identität“ führe. Homosexuelle Menschen seien oft Opfer von Gewalt, in offener oder subtiler Form, auch „durch soziale Ausgrenzungen, Pathologisierungen ihrer Orientierung mittels medizinischer und psychologischer Theorien und nicht zuletzt auch durch offizielle kirchliche Verlautbarungen.“[67]

Angefragt werden soll, ob die Neubewertung der Homosexualität aufgrund ideologischer Vorentscheidungen oder gemäß medizinisch-therapeutischen Kriterien erfolgt ist. Die Antwort darauf können allerdings nicht Theologie und Kirche geben. Diese Aufgabe muss der psychiatrischen Wissenschaft zugewiesen werden.[68]
Aufwertung der Homosexualität als der Heterosexualität gleichwertige Schöpfungsvariante?

Die Stoßrichtung jener Theologen, die eine Neubewertung der Homosexualität vornehmen und dies auch von der Kirche einfordern, ist klar. Es geht um nichts Geringeres als um eine Anerkennung homosexueller Praxis als legitime Variante von Schöpfungserfahrung.[69]

So sehen manche nur mehr ein Defizit bei homosexueller Praxis als gegeben an: die Unmöglichkeit, Leben weiterzugeben. „Den Fortfall der geschlechtlichen Ergänzung sieht man offenbar kompensiert durch die Möglichkeit personaler Partnerschaft.“[70] Das Verbot homosexueller Akte wird nur mehr als rein kirchliche Verbotsnorm interpretiert, deren Übertretung in der Sache nicht schwer zu gewichten wäre.[71] Ausnahmen gemäß dem Spruch des individuellen Gewissens seien legitim. Die Kirche müsse dies respektieren. Damit wird die Frage objektiver Normativität elegant umschifft.

Auf diese Weise ist eine Kehrtwendung von der biblischen, patristischen und theologischen Tradition hin zu einer dem momentanen Zeitgeist folgenden Sicht vollzogen.
Eheschließung für Homosexuelle?

Der kirchliche und kirchenrechtliche Standpunkt ist klar: „Nach herrschender Lehre und Rechtsprechung sind Männer und Frauen mit entschiedener homosexueller Neigung zur heterosexuellen Ehe in der Regel unfähig (c. 1095 n. 3). Eine ‚Ehe’ zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern ist kirchenrechtlich unmöglich.“[72]

Das genügt vielen allerdings nicht. Wenigstens für den gesellschaftlichen Bereich fordern sie eine Art von „Homosexuellen-Ehe“ als institutionelles Äquivalent der Homosexualität.[73]

In diesem Sinn existiert auch eine Resolution des Europäischen Parlaments vom 8.2.1994 für eine gesetzliche Ermöglichung der zivilen „Eheschließung“ für homosexuelle Paare. Wenn aktuelle politische Entwicklungen in bestimmten Staaten analysiert werden, dann zeigt sich, dass zumindest die Bestrebungen stark sind, dies auch zu realisieren. Diese Bestrebungen hat die Kongregation für die Glaubenslehre zum Anlass genommen, in einem eigenen Schreiben darauf hinzuweisen, dass eine derartige institutionelle Aufwertung homosexueller Beziehungen naturrechtlichen Prinzipien, aber auch der Offenbarung widerspricht, ja in Wahrheit eine Diskriminierung gegenüber der Ehe zwischen Mann und Frau darstellt.[74]
Theologische Klärungen

Die homosexuelle Neigung ist nicht als der heterosexuellen Ausrichtung gleichwertig anzusehen. „So wenig es eine Diskriminierung der Person geben darf, so wenig darf man andererseits den Mangel übersehen, den die Person mit der homosexuellen Ausrichtung und Orientierung erleidet.“[75] Vor allem die Bedeutung, die der Weitergabe des Lebens zukommt, aber auch die der leiblichen und affektiven Ergänzung von Mann und Frau sprechen gegen eine Gleichwertigkeit. Es ist sogar nach Auffassung Gründels „nicht zu erwarten, dass der Homosexualität die gleiche Wertschätzung eingeräumt wird wie der Heterosexualität; geht man von dem zeichenhaften Charakter der Leiblichkeit der sexuellen Begegnung aus, so behält eben doch die Homosexualität die Eigenart einer Anomalie.“[76]

Jene Argumente, die sogar eine sittliche Anerkennung homosexueller Akte fordern, erweisen sich als nicht stichhaltig:

Homosexualität sei eine gleichwertige Variante der Natur. Man müsse daher der Natur gemäß handeln dürfen. Hier wird die faktische von der normativen Natur nicht unterschieden. „Als Norm kann vielmehr immer nur die Natur in ihrer Finalität gelten: Es ist so zu handeln, dass die in der Natur liegenden Zwecke realisiert werden.“[77]

Der Homosexuelle dürfe sein eben so geprägtes Wesen nicht verstümmeln. Als Antwort darauf könnte auf Mk 9,43 verwiesen werden, wo Jesus Christus sehr wohl Opfer verlangt für jene, die in seine Nachfolge eintreten, was für Außenstehende sogar den Charakter scheinbarer Selbstverstümmelung haben kann.

Nicht jeder eheliche Akt diene dem Leben. So könnten auch homosexuelle Akte berechtigt sein. Doch ist hier festzustellen, dass die Ehe in ihrer Gesamtheit auf die Weitergabe des Lebens ausgerichtet ist, worin sich die „Fleischwerdung“ der Liebe vollendet. Jeder sexuelle Einzelakt ist vom Menschen für das Leben offen zu halten. Wenn es auch aufgrund biologischer Gründe unfruchtbare Ehen gibt, so ist doch die sexuelle Gemeinschaft von Mann und Frau an sich auf Fruchtbarkeit hingeordnet und dafür offen. Bei homosexuellen Akten fällt diese Offenheit aufgrund natürlicher Grenzen von vornherein weg. Somit sind diese sittlich nicht positiv zu werten.

Homosexuelle Akte seien Ausdruck der Liebe zwischen gleichgeschlechtlich empfindenden Menschen. Dem steht entgegen, dass die Sprache des Leibes keine willkürliche ist und daher die Frage zu stellen ist, ob homosexuelle Akte überhaupt zum Ausdruck personaler Liebe werden können.

Der Mensch mit homosexuellen Neigungen könne eben nicht anders, als sich homosexuell zu verhalten. Hier wird von Ausnahmen auf die Regel geschlossen. Doch selbst da, wo persönliche Schuld fehlt oder gemindert ist, bleibt die objektive Unrichtigkeit homosexueller Akte bestehen.

Man müsse Homosexuellen mit Barmherzigkeit begegnen und dürfe daher ihr Tun nicht verbieten. Doch kann es gerade ein Zeichen von Barmherzigkeit sein, Menschen auf die Unrechtmäßigkeit ihres Verhaltens hinzuweisen, auch im Bereich des Sexuellen und seiner Vollzüge!

Zusammenfassung und Wertung

Die kirchliche Wertung der Homosexualität hat sich im Wesentlichen nicht verändert. Dennoch ist eine Entwicklung festzustellen. So lässt sich das Ergebnis wie folgt zusammenfassen:

Unverrückbar ist das Urteil, dass Homosexualität nicht der Schöpfungsordnung entspricht und dass homosexuelles Handeln objektiv sündhaft ist. Homosexualität ist eine Anomalie und keine Variante der Schöpfung, die zwar weniger wertvoll, aber immer noch gut wäre. Diese Wertung ist das Kernstück der lehramtlichen Texte zum Thema.[78]

Vor allem auch aufgrund humanwissenschaftlicher Erkenntnisse gibt es heute keinen Moraltheologen mehr, der Homosexualität schlechthin als die „Sünde aller Sünden“ werten würde. Es gibt eine Reihe von Sünden, die objektiv viel schlimmer sind als homosexuelle Beziehungen.

Auch die subjektive Verantwortung wird viel vorsichtiger abzuwägen sein als dies früher der Fall war, unter anderem in Hinblick auf die heute deutlichere Unterscheidung zwischen unfreiwilliger Neigung und in Freiheit vollzogenem sittlich-bewussten Handeln.

Klarer ist auch geworden, dass es eine wichtige Unterscheidung zwischen dem Rechtsbereich und der Ebene des moralischen Verhaltens gibt. Der Staat soll durch das Gesetz jene Werte schützen, die die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung garantieren und die Fundamente der Gesellschaft betreffen. Er kann aber nur jene Übertretungen sittlicher Gebote unter Strafe stellen, die zugleich eine Schädigung der Werte des Gemeinwohls sowie der personalen Würde anderer Menschen bedeuten. Für homosexuelle Akte Erwachsener trifft dies im Allgemeinen nicht zu, außer diese sind mit der Verführung Minderjähriger verbunden oder sie geschehen unter dem Einfluss von Furcht und Gewalt bzw. erregen öffentliches Ärgernis.

Strafrechtliche Exzesse früherer Zeiten und in anderen Kulturräumen sind für den heutigen Betrachter unverständlich. Wenn es so etwas wie eine „Entschuldigung“ für Unrecht gibt, das Vorgänger in (staatlichen und kirchlichen) Amtspositionen begangen haben, ist eine solche gewiss auch Homosexuellen gegenüber angebracht. Mit einer moralischen Anerkennung der Homosexualität an sich hat dies allerdings nichts zu tun.

Für einen Beobachter von außen mag die Haltung der Kirche zu restriktiv und zu negativ erscheinen. Es kann hilfreich sein festzustellen, dass es nicht um Verbote an sich geht, sondern dass gerade auch die negativen Gebote des Sittengesetzes immer den Sinn haben, positive Werte zu schützen und zu fördern. Was hier auf dem Spiel steht, ist nichts anderes als die rechte Ordnung der menschlichen Sexualität als Ausdruck der Liebe von Mann und Frau und damit auch die gottgewollte Institution der Ehe als Grundlage von Familie, Gesellschaft und Kirche. Für die Verteidigung dieser unersetzbaren Werte wird es sich daher mit Sicherheit lohnen, auch manchen Widerspruch auf sich zu nehmen!
Quellen
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[1] Der für diese Publikation aktualisierte Beitrag geht zurück auf einen Vortrag bei der Studientagung „Homosexualität und Kirche“ in Salzburg vom 04.-06.09.2000 und erschien erstmals in: Laun (Hg.), Homosexualität, 161–178.

[2] Der Terminus „Homosexualität“ wurde erst im Jahre 1869 vom ungarischen Schriftsteller Kertbeny alias Benkert geprägt (vgl. Hoheisel, Homosexualität, 291). Mitunter erfolgt eine Abgrenzung zu Homoerotik und Homophilie, welche dann nur die besondere gleichgeschlechtliche Neigung und Empfindung bezeichnet, gleichgeschlechtliche Akte aber ausschließt. Auch behandeln viele das Phänomen der lesbischen Sexualität in eigener Weise, was hier allerdings – ohne die spezifischen Differenzen zu leugnen – unter dem Gesamtbegriff „Homosexualität“ zusammengefaßt werden soll.

[3] Ein Kernsatz lautet: „Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet, hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, ‚dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind’ (KKK 2357, mit Berufung auf „Persona humana“, Nr. 8). In der neuen deutschen Fassung, welche der für authentisch erklärten lateinischen Fassung des KKK folgt, heißt es in Nr. 2358, dass die homosexuelle Neigung „objektiv ungeordnet“ ist („obiective inordinata“).

[4] Vgl. z.B. Niedermeyer, Handbuch, Bd 1, 258.

[5] Nach H. Weber (Moraltheologie, 201, Anm. 521) gibt es bisher „noch keine Gesamtgeschichte der christlichen Sexualethik“, wohl aber Monographien zur historischen Entwicklung von Einzelfragen.

[6] Holderegger, Homosexualität, 228; ähnlich Hoheisel, Homosexualität, 290.

[7] Gründel, Homosexualität, 3.

[8] Hoheisel, Homosexualität, 291.

[9] Vgl. Hoheisel, Homosexualität, 293 f.

[10] Vgl. Hoheisel, Homosexualität, 294–296.

[11] Hoheisel, Homosexualität, 298.

[12] Hoheisel, Homosexualität, 301, der A. Winterling zitiert.

[13] Vgl. Hoheisel, Homosexualität, 307.

[14] Vgl. Hoheisel, Homosexualität, 308.

[15] Hoheisel, Homosexualität, 310.

[16] Vgl. Hoheisel, Homosexualität, 313. „In puncto Homosexualität ist alles erlaubt – aber nur mit Sklaven“, urteilt Bleibtreu-Ehrenberg (Tabu 184) über die römischen Anschauungen. Brown (Keuschheit, 44) präzisiert: „Was streng verurteilt wurde, war die Tatsache, dass manche Männer in Verfolgung ihrer Lust den Wunsch entwickelten, die weibliche Rolle zu spielen, indem sie sich von ihren Liebhabern penetrieren ließen: Ein solches Verhalten stellte die Ärzte vor ein Rätsel und war für die meisten Leute schockierend.“

[17] Vgl. Hoheisel, Homosexualität, 321 ff.

[18] Vgl. Hoheisel, Homosexualität, 355 ff.

[19] Vgl. Fleischer, Homosexualität, 115.

[20] Vgl. Hoheisel, Homosexualität, 327.

[21] Gründel, Homosexualität, 3.

[22] Gen 19,1–11. Vgl. Hoheisel, Homosexualität, 329 f. „Der Sache nach könnte ... eine Strafvergewaltigung zur Bestätigung der geltenden Rangordnung vorliegen.“ – Ebd., 331.

[23] Vgl. Hoheisel, Homosexualität, 331 f.

[24] Weber, Moraltheologie, 294.

[25] Hoheisel, Homosexualität, 338.

[26] Hoheisel, Homosexualität, 339. Gründel (Sexualmoral, 539) relativiert die Sicht des Paulus: „Sicherlich hat Paulus die Homosexualität als Symptom menschl. Ursünde verworfen, entsprechend seiner zeitgenössischen Wertung der Päderastie als Zeichen der Verworfenheit und Dekadenz.“ Oder in anderer Version (Gründel, Homosexualität, 3): „Aus Röm 1,24–27 kann keine konkrete Anweisung zur Beurteilung der Homosexualität entnommen werden. Diese Stelle deutet vielmehr an, dass die Abkehr von Gott negative Auswirkungen hat auf das Zusammenleben der Menschen.“ Bei Holderegger (Homosexualität, 229) findet sich sogar eine gewisse Umdeutung von Röm 1,26 f: „Homosexualität als Ausrichtung auf das gleiche Geschlecht ist hier nicht im Blick, sondern offensichtlich eine entehrende und instrumentalisierende homosexuelle Praxis von Menschen, von denen angenommen wird, sie könnten durchaus auf das andere Geschlecht hin bezogen leben. Nicht Homosexualität als gleichgeschlechtliche Beziehung, sondern Homosexualität als eine Form der Lustbefriedigung wird abgelehnt.“

[27] Korff, Homosexualität, 256; vgl. auch Schlier, Römerbrief, 59–62; Schnackenburg, Botschaft, Bd 1, 240 f.

[28] Vgl. Hoheisel, Homosexualität, 339 f.

[29] Holderegger, Homosexualität, 229.

[30] Justin, Dialog mit dem Juden Tryphon, 95,1.

[31] Vgl. Hoheisel, Homosexualität, 346 mit Hinweis auf Lactantius, Divinae institutiones VI,23,8.

[32] Vgl. Cyprian, An Donatus, 8 f.

[33] Siehe z.B. Tertullian, De corona 6,2 (aus der montanistischen Zeit).

[34] Vgl. Cyprian, Briefe 59, 13 f; 64, 5. Vgl. Hoheisel, Homosexualität, 345.

[35] Hoheisel, Homosexualität, 342. Im Grundsätzlichen erfolgt bei Clemens von Alexandrien bereits eine gegenläufige Wertung. Trotz seiner bisweilen rigoros erscheinenden Einzelweisungen zeigt er auf, dass die Ehe und die mit ihr verbundene Sexualität eine wahre christliche Berufung darstellen. Vgl. dazu Brown, Keuschheit, 137–154.

[36] Hoheisel, Homosexualität, 348. „Wenn man aber geschlechtlich verkehrt, ohne Kinder erzeugen zu wollen, so heißt das gegen die Natur freveln“ (Clemens von Alexandrien, Der Erzieher, II 95,3). „Denn die bloße Lust ist, auch wenn sie in der Ehe gewonnen wird, gesetzwidrig und ungerecht und unvernünftig“ (ebd., II 92,2).

[37] Clemens, Der Erzieher, II 87,3.

[38] Synode von Elvira, can. 71: „Päderasten werden auch auf dem Totenbette nicht mehr zur Communion zugelassen.“ Zitiert nach Bleibtreu-Ehrenberg, Tabu, 204.

[39] Vgl. Hoheisel, Homosexualität, 356 f.

[40] Justinian, Novelle, Nr. 77, dt. bei Bleibtreu-Ehrenberg, Tabu, 192.

[41] Vgl. Hoheisel, Homosexualität, 351 f. Gerade im Werk „Adversus oppugnatores vitae monasticae“ 3,8 schildert Johannes Chrysostomos den diesbezüglichen Verfall der Sitten auch bei Christen.

[42] Johannes Chrysostomos, Kommentar zum Römerbrief, Homilie V 3.

[43] Johannes Chrysostomos, Kommentar zum Römerbrief, Homilie V 2.

[44] Augustinus, De civitate Dei, lib. VI, c.8.

[45] Eine detaillierte Zusammenfassung über kanonische Strafbestimmungen bei homosexuellen Handlungen bietet Bleibtreu-Ehrenberg (Tabu, 209–218). Besonderes Augenmerk widmet sie den Pseudo-Kapitularen des Benedictus Levita (ca. 848–850), welche ausgerechnet in der praktizierten Homosexualität die Ursache für Naturkatastrophen, Kriege und politische Niederlagen (!) sahen und sogar die Todesstrafe durch Verbrennen für derartige Vergehen anführten (vgl. ebd., 218–231). Über die Tragweite dieser Aussagen und die praktische Anwendung dieser Bestimmungen gibt es unter den Forschern keinen Konsens. Bleibtreu-Ehrenberg wertet die besonders in den späteren Hexenprozessen erfolgte Verbindung von Sodomie mit Hexerei als direkte Folge dieser Kapitularen (vgl. ebd., 253–296, bes. 283). Ungeachtet der tatsächlichen praktischen Auswirkungen sind derartige Wertungen und Strafmaßnahmen wie in den Pseudo-Kapitularen als pauschale Diskriminierungen und Verfolgungen homosexueller Menschen entschieden abzulehnen – und dies in vollem Einklang mit der kirchlichen Lehre! Es muss Christen mit Schmerz erfüllen, dass solche Thesen und Vorgangsweisen von Vertretern der Kirche vorgebracht wurden und auch ein gewisses Echo fanden.

[46] Hergemöller, Homosexualität, 113.

[47] Vgl. dazu Boyd, Norm.

[48] Hergemöller, Einführung, 70.

[49] Vgl. Hergemöller, Homosexualität, 113 mit Bezug auf X 5.31.4.

[50] Vgl. Thomas von Aquin, S.Th. II-II q.154 a.11.

[51] Thomas von Aquin, S.Th. II-II q.154 a.12.

[52] Hergemöller, Einführung, 73.

[53] Vgl. Schroeder, Homosexualität, 227.

[54] Hergemöller, Homosexualität, 114; vgl. ders., Einführung, 74 f.

[55] Vgl. Steinhäuser, Homosexualität, 379 ff.

[56] Vgl. Steinhäuser, Homosexualität, 381 ff.

[57] „… at appetentium, quod contra naturam poenitus est, unde haec est perversitas? sine dubio ex Satana, qui, postquam a timore Dei semel deflexum est, tam premit naturam valide, ut extinguat naturalem concupiscentiam, et excitet eam, quae contra naturam est.“ – Martin Luther, Genesis-Vorlesung, in: WA 43, 57. Hier zitiert nach Steinhäuser, Homosexualität, 384, Anm. 969.

[58] Vgl. Alfons von Liguori, Homo Apstolicus, 24.

[59] Alfon von Liguori, Homo Apostolicus, 26.

[60] Vgl. Alfon von Liguori, Homo Apostolicus, 36.

[61] „Cum autem rarissime mens totaliter perturbetur hac perversione sexuali, actus libidinosi peracti imputantur agenti.“ – Prümmer, Vademecum, Nr. 526.

[62] Von manchen wird die homosexuelle Neigung als „Orientierung“ bezeichnet, was mitunter die Annahme impliziert, es handle sich hier um eine quasi-normative Vorgabe der sexuellen Triebrichtung, die der heterosexuellen Ausrichtung gleichzusetzen sei.

[63] Korff, Homosexualität, 257.

[64] Korff, Homosexualität, 258.

[65] Vgl. Dannecker, Homosexualität, 225.

[66] Vgl. Rauchfleisch, Homosexualität, 254.

[67] Rauchfleisch, Homosexualität, 255.

[68] Lütz (Wissen, 12) betont, dass die Ursachen der Homosexualität nach Auffassung der Fachleute noch weitgehend ungeklärt sind und warnt vor vorschnellen Zuschreibungen.

[69] Vgl. z.B. Steinhäuser, Homosexualität, 360–374, der als evangelischer Theologe sogar Paulus in dieser Weise uminterpretiert. Nach seiner Auffassung müsse man angesichts der universalen Intention in Röm 1,26 f verdeutlichen, „inwiefern die homosexuelle Lebensgestaltung gerade keinen Mißbrauch der Schöpfergaben, wie er dort vorausgesetzt wird, darstellt.“ – Ebd., 374.

[70] Weber, Moraltheologie, 325.

[71] Vgl. z.B. Fraling, Sexualethik, 242.

[72] Bier, Homosexualität, 259.

[73] Vgl. Holderegger, Homosexualität, 230.

[74] Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen, 03.06.2003.

[75] Weber, Moraltheologie, 346.

[76] Gründel, Homosexualität, 4.

[77] Weber, Moraltheologie, 346.

[78] Angaben zu Titel und Erscheinungsdatum der Dokumente finden sich im folgenden Verzeichnis unter den Quellen des kirchlichen Lehramtes.

(Quelle: https://stjosef.at/dokumente/kirche_und_homosexualitaet_moralhistorisch.htm)


KARL-LEISNER-JUGEND

Zur moralischen Bewertung der Homosexualität

Auf unserer Homepage bemühen wir uns, sowohl grundlegende Fragen unseres Glaubens aufzugreifen und zu erläutern, als auch keine Scheu vor den "heißen Eisen" zu habe. Priestertum der Frau, Zölibat, Sexualmoral - alles keine Themen, vor denen wir zurückschrecken würden.

Anders sieht es aber mit einer moralischen Bewertung der Homosexualität und der homosexuellen Handlungen aus. Schon seit Jahren erreichen mich immer wieder Anfragen zu diesem Thema, aber ich habe mich - auch auf eifrige Ratschläge meiner Mitbrüder - davon überzeugen lassen, davon die Finger zu lassen. Grund dafür ist die vollkommen übersteigerte Emotionalität, mit der diese Frage diskutiert wird; eine Diskussion, die mit großer Betroffenheit und oft ohne wirkliche Argumente geführt wird.

Möge jemand noch so sauber argumentieren; Für und Wider ausgewogen abwägen und vielleicht sogar einen hieb- und stichfesten Gedankengang vorlegen: Alles das wird in hitzigen Diskussionen leider nicht gewertet, weil selbst ein logisch korrekt hergeleiteter Schluss «homosexuelle Handlungen sind Sünde» an sich schon falsch sein soll. «Es kann nicht sein, was nicht sein darf».

In dieser Situation eine Katechese zu schreiben, die die Lehre der Kirche vor Augen hat und von der Hoffnung lebt, eine gute Begründung würde eventuell denkende Menschen zur Korrektur ihrer Meinung führen, ist mehr als gewagt.

Nun, ich habe mich dennoch dazu durchgerungen. Nicht allein, um (wie sooft auf unserer Homepage) die Haltung der Kirche verständlich zu machen, sondern auch, um eine Lanze für unsere homosexuellen Freunde zu brechen. Denn mit der grundsätzlichen Weigerung, Argumente zu bedenken, ist das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zunichte, das gute von schlechten Argumenten unterscheidet. Aus dieser Indifferenz-Haltung heraus entstehen nämlich auch falsche Argumente gegen die Homosexualität, die es zu widerlegen gilt, weil sie sowohl den Homosexuellen als auch der Religion Unrecht tun.

Das mag überraschen. Aber diese Katechese ist nicht in erster Linie deshalb geschrieben, um eine bestimmte Position zu vertreten, sondern um die Diskussion über die moralische Bewertung von homosexuellen Handlungen wieder mit rationalen Argumenten zu führen - und nicht mit leeren Worthülsen, gegenseitigen Diffamierungen und medialen Shit-Storms.

Vorbemerkungen

Ein Blick in die Publikationen, Diskussionen und theologischen Texte zur moralischen Bewertung homosexueller Handlungen offenbart einen Mangel, den wir nicht leugnen dürfen: Wirklich stichhaltige Argumente finden sich selten.

...sowohl in der Ablehnung der homosexuellen Handlungen, als auch in der argumentativen Ablehnung dieser Ablehnung.

Das macht die Auseinandersetzung nicht einfacher. Es ist eine leidvolle Erfahrung, dass Positionen, die sich nur schwer argumentativ begründen lassen, trotzdem nicht vorsichtiger oder verständnisvoller vertreten werden. Im Gegenteil: Je unsicherer die Begründung einer These, desto plakativer wird sie oft vertreten - in der Hoffnung, den Mangel an Geist durch einen starken Auftritt zu überspielen.

Ich weiß, dass es nicht einfach wird, in dieser Frage Argumente zu suchen und - wenn wir welche finden - sie angemessen zu bewerten. Aber versuchen können wir es ja einmal.
Das Fehlen von Argumenten

Es ist tatsächlich so: Eine rationale Begründung, warum gelebte Homosexualität etwas in sich Schlechtes sein soll, findet sich kaum - weder im kurzlebigen Internet noch in der jahrhunderte-alten Buchtradition. Das muss aber nicht unbedingt daran liegen, dass es solche Argumente nicht gibt. Mir fallen spontan zwei gute Gründe ein, wobei einer der beiden Gründe schon Teil unserer Argumentation ist.
Ein Grund dafür

Tatsächlich galt die Homosexualität über Jahrhunderte (ja, wahrscheinlich sogar über Jahrtausende) als so offensichtlich widernatürlich, dass zu keiner Zeit eine breite gesellschaftliche oder philosophische Diskussion darüber geführt wurde.

So gab es bis zur Einführung des Begriffes "Homosexualität" im Jahre 1868 in keiner Sprache überhaupt ein Wort für das, was wir heute "Homo- und Heterosexualität" nennen.

Das bedeutet nicht, dass es nicht ebenso lang - also quasi zu allen Zeiten - immer wieder Menschen mit homosexuellen Neigungen gab. Homosexuelle Handlungen wurden verheimlicht, verurteilt, bestraft oder geduldet (geduldet zumeist dann, wenn sie von mit entsprechender Macht ausgestatteten hochgestellten Personen ausgeführt wurden). So oder so - es wurde nicht viel darüber diskutiert.

Erst im 19. Jahrhundert begann mit einer juristischen Auseinandersetzung ein Prozess, der diesen Konsens in Frage stellte; erst im 20. Jahrhundert zog diese Diskussion auch in der christlichen Theologie Kreise. Aber aus dem Befund, dass die Diskussion der Homosexualität erst sehr spät einsetzte, darf nicht gefolgert werden, dass der frühere Konsens in der moralischen Ablehnung der Homosexualität unbegründet war.
Ein zweiter Grund

Es gibt aber noch einen anderen Grund, der deutlich macht, warum auch in der gegenwärtigen Diskussion wenige Argumente genannt werden: Es ist nämlich sehr schwer, für die moralische Beurteilung logisch zwingende Argumente zu finden; für unser moralisches Verhalten sind Intuition, Mitgefühl, auch Erziehung und Kultur, noch mehr aber Gewissen, Wahrheitsempfinden und Verstand gemeinsam verantwortlich. Jemand, der sein (bedenkliches) Verhalten unbedingt rechtfertigen will, kann rational kaum vom Gegenteil überzeugt werden.

Das zeigt sich überdeutlich in besonderen Fällen (die hier selbstverständlich nicht mit homosexuellen Handlungen gleichgestellt werden sollen): Einen Serienkiller, einen Entführer oder Terroristen durch Argumente davon überzeugen zu müssen, seine Taten seien böse, ist oft zum Scheitern verurteilt. Das liegt aber weniger an der Irrationalität der Behauptung, Entführung oder Mord seien verachtenswert. Vielmehr müssen wir uns eingestehen, dass jede rationale Argumentation auf ein Mindestmaß an Wohlwollen und Offenheit angewiesen ist. Das gilt für jede Argumentation - ganz unabhängig von ihrem Inhalt. Es kann sich als eine fatale Illusion erweisen, uneinsichtige Täter allein durch Argumente von ihrer Tat abbringen zu wollen.

Aristoteles hat einmal gesagt: "Jemand, der behauptet, man dürfe seine Mutter misshandeln, verdient keine Argumente, sondern Schläge."

Das bedeutet aber nicht, dass Moral nicht argumentativ durchleuchtet und geprüft werden kann. Die Frage ist deshalb, wer die Beweislast zu tragen hat.
Die Verteilung der Beweislast

Moral geht immer vom natürlichen Empfinden der Menschen aus; dieses wird keineswegs durch die Kultur restlos manipuliert: Sonst gäbe es keine "Abweichler" von der vorherrschenden Moral, keine Revolutionen, Widerstandsbewegungen und Umwälzungen, von denen wir allein schon in unserem Kulturraum wissen.
Wir können unserem Empfinden bis zu einem sehr weiten Maße vertrauen; auch über Kulturen und Epochen hinweg sind die moralischen Vorstellungen zum größten Teil die gleichen geblieben. Gegenteilige Behauptungen unterliegen einer optischen Täuschung: Die Gegensätze fallen uns sofort auf und erregen unser Verwundern; ganz gleich, ob es sich um andersartige Bestrafungsmethoden in islamischen Ländern oder seltsame Foltermittel früherer Epochen unserer Kultur handelt. Denn neben diesen Auffälligkeiten kenne ich keine Kultur, in der Undankbarkeit eine Tugend wäre, in der man die Lüge schätzt und lobt, in der Verträge hintergangen werden sollten oder Versprechen gebrochen werden müssen. Selbstverständlich gab es zu allen Zeiten - ich behaupte sogar: bis in die prähistorische Zeit hinein - Liebe und Beziehung als Gut; ebenso wie Lieblosigkeit, Beziehungsbruch und körperliche Gewalt als ein Übel.

Wenn wir also unserer überkommenen Kultur zunächst vertrauen und deren Werte übernehmen dürfen, ohne dass wir uns der Gedankenlosigkeit schuldig machen, so heißt das nicht, dass wir deshalb nicht kritisch sein müssen.

Ob wir aber wirklich kritikfähig sind, hängt davon ab, wem wir die Beweislast zuerkennen. Muss der alte Schamane mir beweisen, dass seine Traditionen und Werte rational begründbar sind? Muss die weise Bauersfrau, die in der Lebenserfahrung, die sie schon von ihren Großeltern geerbt hat, ihre Kinder und Enkel erzieht, ihre Position philosophisch herleiten? Muss ein Handwerksmeister der uralten Schmiedekunst jeden seiner überlieferten Kunstgriffe rechtfertigen können, bevor er den Lehrling unterrichtet?
Nein, wohl kaum. Allerdings sind die vorgegebenen Werte nicht automatisch sakrosankt. Vielmehr besteht die Schuldigkeit des Schamanen, des Meisters oder der Großmutter, Kritik der Jugend zuzulassen, ihr zuzuhören und sie zu bedenken.

Denn in der Moral gilt mehr als in allen anderen Bereichen: Wer fordert, muss begründen; wer kritisiert, muss analysieren. Wer verwirft, muss bedenken! Die Aufgabe der "Alten" ist nicht, ihr Leben in allem zu rechtfertigen (so kann man gar nicht leben), sondern den Neuerern Gelegenheit zu geben, ihre Kritik zu begründen. Und diese Begründung wohl zu bedenken!

Nun, eigentlich könnte sich diese Katechese mit diesen Ausführungen begnügen und hier schließen. Denn es dürfte keine Schwierigkeit sein, (1) die Ablehnung der Homosexualität als biblisch und geschichtlich als "außerhalb der Norm stehend" zu erweisen, und (2) deren Nutzen biologisch, evolutionär und sozial als zumindest zweifelhaft zu erweisen. Damit liegt die Beweislast bei denen, die sich für eine Veränderung der Normen einsetzen: Was für Argumente lassen sich finden, die die moralische Ablehnung der gelebten Homosexualität als einen bloß kulturbedingten Irrtum entlarven? Wie sehen die rationalen Argumente aus, die ein Umdenken in dieser Frage fordern?

Dabei gilt: Nur, weil eine Norm alt ist, ist sie deswegen nicht schlecht. Eine moralische Vorstellung als "fortschrittlich" zu bezeichnen, macht sie noch nicht gut; selbst wenn sie tatsächlich neu sein sollte.
Es gibt zu viele Beispiele, in denen Menschen Diktatoren, Demagogen und Rassisten gefolgt sind, weil sie glaubten, sie würden einer "neuen Moral" folgen und das Alte gelte nicht mehr. Wer glaubt, eine Behauptung als "mittelalterlich" zu bezeichnen, sei schon ein Argument, begibt sich auf das gleiche, sehr dünne Eis.

Nun, ich will es vorweg nehmen: Ich kenne kein wirklich tragfähiges Argument für die Abkehr von der Verwerfung der homosexuellen Handlungen. Dennoch begnügt sich die Kirche nicht mit der Verteilung der Beweislast und verzichtet auf eigene Argumente - im Gegenteil.

Behalten wir aber im Hinterkopf: Die Frage der moralischen Erkenntnis hängt nicht davon ab, ob ich meine traditionelle Position gut begründen kann. Wer also mit den Argumenten der Kirche, die im vierten Teil genannt werden, nicht einverstanden ist (und ich vermute, das werden nicht wenige sein), muss sich dennoch erst einmal selbst bewähren und belastbarere Gegenargumente bringen.
Auch, wenn sich die katholische Kirche mit eigenen Begründungen der Normen hervortut, kehrt sich die Beweislast deshalb nicht um: Das Recht auf gelebte Homosexualität muss begründet werden - nicht umgekehrt.

So gehen wir also in drei Schritten vor: Zunächst (Teil 1) stellen wir den biblischen Befund dar (eine historische, fremde Kulturen und Religionen überblickende Untersuchung können wir hier natürlich nicht leisten). Danach (Teil 2) traut sich die katholische Moral sogar mehrere theologische und rationale Begründungen der kirchlichen Position zu; gleich darauf (Teil 3) müssen wir auch auf Fehlentwicklungen in den Argumentationen hinweisen. Schließlich (Teil 4) betrachten wir die Argumente, die eine Änderung der kirchlichen Moral begründen wollen.
Das letzte Kapitel (Teil 5) ist vielleicht sogar das Wichtigste, weil es eben nicht mehr nach Argumenten und Gegenargumenten fragt, sondern die Kirche (das sind schließlich alle Getauften!) an ihre ureigenste Aufgabe erinnert: Das Heil für die Seelen, die Seelsorge.
1. Teil: Biblische Argumente

Den Blick in andere Kulturen will ich mir sparen. Der Blick in die jüdisch-christliche Bibel lässt allerdings keinen Zweifel: Da ist die Faktenlage eindeutig. Sowohl im Alten Testament (sehr eindeutig!) als auch im Neuen Testament gibt es klare Anweisungen, homosexuelle Handlungen zu verurteilen.

Schauen wir zunächst ins Alte Testament. Im Buch Levitikus ("3. Buch Mose") heißt es ziemlich eindeutig:

Levitikus 18,22: «Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel.»
In der Übersetzung der "Guten Nachricht" heißt es: «Kein Mann darf mit einem anderen Mann geschlechtlich verkehren; denn das verabscheue ich.»

Levitikus 20,13: «Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen.»
In der "Guten Nachricht" wird übersetzt: «Wenn ein Mann mit einem anderen Mann geschlechtlich verkehrt, haben sich beide auf abscheuliche Weise vergangen. Sie müssen getötet werden; ihr Blut findet keinen Rächer.»

Neben diesen "Anweisungen" wird auch in der Erzählung der Vernichtung von Sodom und Gomorrha die Sünde der beiden Städte anhand homosexueller Handlungen illustriert:

Genesis 19,1-7: «Die beiden Engel kamen am Abend nach Sodom. Lot saß im Stadttor von Sodom. Als er sie sah, erhob er sich, trat auf sie zu, warf sich mit dem Gesicht zur Erde nieder und sagte: Meine Herren, kehrt doch im Haus eures Knechtes ein, bleibt über Nacht, und wascht euch die Füße! Am Morgen könnt ihr euren Weg fortsetzen. Nein, sagten sie, wir wollen im Freien übernachten.
Er redete ihnen aber so lange zu, bis sie mitgingen und bei ihm einkehrten. Er bereitete ihnen ein Mahl, ließ ungesäuerte Brote backen, und sie aßen. Sie waren noch nicht schlafen gegangen, da umstellten die Einwohner der Stadt das Haus, die Männer von Sodom, jung und alt, alles Volk von weit und breit. Sie riefen nach Lot und fragten ihn: Wo sind die Männer, die heute Abend zu dir gekommen sind? Heraus mit ihnen, wir wollen mit ihnen verkehren.
Da ging Lot zu ihnen hinaus vor die Tür, schloss sie hinter sich zu und sagte: Aber meine Brüder, begeht doch nicht ein solches Verbrechen!»

Nun sind die Anordnungen im Alten Testament grundsätzlich von sehr unterschiedlicher Qualität: Es ist nicht dasselbe, ob das Tragen von Kleidung aus unterschiedlichen Stoffen (Lev 19,19), Kinderopfer (Lev 20,20) oder das Essen von Schalentieren (Lev 11,10) verurteilt wird. Wir können uns also nicht guten Gewissens einfach auf den Text biblischer, vorchristlicher Gesetze berufen, ohne nach den Gründen für diese Anordnungen zu fragen und sie auf ihre bleibende Bedeutung zu untersuchen.

Ansonsten setzen wir uns der Gefahr des Fundamentalismus aus - in diesem Fall des "Rechtspositivismus": Etwas sei nur deshalb verboten, weil es als verboten festgelegt wurde.

Die Zeugen Jehovas beispielsweise lehnen jedwede Übertragung von Blut ab, weil in der Bibel an mehreren Stellen der "Genuss" von Blut verworfen wird. Blutspenden sind selbst in Lebensgefahr nicht erlaubt, auch Eigenblutspenden werden verworfen. Eine auch heute noch nachvollziehbare Begründung - und ein Verweis auf einen möglichen Schaden - bleiben die Zeugen Jehovas allerdings schuldig.

Die Wiederholung und Bekräftigung einer Anordnung aus dem mosaischen Gesetz im Neuen Testament hat nun schon mehr Gewicht. Jesus hat die Allgemeingültigkeit der alttestamentlichen Anordnungen aufgehoben (z.B. die Speisevorschriften), wichtige moralische Grundsätze aber aus der Versenkung gehoben (z.B. die Unauflöslichkeit der Ehe). Wie sieht es mit der moralischen Bewertung der Homosexualität im Neuen Testament aus?

Im Brief des Apostels Paulus an die Römer (1, 26-27) heißt es: «Ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen; ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung.»

1. Korinther 6, 9: «Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habgierige, keine Trinker, keine Lästerer, keine Räuber werden das Reich Gottes erben.»

1. Timotheus 1, 8-10 (Gute Nachricht): «Wir dürfen nämlich eines nicht vergessen: Das Gesetz ist nicht für Menschen da, die tun was Gott will, sondern für solche, die sich um Recht und Ordnung nicht kümmern. Es ist für Sünder bestimmt, die Gott und seine Gebote verachten, für Leute, die Vater und Mutter töten, Mord und Unzucht begehen und als Männer mit Knaben oder ihresgleichen verkehren, für Menschenhändler und solche, die lügen und falsche Eide schwören oder sonst etwas tun, was im Widerspruch zur gesunden Lehre steht.»

Das unterstreicht nicht nur die Anordnung aus der vorchristlichen Zeit: Es ist also nicht nur eine rein auf das jüdische Volk beschränkte Gepflogenheit, Homosexualität abzulehnen, sondern wird ohne Bedenken in die christliche Tradition übernommen.

Es findet sich allerdings weder im AT noch im NT eine Begründung dieser Anordnung, weshalb es durchaus möglich wäre, mit guten Argumenten diese Moralvorstellung anzuzweifeln. So wird auch das "Blutverbot" des AT im Neuen Testament wiederholt (Apg 21,25) - und dennoch von den Christen sehr bald aufgegeben. Sie haben erkannt, dass das "Blutverbot" letztlich auf eine mythologische Vorstellung vom Blut als "Sitz der Seele" zurückzuführen ist - und bei der Einhaltung entsprechender hygienischer Standards ohne schädliche Folgen bleibt, sowohl für den Körper, als auch für die Seele.

Als vernünftige Christen sollten wir dafür Geduld und Redlichkeit aufbringen: Wir müssen zulassen, dass unsere christlichen Moralvorstellungen, auch wenn sie sowohl im AT als auch im NT erwähnt werden, auf ihre Herkunft, Begründung und bleibende Bedeutung überprüft werden.
2. Teil: Die Begründung der moralischen Ablehnung homosexueller Handlungen

Die Begründung der moralischen Ablehnung von homosexuellen Handlungen ist - faszinierenderweise - gar nicht direkt gegen die Homosexualität gerichtet. Der Katechismus der katholischen Kirche begründet eine Ablehnung nicht aus einem Erweis der Schädlichkeit, sondern aus einer positiven Sicht der Sexualität.

Wie auch schon in der Katechese zur künstlichen Empfängnisverhütung und der grundlegenden Katechese zur Sexualität ausführlich beschrieben, sind sexuelle Handlungen nicht einfach eine vergnügliche Freizeitbeschäftigung, sondern eine Sprache. Eine Sprache ist aber nur dann erfüllt und ausdrucksstark, wenn sie offen bleibt für den Inhalt, für den sie bestimmt ist.

Der Inhalt der Sexualität ist unstrittig: Die Hochform der Sexualität (als Sprache der Liebe) dient der Stärkung des Ehebandes - indem sie Ausdruck der ehelichen Liebe ist.

Ja - der Stärkung des Ehebandes. Das allein ist schon eine Provokation in der heutigen Gesellschaft; denn in vielen Bereichen unserer Gesellschaft hat sich die "sexuelle Betätigung" nicht erst von der Liebesbekundung gelöst (was im allgemeinen schon als Verlust gesehen wird), sondern zuvor schon vom ehelichen Rahmen, in dem Liebe und Sexualität ein geschützter Raum gewährt wird.
Es ist aber für das Verständnis der Einsicht der katholischen Kirche unverzichtbar, diesen Rahmen mitzudenken: Der Geschlechtsverkehr ist Ausdruck und Siegel der ehelichen Liebe. Somit ist alles, was zur Ehe gehört, auch Bestandteil des durch die Sexualität vermittelten Inhaltes.
Wenn allerdings Sexualität nichts mit der Institution "Ehe" zu tun hat, verfällt an dieser Stelle schon die ganz katholische Ehemoral: Dann könnte jeder - auch zwei gute Freunde, drei Arbeitskollegen oder die Nachbarn - in den Ausdruck ihrer freundschaftlichen, kollegialen oder nachbarschaftlichen Beziehung sexuelle Handlungen einbeziehen.

Ausdruck der ehelichen Liebe kann aber nicht sein, was einen wesentlichen Bereich dieser Liebe und Hingabe ausschließt. So ist eine Ehe, die nicht das Wohl des Ehepartners im Blick hat, keine Ehe; ebensowenig ist eine Liebe, die nur auf den Partner beschränkt bleiben will und jeden Nachwuchs von dieser Liebe ausschließt, keine wirklich eheliche Liebe.

Natürlich ist eine Liebe, die keinen Nachwuchs möchte, dennoch eine Liebe. Es gibt ja zahlreiche Formen der Liebe (innerhalb der Familie, zwischen Freunden und Freundinnen, ja, im Grunde zwischen allen Menschen), die alle gleichwertig sein können - aber nicht immer gleichartig sind.

Die eheliche Liebe jedoch ist nicht nach Belieben gestaltbar. Die Ehe ist dem Menschen vorgegeben (ein Geschenk!), sie ist kein Haufen Legobausteine zum freien Basteln.

Auch ist eine Ehe, die den ehelichen Akt (den Geschlechtsverkehr) zu einer Beliebigkeit degradiert und mit vielen anderen Menschen teilt, keine Ehe - selbst dann, wenn unabhängig von der körperlichen Betätigung eine emotionale, geistige und spirituell einmalige Beziehung zum Geliebten besteht.

Ich betone: All das ist die Ausgangslage der katholischen Sexualmoral, die nur in Erinnerung ruft, was der Schöpfer allen Menschen ins Herz geschrieben hat. Wer diese Ausgangslage nicht teilt, braucht sich nicht zu wundern, wenn wir zu entgegengesetzten Moralvorstellungen kommen. Deshalb sollte jede Auseinandersetzung über die christliche Moral zunächst diese Grundlagen diskutieren. Nochmal: Zunächst muss die Verbindung von Sexualität und Ehe begriffen werden, bevor wir an die moralische Bewertung z.B. der Homosexualität gehen.
Akzeptieren wir jedoch diese Wertmaßstäbe, dann ergeben sich eindeutige Konsequenzen für die moralische Bewertung homosexueller Handlungen.
Simulierte Ehe

Es gibt viele verschiedene Formen der Beziehungen zwischen den Menschen, und in jeder dieser Beziehungen soll die Liebe zueinander der maßgebliche Inhalt sein. Die Kirche schützt und fördert ausdrücklich alle diese Formen der Gemeinschaften, ob nun als Freundschaften, in Vereinen, in Klostergemeinschaften oder an den Bildungseinrichtungen, Arbeitsstellen oder in den Familien.
Diese Beziehungen dürfen in großer Freiheit von den Beteiligten selbst gestaltet werden; die Kirche ermuntert ausdrücklich zu dieser Gestaltungsfreiheit und fordert sie auch ein - etwa gegenüber staatlichen Einschränkungen, die z.B. die Versammlungsfreiheit, die Freiheit der Kommunikation oder die Freiheit zur Bildung von Vereinen einschränkt.

Da ich vermute, dass auch die der Kirche gegenüber kritisch und ablehnend Eingestellten diese Katechese lesen, betone ich, dass in dieser Hinsicht die Kirche auch selbst schuldig geworden ist. Aber ebenso unzweifelhaft ist, dass die katholische Kirche in der Regel die Aufgabe, die Freiheit der Beziehungen zu schützen, erfüllt hat.

Immer wenn Menschen einander so in Liebe zugetan sind, dass sexuelle Handlungen dazugehören - so glaubt die Kirche und so ist die Erfahrung der meisten Menschen -, braucht diese Beziehung einen zusätzlichen Schutz. Dabei ist es eine (heute noch selten verstandene) Pflicht, die Ehe nicht nur in Bezug auf Einflüsse von außen zu schützen, sondern auch vor dem Fehlverhalten der Liebenden.

So mag einer der Liebenden ("kleinere") Unwahrheiten für erlaubt, ja sogar für beziehungsförderlich halten. Wenn dann die Kirche darauf hinweist, dass zur Liebe in einer Beziehung auch die Liebe zur Wahrheit gehört, schützt sie den Partner davor, belogen zu werden.

Aber auch, wenn beide Partner in einer Beziehung einem Irrtum unterliegen (zum Beispiel, weil sie glauben, ihre Beziehung auf Kosten der Gesellschaft leben zu können), weist die Moral der Kirche sie darauf hin, dass sie damit letztlich auch ihre eigene Beziehung gefährden und schädigen.

Der Gedanke, niemand dürfe "consenting adults" (was soviel wie "zustimmende Erwachsene" heißen soll) in ihr Verhalten hineinreden, gilt nur dort, wo diese Erwachsenen sich mit ihrem freien Willen auf etwas einigen, das auch moralisch in Ordnung ist. Wenn sich zwei Menschen darauf einigen, sich gegenseitig Schaden zuzufügen, müssen wir sie auch vor sich selbst schützen.

Deshalb betont die Kirche, dass diejenigen, die ihre Beziehung zueinander sexuell ausdrücken und vertiefen wollen, gewisse Eigenschaften dieser Liebe nicht selbst definieren können. Dazu gehören die Wesenseigenschaften der Ehe, die in der Katechese zum Ehesakrament näher erläutert werden: Die Unauflöslichkeit, die exklusive Treue, das beiderseitige Wohl und die Offenheit für Nachkommenschaft - und darüberhinaus die persönliche Reife, Ehrlichkeit, Freiheit und Bedingungslosigkeit.

Wird eine der Wesenseigenschaften ausgeschlossen, dann dürfen wir nicht von "Ehe" sprechen; und dann verbietet sich auch der eheliche Akt.

Eine Beziehung, die zum Beispiel mit mehreren Partnern gleichzeitig geführt werden soll (z.B. in einem Freundeskreis), ist selbstverständlich eine gute und erlaubte Beziehung - unter der Voraussetzung, dass sie nicht sexueller Natur ist.
Ebenso ist eine Freundschaft, die nur auf Zeit besteht (z.B. zwischen Schülern, Studenten oder Arbeitskollegen), ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Dass solche Beziehungen nicht "unauflöslich" sind, ist klar. Sobald aber diese Freundschaften sexuelle Handlungen einschließen, haben wir nicht mehr die Freiheit, diese Beziehungen jederzeit aufzugeben.

Sexuelle Beziehungen, die einen oder mehrere dieser Wesenseigenschaften ausschließen, sind "simulierte Ehen"; sie gaukeln eine Wirklichkeit vor, die nicht vorhanden ist.

Solche Beziehungen lehnt die Kirche ab.

Wohlgemerkt: Nicht die Beziehungen sind schlecht, sondern der Einschluss von sexuellen Handlungen, die der Ehe vorbehalten sind, in Beziehungen, die keine Ehe sein wollen.

Aktiv homosexuelle Beziehungen

Wenden wir die grundlegende Selbstverpflichtung der Kirche zum Schutz der ehelichen Liebesbeziehung auf sexuell aktive, homosexuelle Beziehungen an, so wird deutlich, warum die Kirche darin eine unzulässige Vermengung jeweils an sich guter Elemente sieht. Eine Männer- oder Frauenfreundschaft, die von gegenseitiger Zuneigung, ja sogar Liebe geprägt ist, ist nicht nur erlaubt, sondern sogar wünschenswert. Auch eine sexuelle Betätigung, die von ehelicher Liebe und Zuneigung bestimmt ist, ist an sich gut und schützenswert. Aber das eine ist im anderen nicht möglich.

Denn eine Beziehung zwischen zwei Männern oder zwei Frauen ist keine Ehe und kann es auch nicht werden.
Offenheit für die Zeugung neuen Lebens

Zu einer ehelichen Beziehung gehört, dass die sexuelle Vereinigung Ausdruck der schöpferischen Liebe ist. Deshalb lehnt die katholische Kirche nach wie vor die künstliche Empfängnisverhütung ab, ebenso wie sexuelle Handlungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern.
Natürlich muss nicht jeder Geschlechtsverkehr immer das Ziel der Zeugung eines Kindes haben - das ist in einer Ehe nicht gefordert. So dürfen Eltern durchaus die Zeiten natürlicher Unfruchtbarkeit wählen und die sexuellen Handlungen als Erweis der Liebe und Geschenk der Freude anstreben.
Ist aber eine sexuelle Beziehung in ihrem Wesen ungeeignet, Ausdruck der schöpferischen Liebe zu sein, so ist sie auch nicht ehelich.

Das ist einer der beiden im kirchlichen Katechismus genannten Gründe, warum die Kirche das Ausleben homosexueller Neigungen als moralisch verwerflich betrachtet:

«Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet [Vgl. Gen 19, 1– Röm 1,24– 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10], hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, dass 'die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind' (CDF, Erkl. 'humana' 8). Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen.» (Katechismus der Katholischen Kirche (KKK), Nr. 2357)

Ausdruck der gegenseitigen Freude

Der sexuelle Akt zwischen Mann und Frau spiegelt eine hervorragende Eigenschaft der ehelichen Liebe wieder: Indem sich die Eheleute einander hingeben, erfahren sie selbst Erregung und Freude; wer im sexuellen Akt Freude und Erfüllung des anderen erstrebt, wird selbst erhoben und beschenkt.
Homoerotische Sexualität ist jedoch - trotz gegenteiliger Intention der Agierenden - nicht viel mehr als abwechselnde gegenseitige Befriedigung. Das In-Eins-Fallen von Geben und Empfangen kann nicht im selben Akt, sondern nur nacheinander, geschehen.
Ausschließliche Treue

Manche Homosexuelle unterscheiden zwischen homosexuellen Handlungen und dem homosexuellen Beziehungsleben: In homosexuellen Beziehungen (vor allem unter Männern) sind die sexuelle Betätigung nicht immer an einen Partner gebunden. Deshalb unterscheiden manche Verteidiger der Homosexualität die körperliche Treue von der sozialen Treue. Auch Homosexuelle seien in einer festen Partnerschaft an dauerhaften Beziehungen interessiert und schätzen sie sehr. Es stehe aber nicht im Widerspruch dazu, wenn Homosexuelle darüberhinaus sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern suchen ("Promiskuität"), weil sie die soziale Treue nicht von der körperlich-sexuellen "Untreue" beeinträchtigt sehen.

In der Trennung von sozialer und körperlicher Treue sieht die Kirche nicht nur eine unerwünschte Folge der Homosexualität, sondern auch ein Indiz dafür, sie als ungeordnet anzusehen. Erfahrungsgemäß lassen sich ungeordnete Neigungen viel schwerer kontrollieren, im Gegensatz zu Neigungen, die auf ein in sich gutes Ziel ausgerichtet sind. Natürlich kann auch Heterosexualität mit ungeordneten Neigungen verbunden sein, die Anstrengungen erfordern, will man sie kontrollieren. In heterosexuellen Beziehungen ist aber die (einvernehmliche) Trennung zwischen sozialer und körperlicher Treue seltener.

Weitere Gedanken

Aus den Überlegungen, was eine Ehe ausmacht, werden gelegentlich weitere Mängel einer homosexuellen Partnerschaft abgeleitet. Wiederum gilt: Die im folgenden genannten Mängel machen eine Beziehung keinesfalls zu einer sündhaften Beziehung - Gott bewahre! Aber dass diese Mängel geeignet sind, eine sexuelle und damit ehe-ähnliche Beziehung auszuschließen, ist durchaus denkbar und zumindest diskussionswürdig.
Die Ergänzungsbedürftigkeit von Mann und Frau

Die katholische Kirche sieht den Menschen als ein personales Wesen, das im Zusammensein mit anderen existiert. In dieser Verbundenheit mit den Mitmenschen wird der Mensch nicht mehr nur als Einzelperson gesehen, auch nicht nur als Mitmensch, sondern als Mann und Frau.
Gerade in ihrer Polarität zeigt sich, wie die Menschen als Mann und Frau aufeinander bezogen sind und einander ergänzen - mit allen Komponenten ihrer menschlichen Existenz: der geschlechtlichen Leiblichkeit, der männlichen und weiblichen Psyche und dem Geist. Die völlige Harmonie zwischen zwei Menschen, Mann und Frau, ist die Hochform der menschlichen Existenz!

A.M.J.M. Herman van den Spijker (ein Franziskanermönch, der sich schon in den 1960er Jahren mit dem Thema der Homosexualität beschäftigt hat und sogar auf www.homowiki.de gewürdigt wird), schreibt: «Gerade die Einheit in Verschiedenheit, diese Komplementarität auf allen Ebenen, diese ganzheitliche Zuneigung zum Partner des anderen Geschlechtes, ist nach der Anthropologie die ideale Norm. Es gibt viele Möglichkeiten eines menschlichen Verhältnisses. Nicht alle Verhältnisse gestalten sich perfekt, noch können sich alle auf die gleiche Weise gestalten. Das Vater-Tochter-Verhältnis ist von der Sache her anders als das zwischen Mann und Frau. Jedes Verhältnis zwischen Menschen ist schön, wenn es wirklich menschlich ist und die Eigenart des Verhältnisses respektiert wird. An und für sich kann das personale Verhältnis zwischen Mann und Frau die reinste Harmonie auf allen Ebenen der menschlichen Existenz verwirklichen. Diese partnerschaftliche Einheit, diese Begegnung, dieses Sein mit einem Mitmenschen, ist ein Höhepunkt der menschlichen Intersubjektivität.
Die Heterotropie, die reale Hinordnung auf einen andersgeschlechtlichen Partner im Sinne eines Grundverhaltens, macht es dem Menschen möglich, diese Hochform menschlicher Intersubjektivität zu verwirklichen. Darum ist die Heterotropie ontisch gesehen der ideale Zustand. Alles, was einen Menschen abhält, diesen Höhepunkt zu erreichen, ist ein Mangel. Eines der wichtigsten Hindernisse ist die gleichgeschlechtliche Zuneigung. Sie hindert die Menschen, sich als Mann und Frau zu begegnen in der Hochform der menschlichen Intersubjektivität: in der lebenslangen Einheit in Treue und in exklusiver Liebe, die gegebenenfalls im Kinde eine hoffnungsreiche Zukunftsperspektive hat. So muß man sagen, daß die gleichgeschlechtliche Zuneigung vom ontischen Ideal her ein Mangel, eine Seinsminderung, eine Einschränkung der Existenzmöglichkeiten ist.» (A.M.J.M. Herman van den Spijker: "Die gleichgeschlechtliche Zuneigung - Homotropie: Homosexualität, Homoerotik, Homophilie - und die katholische Moraltheologie" - Freiburg 1968, S. 197f.

Im Gegensatz zur Freundschaft, in der die gleiche (zumindest ähnliche) Ausrichtung zum verbindenden Element wird, lebt die Ehe von der Ergänzung durch Gegensätzlichkeit. Beides - die Freundschaft und die geschlechtliche Liebe - sind gottgewollt und gut; aber die aktive Sexualität ist der geschlechtlichen Liebe vorbehalten.

In der Erklärung der USCCB (United States Conference of Catholic Bishops) vom 14. November 2006 mit dem Titel "Ministry to Persons with a Homosexual Inclination: Guidelines for Pastoral Care" heißt es im Kapitel "The Place of Sexuality in God's Plan": (Übersetzung von PvB)

«Das Phänomen der Homosexualität stellt uns vor gedankliche Herausforderungen, die nur mit einer klaren Vorstellung von Sexualität in der göttlichen Schöpfungsordnung bewältigt werden können. Im Anfang hat Gott den Menschen nach Seinem Bild erschaffen; d. h. die gegenseitige Ergänzung der Geschlechter von Mann und Frau ist ein Geschenk Gottes - und sollte als solches verstanden und respektiert werden. Menschliche Sexualität ist insofern etwas Gutes, Teil des geschaffenen Geschenkes. Gott sah die Sexualität als "gut" an, weil Er den Menschen nach Seinem Bild geschaffen hat, Ihm ähnlich, als Mann und Frau.
Die Komplementarität von Mann und Frau als weiblich und männlich ist also eingeschaffener Bestandteil der von ihm gestalteten Schöpfung. Genauer: Weil Mann und Frau unterschiedliche sind - einander ergänzend -, können sie sich in einer Einheit zusammenfinden, die offen ist für neues Leben. Jesus lehrte, dass am Anfang der Schöpfung Gott die Menschen als männlich und weiblich erschuf. "Aus diesem Grund wird der Mann seinen Vater und Mutter verlassen und die zwei [Mann und Frau] werden ein Fleisch." (Mk 10,6-8).

Das ist der zweite, im Katechismus genannte Grund zur moralischen Ablehnung der gelebten Homosexualität: «Sie [die homosexuellen Handlungen, PvB] entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen (Vgl. dazu auch 2333.)» (Katechismus der Katholischen Kirche (KKK), Nr. 2357)

3. Teil: Vorsicht!

Urteilt nicht!

Durch ein Gebot oder ein Verbot kann nur eine Handlung moralisch bewertet werden. Das Urteil darüber, ob die Person, die handelt, böse ist, überlässt, wer vorsichtig ist, lieber Gott.
Außerdem ist eine Neigung noch keine Handlung: Eine Person, die eine Neigung hat, muss nicht ihr entsprechend handeln. Das Urteil darüber, ob ein Mensch gar nicht anders kann, überlässt, wer vorsichtig ist, lieber dem Experten.

In einer Instruktion zur Homosexualität vom 4.11.2005 bekräftigt die katholische Kirche noch einmal das, was bereits 1995 im "Katechismus der Katholischen Kirche (KKK)" grundgelegt ist. Dort wird zwischen homosexuellen Handlungen und homosexuellen Tendenzen unterschieden:

«Bezüglich der homosexuellen Handlungen lehrt der Katechismus, dass sie in der Heiligen Schrift als schwere Sünden bezeichnet werden. Die Überlieferung hat sie stets als in sich unsittlich und als Verstoß gegen das natürliche Gesetz betrachtet. Sie können daher in keinem Fall gebilligt werden.

Die tief sitzenden homosexuellen Tendenzen, die bei einer gewissen Anzahl von Männern und Frauen vorkommen, sind ebenfalls objektiv ungeordnet und stellen oft auch für die betroffenen Personen selbst eine Prüfung dar. Diesen Personen ist mit Achtung und Takt zu begegnen; man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen. Sie sind berufen, den Willen Gottes in ihrem Leben zu erfüllen.»

Darauf bezieht sich das eindringliche Gebot Jesu: «Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden!» (Lukas 6,37). Ein Urteil über die Person, und damit letztlich über ihren Heilszustand, ist und bleibt allein Gott vorbehalten.
Das wird manchmal von christlichen Moralaposteln übersehen, die nicht nur eine Handlung ablehnen, sondern auch noch die handelnde Person; aber noch häufiger wird diese Unterscheidung von denen vergessen, die sich als Person verurteilt und abqualifiziert fühlen, obwohl doch nur eine ihrer Handlungen als unmoralisch bezeichnet wurde.

Das gilt auch dann, wenn eine Neigung im Menschen zu bestimmten Handlungen besteht, zum Beispiel zum Jähzorn oder zum heimlichen Naschen aufgrund von nächtlichem Heißhunger. Nur die Tat darf moralisch bewertet werden. Gelegentlich wird zwar auch noch die Neigung (der Jähzorn oder der Heißhunger) qualifiziert (z.B. als "ungeordnet") - was aber nicht bedeutet, dass eine Person, die "ungeordnete Neigungen" verspürt, deshalb schon sündigt! Letztlich ist der Ist-Zustand aller Menschen "ungeordnet".

So oder so: Es verbietet sich eine Disqualifikation eines homosexuell empfindenden Menschen ebenso wie eine Herabsetzung eines homosexuell Handelnden als einer "moralisch verwerflichen Person".
«Du bist ein Sünder!» - «Du auch.»

Einen Menschen moralisch zu verurteilen, also von einem unverbesserlichen, bösartigen oder sogar teuflischen Menschen zu sprechen, ist selbst eine Sünde - und keine kleine! Jemanden, der bei einer Lüge ertappt wurde, als "Lügner" zu bezeichnen, ist jedoch etwas anderes: Die Bezeichnung "Lügner" bedeutet ja nicht, dass alles an diesem Menschen verlogen ist, sondern nur, dass dieser Mensch zumindest einmal gelogen hat. So kann man auch jemanden als "Betrüger" oder als "Mörder" bezeichnen, falls ihm eine entsprechende Tat nachgewiesen wurde.
Aber - Vorsicht! Die Grenze, einen Lügner nicht nur deshalb so zu nennen, weil er einmal gelogen hat, sondern weil man ihm unterstellen möchte, er sei grundsätzlich nicht mehr vertrauenswürdig, ist schnell überschritten. Die Frage "Wer möchte schon gerne einen Verbrecher in seiner Nachbarschaft wohnen haben?" unterstellt, dass der Mensch, der gegen das Gesetz verstoßen hat, ein gänzlich anderer und schlechterer Mensch ist als die restlichen, scheinbar guten Nachbarn.

Zunächst ist es also keine Verurteilung, einen Menschen als "Sünder" zu bezeichnen. Die rhetorische Frage von Homosexuellen: «Wollt ihr etwa behaupten, wir seien alle Sünder?» darf mit «Ja» beantwortet werden, wenn bei ihnen homosexuelle Handlungen vorliegen. Es geht zunächst um eine sachliche Feststellung. So gilt ja auch, dass jemand, der gelogen hat, ebenfalls ohne diskriminierende Hintergedanken als "Sünder" bezeichnet werden darf.

In der Frage schwingt allerdings auch die Erfahrung mit, dass aktiv Homosexuelle sich oft als "Quelle von allen möglichen Sünden" diskriminiert sehen. Sie hören dann in der Aussage «Homosexuelle sind Sünder» ein moralisches Urteil über ihre Person im Ganzen heraus - was nicht zu rechtfertigen ist.

Selbstverständlich missbilligt die Kirche auch in homosexuellen Beziehungen nicht alles und jedes, sondern nur das, was der Schöpfungsordnung widerspricht. Im Hinblick auf enge Geister sei das Selbstverständliche gesagt: Gutes ist natürlich auch dann gut, wenn es Homosexuelle tun!

Ich will nicht bestreiten, dass manche Aussagen vernichtend gemeint sind. «Du bist ein Sünder» soll dann heißen: «Du bist eine ganz und gar sündhafte Person!» - so, als handle es sich um jemanden, der ohne Unterlass sündigt und deshalb zu meiden ist.
Aber das ist eine Entgleisung - nicht der Normalfall. Es trägt ebenfalls nicht zur Versachlichung der Diskussion bei, wenn Sachaussagen im Zweifelsfall als persönliche Diffamierung verstanden werden. Die Aussage "Du bist ein Sünder" in einer theologischen oder moralischen Diskussion ist eine Sachaussage, mehr nicht. Einem Menschen zu unterstellen, er habe "sündig gehandelt", ist kein Angriff oder eine unverschämte Einmischung, sondern eine vielleicht sogar hilfreiche Feststellung. Gerade Christen dürften über eine solche Aussage nicht erschrecken, ist doch das eigene "Sünder-Sein" die Voraussetzung für das "Erlöst-werden".

Bezüglich der Sexualität schwimmt die Kirche wirklich gegen den Strom der Zeit, jedenfalls so, wie dieser in unserer westlichen Welt fließt. Denn die Kirche erkennt überhaupt kein außereheliches Sexualleben als richtig an, auch nicht ein heterosexuelles. Jedem, der nicht heiraten kann oder nicht heiraten will oder noch nicht verheiratet ist, sagt sie: Du sollst sexuell enthaltsam leben! Jedes „Sexualleben" gegen dieses Gebot ist eine mehr oder weniger gewichtige Sünde. Wohlgemerkt: Das sagt sie allen Menschen, nicht nur Homosexuellen!
Mit dieser Forderung löst die Kirche bei einer großen Mehrheit in unseren Breiten Kopfschütteln aus. Bei denen aber, die ihr glauben und auch auf die leise Stimme ihres Gewissens hören, wird es wiederum eine Mehrheit sein, die sich zwar bemüht, aber - wie bei anderen Geboten auch - immer wieder versagt. Ihnen sagt die Kirche: Gott hat Geduld mit euch, habt auch ihr selbst Geduld mit euch! Wir sind alle Sünder und werden es auch unser irdisches Leben lang bleiben.

Die "sexuelle Identität"

Nicht ganz unschuldig an der Vermengung von Sachaussagen und persönlichen Angriffen ist die Begrifflichkeit der Gender-Ideologen. Mit der Erfindung des Begriffs "sexuelle Identität" wurde die sexuelle Ausrichtung mit der eigenen Identität so verknüpft, dass ein Infragestellen der sexuellen Praktiken automatisch als Angriff auf die Person gewertet werden kann.
Abgesehen davon, dass unter diesen Umständen nun eine sachliche Diskussion unmöglich wird, ist das auch eine unzulässige Reduzierung des Menschen.

Ein Mensch, der sich nachts heimlich am Kühlschrank bedient, würde niemals den Ratschlag seines Arztes, davon Abstand zu nehmen, als Angriff auf seine Person verstehen - weil dieser Mensch seine Identität auch nicht unlösbar mit der "Kühlschrank-Plünderei" verknüpft hat.

Die Frage der sexuellen Identität bezieht sich allein auf die Frage, ob dieser Mensch männlichen oder weiblichen Geschlechts ist. Die Frage nach der sexuellen Ausrichtung ist jedoch keine Frage der Identität mehr - auch dann nicht, wenn der Betroffene sie selbst dazu erhebt. Denn neben seiner Identität als Mann und Frau zeichnet den Mann oder die Frau noch vieles mehr aus: Mensch, Person, Wissenschaftler, Nachbar, Autofahrer - außerdem ist er/sie klug, jähzornig, mutig, geizig (und noch vieles mehr).

Wenn nun ein autofahrender, jähzorniger Mann aufgrund dieser ungünstigen Kombination seiner Neigungen den Führerschein verliert - ihm also faktisch das Autofahren verboten wird - ist das auch kein Eingriff in seine Identität. Selbst dann, wenn der männliche, jähzornige Autofahrer sich in erster Linie als Autofahrer versteht und nur nebenbei als Mann.

Homophobie

Wenn nun jemand in der Ausübung einer Tätigkeit eingeschränkt wird - sei es aufgrund von staatlichen Verboten, kirchlicher Moral oder aufgrund von anderweitigen Umständen -, so ist das kein Angriff auf seine Person.
Es sei denn, jemand würde in seinen Freiheiten nur deshalb eingeschränkt, weil er eine bestimmte Identität besitzt. So wäre es natürlich eine eindeutige Diskriminierung, wenn man eine an sich nicht bewertbare Handlung (wie z.B. Busfahren) nur deshalb jemandem verbietet, weil er Schwarzafrikaner ist. Oder - so wird nun angeführt - einem Homosexuellen wird das Ausleben seiner Sexualität nur deshalb verboten, weil man etwas gegen Homosexuelle hat. Das wäre dann tatsächlich "Homophobie" (Angst vor der Gleichgeschlechtlichkeit) und genauso verachtenswert wie Rassismus und "Xenophobie" (Angst vor allem Fremden).
Einen solchen Gedankengang nennt der Logiker "genetischen Fehlschluss": Weil ein schlechter Mensch etwas tut, muss diese Handlung schlecht sein. - Das ist natürlich ein krasser Denkfehler!

In kirchlichen Kreisen taucht dieser Fehlschluss leider genauso auf wie bei allen Menschen. Über den Theologen Bernhard Wenisch (der ein wirklich gutes Buch zur Wunderfrage geschrieben hat) hörte ich von einem Studenten ein vernichtendes Urteil, weil «Wenisch ja ein abgefallener Priester» sei. Aus der Biografie eines Menschen zu schließen, dass dieser zu keiner ordentlichen Theologie mehr in der Lage sei, ist diffamierend.

Es ist aber auch der umgekehrte "genetischen Fehlschluss" möglich. So ist zum Beispiel Bill Gates in Amerika ein beliebter Redner - und auch ein gern gesehener Gast in evangelikalen Kirchen, wo er zu Fragen der persönlichen Lebensführung zu Rate gezogen wird. Aus der Tatsache, dass Herr Gates ein sehr vermögender Mensch ist, zu schließen, dass er deshalb kompetent in allen Lebensfragen ist, wäre allerdings ein Fehlschluss.

"Homophobie" bedeutet also, dass aus dem gesetzten Urteil über den Menschen auf die moralische Qualität seiner Handlungen geschlossen wird. Aber das ist - zumindest in der katholischen Moral - nicht erlaubt und hier in dieser Frage nicht der Fall. Es gilt noch nicht einmal das Gegenteil: Es wird weder vom Menschen auf seine Handlungen geschlossen, noch von den Handlungen auf den Menschen. Die Qualität des Menschen ergibt sich nicht aus dem, was er tut, sondern aus dem, was er ist: Ein geliebtes Geschöpf Gottes.
Von "Homophobie" als wahrer Grund für die Ablehnung homosexueller handlungen kann nur sinnvoll die Rede sein, wenn vorausgesetzt wird, dass die sexuellen Handlungen eines Homosexuellen im Grunde belanglos sind - und ihre moralischen Qualität nur aus einer angstbesetzten Ablehnung der Person erhalten.

Wer einem anderen also "Homophobie" unterstellt, nur weil der eine moralisch andere Ansicht zur aktiven Homosexualität hat als man selbst, handelt höchst unredlich. Der Kirche im Ganzen "Homophobie" zu unterstellen, ist nicht mehr als ein argumentativer Fluchtversuch.

4. Teil: Argumente der Befürworter gelebter Homosexualität

Unverschuldete Neigungen

Die Frage, woher Homosexualität stammt - ob es eine erworbene Eigenschaft ist (z.B. durch Erziehung, ein Kindheitserlebnis oder durch einen freien Willensentschluss) oder eine angeborene Neigung (genetisch bedingt) -, ist für die Frage nach einer Änderung der sexuellen Ausrichtung von großer Bedeutung (wobei die Bezeichnung der Änderung als "Heilung" stark kritisiert wird, weil sie unterstellt, Homosexualität sei krankhaft).

Dabei ist die Frage, ob die homosexuelle Neigung angeboren ist (wie heute viele behaupten) oder ob gilt: «Niemand ist homosexuell geboren» (wie R. Cohen und etliche andere sagen), für die Kirche unerheblich. Im Übrigen hat sie dazu keine eigene Meinung, weil es keine Glaubensfrage ist und sie dafür nicht kompetent ist. Sie greift nur auf, was sie der freien Diskussion der Wissenschaftler entnimmt. Übrigens: Niemand sollte einen anderen moralisch diffamieren, weil er in diesem Punkt anders denkt als er selbst.

Abgesehen von der relativ selten und wenig verbreiteten Vorstellung, der Homosexualität liege ein freier Entschluss zugrunde, gehen die meisten Menschen davon aus, dass die Neigung zu homosexuellen Handlungen selbst nicht verschuldet ist. Daraus schließen manche, eine solche Neigung dürfe dann auch nicht als "ungeordnet" bezeichnet werden und die daraus erwachsenen Handlungen nicht als moralisch verwerflich. Immerhin könne die homosexuelle Person ja nichts für ihre Eigenschaften - und deshalb auch nicht mit einem "Handlungsverbot" bestraft werden.

Die Antwort auf diesen Gedanken ist einfach, wenn auch für Betroffenen schwer zu ertragen. Denn wir Menschen kommen eben nicht perfekt und schon gar nicht moralisch fertig auf die Welt. Kinder müssen erzogen werden, Menschen müssen sich selbst immer wieder zusammenreißen, weil wir eben ein ganzes Bündel aus "ungeordneten" Neigungen sind. Kinder haben eine Neigung, sich zu nehmen, was sie begehren, und müssen erst mühsam "meins" und "deins" unterscheiden. Manche Menschen haben die Neigung, Vertrauliches auszuplaudern, andere verspüren die Neigung, fremde Häuser in Brand zu setzen. So oder so: Nur weil eine Neigung vorhanden ist, ist sie noch nicht gut.

Zudem gilt: Nur, weil eine Neigung nicht gut ist, ist eine Einschränkung der daraus entstehenden Handlungen keine Strafe. Ein Verbot, eine bestimmte Neigung auszuleben, ist keine Strafe, auch, wenn sie manchmal so empfunden wird. Im Gegenteil: Bestimmte, als schlecht erkannte Handlungen zu meiden, mag Überwindung kosten und gelegentlich ein Opfer sein. Aber das sagt mir nicht ein Richter, der über meine Vergehen befindet, sondern das sagt mir meine Liebe zum Nächsten oder zumindest meine Einsicht ins Gute.

Ob eine Neigung ausgelebt werden kann oder nicht, ist nicht schon dadurch entschieden, dass diese Neigung vorhanden ist; auch dann nicht, wenn diese Neigung selten oder häufig - vielleicht sogar mehrheitlich - auftritt. Das Vorkommen von Homosexualität selbst ist kein Argument für deren moralische Qualität.
Natürlich

Aber aus der (wissenschaftlich noch nicht gesicherten) Vermutung, die Veranlagung zur Homosexualität sei durch die Gene (oder die Natur) vorgegeben, wird ein ähnliches, etwas anders gelagertes Argument abgeleitet: Wenn die Natur einen Menschen mit homosexuellen Neigungen ausstatte, dann sei das ja schließlich eine "natürliche Neigung" - und eben kein moralisches Vergehen. Was aber "natürlich" sei, kann auch nicht böse sein. Und, falls der so Argumentierende ein religiöser Mensch ist, fährt er fort: Gott habe den Menschen immerhin so erschaffen, wie er ist, sogar als Sein Ebenbild; dann kann der Mensch, so wie er ist, auch nicht schlecht, geschweige denn "böse" sein.

So heißt es in der Schöpfungsgeschichte (hier: Gen 1,26-31) ja auch: "Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land. Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. ... Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: der sechste Tag.

Nun - damit wird etwas sehr Wichtiges gesagt. Der Mensch als solcher ist gut, und keine seiner Eigenschaften kann ihm dieses Gutsein, seinen Wert und seine Würde nehmen. Es geht nicht an, Homosexuelle in ihrem Personsein, in ihrer Würde und auch in ihrer Gotteskindschaft herabzusetzen.
Das geschieht zwar bisweilen, aber das geschieht gerade nicht durch die Behauptung, Homosexualität sei eine ungeordnete Neigung oder homosexuelle Handlungen seien Sünde. Denn der Begriff "natürlich" schließt nicht automatisch ein, dass alles "von Natur aus" auch moralisch bestens geordnet ist.

Auch mit einer gewissen Umdeutung der Evolutionstheorie versuchen einige das Argument zu konstruieren, dass alles, was in der Natur vorkommt, seinen "evolutionären" Sinn habe. Auch dieser Behauptung sei (allein schon aus naturwissenschaftlicher Sicht) energisch widersprochen.

Das scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zur "guten Schöpfung" zu sein - und zur Gott-Ebenbildlichkeit des Menschen. Aber der Mensch ist nicht mehr so, wie Gott ihn geschaffen hat; er hat "von Natur aus" seltsame Neigungen, gelegentlich auch Krankheiten, Behinderungen und sogar moralisch bedenkliche Veranlagungen - zum Beispiel zur Pyromanie.

Oh - ! Ich höre hier schon die kritischen Leser aufschreien: "Jetzt vergleicht der auch noch Homosexualität mit einem Hang zu Straftaten!" - Ja, das tue ich. Aber ich sehe darin kein Problem, denn es kommt ja darauf an, in welcher Hinsicht etwas verglichen wird. Ich behaupte nicht, dass Homosexualität und Pyromanie im Hinblick auf ihre moralische Qualität verglichen werden können - sondern nur in der Hinsicht, dass beides eine Veranlagung ist, für die der Mensch selbst nichts kann. Wenn nun die Lust am Feuerlegen eine erstens vom Pyromanen nicht selbst verschuldete Neigung ist und zweitens Pyromanie eine Neigung ist, die zu verabscheuungswürdigen Handlungen verleiten kann, dann kann daraus geschlossen werden, dass zumindest in diesem Fall das, was dem Menschen "von Natur aus" mitgegeben wurde, nicht in Ordnung ist. Das kann dann auch für Homosexualität oder Kleptomanie gelten.

Hilfreich ist es, drei verschiedene Bedeutungen von "natürlich" zu unterscheiden. Zum einen benutzen wir das Adjektiv "natürlich" im Gegensatz zu "künstlich" oder "chemisch" (wobei die Chemie auch ein Teil der Natur ist - aber das gehört jetzt nicht hierher). Ein rein "natürliches Bioprodukt" besagt also nichts anderes, als dass sich darin keine künstlich hergestellten Chemikalien befinden (sollten).

Was nicht bedeuten muss, dass "natürliche Bioprodukte" deswegen auch gesünder sind. Vor allem dann nicht, wenn der Konsument an einer Mangelkrankheit leidet, die eine Zusatzkost verlangt. Aber auch das gehört nicht hierher.

Die zweite Bedeutung von "natürlich" bezieht sich auf alles, was in der - vom Menschen nicht manipulierten - Schöpfung vorkommt. So ist eine unberührte Landschaft, ein klarer Bergsee "natürlich", aber ebenso Grippe- oder AIDS-Viren, Überfälle durch Raubtiere, Erdbeben und abstürzende Asteroiden. Nicht alles davon ist auch wünschenswert.

Eine dritte Verwendung des Begriffs "natürlich" bezieht sich auf die moralische Theorie des Naturrechts. Gut ist, was der Natur der Sache entspricht. Dabei ist mit "Natur" aber nicht einfach das So-sein der Welt gemeint, sondern ihr Wesen und ihr Sinn. Wer auf diese Weise versucht, die Homosexualität als "natürlich" zu erweisen, hat es schwer.

Denn im Schöpfungsbericht wird das Wesen der Schöpfung - in diesem Fall das Wesen der Mann-Frau-Schöpfung - durchaus mitgenannt: "Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich... Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch!"

Der Sinn bzw. die Natur der Sexualität ist - sowohl dem Schöpfungsbericht als auch der biologischen Funktion nach - zielgerichtet auf die Zeugung von Nachkommenschaft (wenn auch nicht ausschließlich). Homosexualität kann sicherlich nicht in diesem dritten Sinn des Wortes als "natürlich" bezeichnet werden.
Homosexuelle werden aus der Kirche gemobbt!

Sorry, wenn ich es etwas krasser formuliere: Dass Homosexuelle aus der Kirche hinaus gemobbt werden, ist zuallererst eine Behauptung der Homosexuellen selbst. Vor allem: Eine zumeist unwahre Behauptung!
Klar: wenn das Verbot von homosexuellen Handlungen schon eine Art Mobbing sein soll, haben sie recht. Aber in der Kirche wird keiner, der homosexuelle Neigungen in sich trägt, allein deshalb schon exkommuniziert.

Ich gebe zu, dass es auch in der Kirche - besonders an der Basis, in den Gemeinden - zu diskriminierenden Blicken, Aussagen und Entscheidungen gekommen ist und immer wieder kommt. Leider.

Aber die Lehre der Kirche ist unzweideutig: Für Menschen mit homosexueller Veranlagung gilt, was für alle Christen gilt: Wer an das Evangelium glaubt und sich bemüht, danach zu leben, gehört zur Kirche. Ausschließen kann man sich nur selbst durch Unglaube und Sünde. Glaube oder Unglaube haben nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun.

Viele Menschen glauben, das Leben in der Kirche wäre einfacher, wenn es nur die Basis gäbe und keine Hierarchie, keinen Papst und kein Kirchenrecht. Dabei wird gerne übersehen, dass wir den Überbau auch deshalb brauchen, um tolerant zu bleiben. Die Tendenz, ohne Papst und kirchliche Lehre Menschen aus den Gemeinden auszuschließen, weil man eine gewisse Abneigung z.B. gegen Andersartige oder Homosexuelle verspürt, braucht dagegen eine starke Hierarchie, die die faktische "vor-Ort-Exkommunikation" durch intolerante Gemeindemitglieder verhindert und uns immer wieder daran erinnert, dass solche Tendenzen der Ausgrenzung nicht christlich sind.

Die Kirche sollte in dieser Hinsicht barmherziger sein

Ich habe es bereits in anderen Katechesen betont: In Fragen der Moral kann die Kirche nicht "erlauben" oder "verbieten". Die Kirche hat die Pflicht, die Gebote Gottes zu verkünden, sie kann und darf sich nicht anmaßen, moralische Gebote zu erlassen oder abzuschaffen. Darum heißen sie ja "Gebote Gottes" und nicht "Kirchengebote".

"Kirchengebote" gibt es auch. Genau fünf. Aber die beziehen sich ausschließlich auf das kirchliche Leben der Katholiken und sind für alle anderen nicht verpflichtend. Zudem können die Kirchengebote geändert werden - von der Kirche.

Es ist ein grundlegendes Missverständnis, die von der Kirche gelehrte Moral sei eine im Grunde beliebige Festlegung, die irgendwann wieder geändert werden könnte und von der ab und zu Ausnahmen zugelassen werden könnten, ähnlich wie bei der Straßenverkehrsordnung. Andere dagegen meinen, jeder moralische Wert sei zwar nicht von der Kirche, aber von Gott einfach so "erlassen" worden. Und da Gott nunmal gut, lieb und barmherzig ist, würde er sicher einige der Gebote wieder abändern oder hier und dort einmal ein Auge zudrücken.

Ich kann diese Diskussion an dieser Stelle nicht vollständig führen. Aber es dürfte klar sein, dass die Kirche weder in Fragen von Mord, Folter und Vergewaltigung frei beschließen kann, dass diese in extremen Situationen doch eigentlich eine gute Sache seien. Sonst müsste man die Kirche wegen ihrer flexiblen Handhabung der Moral in Bezug auf die Haltung ihrer Mitglieder bei Hexenverfolgungen, auf Kreuzzügen, bei der Folter oder während der Inquisition eigentlich nur loben: «Sehr flexible Moral!» Wenn aber die Moral unbeugsam für die Kirche gilt und von ihr nicht abgeändert werden kann, dann ist die Moral der Kirche offensichtlich vorgegeben - und nicht von ihr gemacht.

Das gilt selbstverständlich nicht für alle Bereiche der Moral. Vom Zölibatsgebot sind genauso Ausnahmen möglich wie von der Pflicht, vor dem Essen zu beten. Deshalb unterscheidet die Kirche "göttliches" und "menschliches" Recht. Am göttlichen Recht kann weder die Kirche, noch der Papst oder ein Theologe Abstriche machen.

Eine gelegentliche Abänderung des göttlichen Rechtes und der vorgegebenen moralischen Werte - und sei es aufgrund angeblicher Barmherzigkeit - ist nicht haltbar. Damit würde die Kirche sich ein unerhörtes Recht anmaßen und sich selbst zu Gott machen.
Der Staat muss die Homo-Ehe anerkennen!

Es ist unbestritten, dass der Staat zum Schutz der menschlichen Beziehungen aufgerufen ist, wo immer diese sozial wichtig und gleichzeitig bedroht sind. Das gilt - so meinen Vertreter der Homosexuellen - auch für die Beziehungen zwischen homosexuellen Partnern.

Allerdings gibt es neben der Ehe auch viele andere zwischenmenschliche Beziehungen, die ihren Wert für die Gesellschaft haben. Dennoch besteht keine Notwendigkeit, zum Beispiel Freundschaft gesetzlich zu regeln. Auch mag es sein, dass Freundschaften zwischen bekennenden Homosexuellen einen schlechten Ruf haben; von einer Bedrohung kann jedoch keine Rede sein.

Eine "Gleichstellung" von homosexuellen Verbindungen mit der Ehe dagegen wäre eine Ungleichbehandlung, weil damit nicht nur eine nicht-eheliche Verbindung zwischen zwei Menschen einer ehelichen Verbindung gleichgestellt wird - sondern die Ehe zugleich auf die gesellschaftliche Anerkennung anderer, nicht-ehelicher Verbindungen herabgesetzt wird. Der gesetzlichen Privilegierung von Ehe und Familie steht ihre unvergleichbar hohe Bedeutung für das Gemeinwohl gegenüber. Aus der Gemeinschaft von zwei Männern oder Frauen wird keine Ehe, auch wenn man sie so nennt.
Homosexualität und die Evolution

Die Behauptung, Homosexualität sei ein natürliches Phänomen, wird oft mit einem Verweis auf homosexuelle Verhaltensweisen in der Tierwelt belegt. Der Befund ist dabei recht eindeutig - der argumentative Nutzen jedoch gering. Denn auch hier gilt, dass das Vorkommen von Verhaltensweisen in der Tierwelt nicht gleichzusetzen ist mit dem Etikett "natürliches Verhalten", wenn "natürlich" in einem wertenden Sinn verwendet wird. Nicht alles, was in der Natur vorkommt, ist gut.

Man denke nur an die Gewohnheit der Gottesanbeterin, dem Männchen noch während der Befruchtung den Kopf abzubeißen... oder lese, zum Beispiel, hier: http://www.heise.de/tp/artikel/20/20954/1.html

Ein anderer Aspekt der tierischen Homosexualität liegt in der Vermutung, dass Homosexualität genetisch bedingt sei. Falls dem so sein sollte und falls darin eine Fortsetzung der in der Tierwelt genetisch verursachten Homosexualität zu sehen ist, stellt sich die Frage nach dem evolutionären Nutzen. Auf den ersten Blick ist Homosexualität evolutionär kontraproduktiv: Anstatt für Nachkommen zu sorgen, sind homosexuelle Paare in der Tierwelt evolutionäre Sackgassen.

Wie immer in der Evolutionstheorie wird vermutet, dass das Vorhandensein eines genetisch bedingten Phänomens bedeutet, dass auch ein evolutionärer Nutzen vorliegen müsse.

Zumindest zwei Spekulationen über einen möglichen Selektionsvorteil der Homosexualität finden sich bei wikipedia:

«(1) Der Verzicht auf eigene Kinder könnte durch Verwandtenselektion der Sippe dienen, da sie dafür sorgt, dass sich eine größere Anzahl von Menschen um die Nachkommen kümmern kann. Dies könnte bewirken, dass der Verzicht auf eigene Kinder auch der Mitversorgung der genetisch nahe verwandten Neffen und Nichten dient, und somit auch den eigenen Genen den Fortbestand erleichtert (siehe auch „Das egoistische Gen"). Diese Theorie erklärt allerdings nicht den evolutionstheoretischen Nutzen der Homosexualität, da asexuelles Verhalten oder Veranlagung den gleichen Effekt hätten.»

«(2) Weibliche Verwandte homosexueller Männer scheinen fruchtbarer zu sein. Eine Studie der Universität Padua kam zu dem Ergebnis, dass weibliche Verwandte mütterlicherseits mehr Nachkommen haben als der Durchschnitt. Unter der Voraussetzung, dass Gene, welche auch zur Ausbildung der Homosexualität beitragen, mütterlicherseits vererbt werden und auch für die höhere Fruchtbarkeit verantwortlich sind, könnte dies den Nachteil kompensieren oder sogar überkompensieren.»

Aber selbst wikipedia lehnt evolutionäres Denken als Grundlage zur moralischen Bewertung der Homosexualität ab - dem stimmen wir zu.

5. Fazit und pastoraler Ausblick

Es ist keine bloße Floskel, dass der "Katechismus der katholischen Kirche" mit einem Appell schließt:

2358 Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Veranlagung erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.

2359 Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich - vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft -‚ durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.

Dieser Appell ist sicherlich bitter nötig: Menschen, die von einer gesellschaftlichen Norm abweichen, haben (trotz gegenteiliger Beteuerung einer toleranten Gesellschaft) immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen. Mit dem christlichen Menschenbild ist es aber unvereinbar, Menschen nur aufgrund ihrer Neigungen zurückzusetzen, zu diskriminieren oder auszuschließen. Noch einmal: In dieser Hinsicht müssen sich alle immer wieder an die Brust schlagen und bekennen, dass sie diesem Ideal nicht immer gerecht werden. Das gilt auch für die Vertreter der katholischen Kirche, unsere Gemeinden und auch für mich.

Allerdings gehen die Ansichten darüber, was eine "Zurücksetzung" oder "Diskriminierung" ist, weit auseinander. Eine moralische Einordnung von Verhalten - womöglich gut begründet - ist ganz klar nicht diskriminierend. Somit bleibt es eine Herausforderung, sich den Argumenten der katholischen Kirche vorbehaltlos und "sine ira et studio" zu widmen - ruhig auch kritisch.

Andererseits darf es niemals bei einer moralischen Bewertung eines fragwürdigen Verhaltens bleiben. Immer (!) sind wir Christen aufgefordert, uns den Betroffenen zuzuwenden; wohlwissend, dass kein Mensch (auch kein Christ) frei ist von ungeordneten Neigungen oder sündigem Verhalten. Seelsorge an Homosexuellen muss wie jede echte Seelsorge frei von Arroganz und Herablassung sein; die eventuelle Begabung vieler homosexuell empfindender Menschen für Kreatives, Spiritualität, Ästethik und Kunst ist dabei nur ein möglicher Anknüpfungspunkt.

Wenn eine "Heilung", also Umorientierung der homosexuellen Neigung in eine heterosexuelle möglich ist, freut sich die Kirche für den Betroffenen. Ob das geht, ist wiederum keine Glaubensfrage. Daraus gar eine Forderung zu machen, wäre Unsinn.

Allein und sexuell enthaltsam leben, ist für den Menschen zu schwer. Darum wünscht sich die Kirche, wie es in den USA bereits geschieht, eine Art von "Selbsthilfegruppen" solcher Menschen: Mit Hilfe von geistlichen Programmen sollen sich die Betroffenen gegenseitig helfen und bestärken, als Christen nach dem Evangelium zu leben. Aus diesen Gruppen können und sollen Männerfreundschaften (ohne sexuelle Beziehungen) hervorgehen, wie sie ja auch vom Katechismus der Katholischen Kirche angesprochen werden.

Ich möchte mit den Worten des Weihbischofs Andreas Laun schließen: «Nehmen wir an: Jemand hat ein starkes gleichgeschlechtliches Verlangen, zudem erweist sich dieses als "unheilbar", aber er (oder sie) verzichtet ein Leben lang auf ein entsprechendes Sexualleben, und zwar aus Liebe zu Christus und im Glauben an Gottes Gebot - dann kann er gerade dadurch ein großer Heiliger werden, und ich verneige mich vor der Größe dieses Menschen.
Sicherlich hat es solche homosexuell empfindende Heilige schon gegeben, und wir wissen es nur nicht. Es wäre gut, es gäbe einige, von denen wir es wissen: zur Ermutigung für unsere Schwestern und Brüder, die gleichgeschlechtlich empfinden, und zur Bewahrung vor Überheblichkeit der anderen Christen.»
Möchtest Du mir schreiben? Für diese Katechese ist Peter verantwortlich. Ich würde mich über eine Antwort freuen!

(Quelle: http://www.karl-leisner-jugend.de/homosexualitaet.htm)


CHRISTIAN ANTHROPOLOGY AND HOMOSEXUALITY - 13
Moral criteria for evaluating homosexuality

Livio Melina
Professor of Moral Theology at the John Paul II
Institute for Studies on Marriage and Family,
Pontifical Lateran University, Rome

The heated public debate on homosexuality involves different approaches to the topic that are sometimes mixed with one another and not free from confusion based on self-interest. It is rare to find the complex psychological problems which are typical of the homosexually oriented personality distinguished from questions associated with the "gay" culture and the life-styles influenced by it; it is even harder to separate the just requirements of non-discrimination from demands for the full legalization of homosexual unions.

In this situation, the positive achievement of the due respect that should always be shown a person, who can never be identified merely by his sexual orientation or actions, and the discovery of the deep psychological and social influences inherent in homosexuality are confused with other cultural factors, giving rise to a growing uncertainty and virtual eclipse of the ability to determine the objective criteria for moral evaluation. The loss of the authentic normative value of human nature and the consequent subjectivization of the moral sense are associated with an erotization of the surrounding culture and an emphasis on the right to sexual pleasure, which after exalting personal freedom, paradoxically submits the individual to the determinism of his impulses by censuring any moral demand.

In this paper, we will distinguish three aspects of the problem: first we will point out the guiding criteria for an objective moral evaluation of homosexual acts, then we will examine subjective influences, and lastly we will look at certain challenges raised by the "gay" culture.

Moral evaluation of homosexual acts

1. The choice to begin with an evaluation of homosexual acts depends precisely on the moral viewpoint we adopt. To be able to express an evaluation in terms of moral good or evil, the person's free will, by which he determines himself through the choices he makes, must come into play. In fact morality is concerned with what proceeds from personal freedom, that is, those human acts which, "to the extent that they are deliberate choices, .., give moral definition to the very person who performs them, determining his profound spiritual traits" (Veritatis splendor, n. 71).

Homosexual acts are thus taken into moral consideration in so far as they are deliberate choices while the psychological influences on freedom are examined at a later point to the extent that they diminish the person's moral responsibility or are a challenge to it.

Like every human act, homosexual behaviour must also be evaluated first of all on the basis of "objective criteria ... criteria drawn from the nature of the human person and of human action" (Gaudium et spes, n. 51). It is a question of those "principles of the moral order which have their origin in human nature itself and which concern man's full development and sanctification" (Persona humana, n. 4). In fact, "acting is morally good when the choices of freedom are in conformity with man's true good", corresponding to the wise design of God and indicated by his commandments, which are "a path that leads to life" (Veritatis splendor, n. 72).

Now, the moral tradition of the Church, based on the light of Revelation and natural reason, has always stressed unequivocally that "the use of the sexual function has its true meaning and moral rectitude only in legitimate marriage" (Persona humana, n, 5). Human sexuality is included in that primordial and good plan of God the Creator, who called man and woman with their reciprocal complementarity to be an image of his own love and responsible collaborators in the procreation of new individuals. Therefore, objective meanings are inherent in the physical acts related to sexuality and represent as many calls to achieve the person's moral good. The Second Vatican Council, speaking of the norms of conjugal morality, justified their value precisely as being directed to keeping the exercise of sexual acts within "the context of true love", by safeguarding "the total meaning of mutual self-giving and human procreation" (Gaudium et spes, n. 51).

Through the symbolism of the sexual difference which marks their bodily nature, man and woman are called to achieve two closely connected values: 1) the gift of self and the acceptance of the other in an indissoluble union (una caro), and 2) openness to the transmission of life. Only in the context of legitimate marriage are these values proper to sexuality adequately respected and achieved.

If we now consider homosexual activity in the light of these objective criteria and in comparison to the heterosexual marital relationship, its intrinsic contradiction to the above-mentioned meanings is obvious. First, homosexual behaviour lacks that unitive meaning in which "an authentic gift of self" can take place. In fact, only in the conjugal sexual relationship between a man and woman does their reciprocal complementarity, based on their sexual difference, allow them to become the "one flesh" of a communion of persons who together constitute one and the same procreating principle. The gift of self and the acceptance of the other are real, because they are based on the recognition of otherness and on the totality of the act which expresses them. The gift of the body is a real sign of self-giving at the level of the persons. The meeting of one person with another is expressed with respect for the symbolism of the sexed body. It therefore takes place as a true gift of self and as true acceptance of the other, and includes body and soul in a single and intentionally totalizing act.

In the homosexual act, on the other hand, that true reciprocity which makes the gift of self and the acceptance of the other possible cannot take place. By lacking complementarity, each one of the partners remains locked in himself and experiences his contact with the other's body merely as an opportunity for selfish enjoyment. At the same time, homosexual activity also involves the illusion of a false intimacy that is obsessively sought and constantly lacking. The other is not really "other"; he is like the self: in reality, he is only the mirror of the self, which confirms it in its own solitude, exactly when the encounter is sought, This pathological "narcissism" has been identified in the homosexual personality by the studies of many psychologists (L. Ovesey, O. F. Kernberg). Hence great instability and promiscuity prevail in the most widespread model of homosexual life, which is why the view advanced by some of encouraging "stable" and institutionalized unions seems completely unrealistic (J. F. Harvey).

Secondly, it is obvious that the homosexual act also lacks openness to the procreative meaning of human sexuality. In the sexual relationship of husband and wife, their bodily act of mutual self-giving and acceptance is ordered to a further good which transcends both of them: the good of that new life which can be born from their union and to which they are called to dedicate themselves. It is the logic of love itself, which requires this further dimension and transcendence without which the sexual act risks turning in on itself, by concentrating on the search for pleasure alone and literally sterilizing itself.

Through its openness to procreation, the intimate act of the spouses becomes part of time and history, and is woven into the fabric of society. The homosexual act, on the contrary, has no roots in the past and does not extend to any future; it is not grafted onto the community or the succession of generations. It remains locked in an "aesthetic pointillism" (A. Chapelle), in an unreal moment, outside time and social responsibility. To speak of the "spiritual fruitfulness" of homosexuality is unduly to ascribe the positive aspect, which is always involved in true friendship and of which homosexual persons are also capable, to homosexual practices that are also psychologically marked by a frustrating sterility. In fact, psychologists with broad clinical experience state that when an authentic personal friendship forms between male homosexuals, it frequently happens that they are unable to continue having sexual relations (J. Keefe).

Subjective influences

2. Psychological research into homosexuality has led to connecting behaviour in the sexual-genital sphere with deeper impulses linked to the person's psychological and sexual identity. This is of great importance in interpreting the phenomenon and identifying the degree of freedom and hence the subject's moral responsibility. In addition to episodic and occasional homosexuality in which the person's freedom to choose his behaviour is virtually complete, there are other typologies that show a homosexual orientation symptomatic of a more generalized or even compulsive identity problem (J. Keefe). At the root of these inclinations there seem to be gaps in the process of psychosexual identification rather than biological conditioning (E. R. Moberly, G. Van den Aardweg), which lead to the search for an (inadequate) response in the homosexual relationship to a real difficulty resulting from the absence of an identifying relationship with a parental figure of the same sex. Experience and therapeutic programmes demonstrate the possibility in many cases of recovering a basic heterosexual identity or at any rate the capacity for self-control of erotic homosexual inclinations (J. F. Harvey).

Therefore it is important when making a moral evaluation to draw from these psychological studies the distinction between the homosexual condition or inclination and homosexual acts, a distinction which has also been recognized by two documents of the Congregation for the Doctrine of the Faith: Persona humana of 29 December 1975 (n. 8) and Homosexualitatis problema of 1 October 1986 (n. 3). If homosexual acts must be described as intrinsically disordered because they lack an essential and indispensable goal, in so far as the homosexual orientation is not the result of morally negative choices it cannot be defined as a sin for which persons are to be held responsible.

How then should one judge the homosexual condition or homosexual tendency which inclines the person to erotic relations with persons of the same sex? Even while it forcefully denies that this condition can be called a sin, the Letter Homosexualitatis problema describes it as "intrinsically disordered" (n. 3). This definition caused controversy and the Church was accused of unjustly discriminating against homosexuals.

It is actually not a question of making a moral accusation against these individuals, but rather of recognizing that a homosexual orientation, to the extent that it represents a more or less strong inclination to intrinsically evil behaviour from the moral viewpoint, cannot be simplistically described as neutral or good. In fact, from this erroneous reasoning some people then drew the conclusion that for homosexuals whose orientation is truly irreversible, the sexual acts they perform in relationships dictated by love would even be morally acceptable.

It seems to me that a hermeneutical key to understanding the meaning of the assertion about the intrinsic disorder of the homosexual condition can be found in the Council of Trent's definition of concupiscence (Decretum de peccato originali, n. 5: DS 1515): this is not sin in the true and proper sense and is called sin by the Apostle Paul only in-as-much as "ex peccato est et ad peccatum inclinat". As happens in the case of so many other negative conditions (e.g. selfishness, the desire for power, greed, kleptomania, sadism, pyromania, etc.), human freedom can be preceded by disordered inclinations which assume a different form and force in different people. These are not sins in themselves. But they stem from sin: at least, from original sin, if not necessarily from personal sins. Above all, these inclinations tend to lead to sin.

But they stem from sin: at least, from original sin, if not necessarily from personal sins. Above all, these inclinations tend to lead to sin.

In the light of faith, this challenge of a negative influence on freedom should be seen as a sharing in suffering and a test, in solidarity with humanity fallen in Adam. But it can become, in communion Christ's victorious Cross and one's own ascetical struggle, an opportunity for holiness, merit and active co-operation in Redemption.

Awareness of the complexity of the conditioning involved in the homosexual tendency requires great caution in evaluating personal responsibility for homosexual acts. Nevertheless, no matter how great the difficulties may be, it would be a serious lack of respect and consideration for their dignity to deny homosexual persons their basic freedom (Homosexualitatis problema, n. 11). Veritatis splendor has recalled that "together with the commandments, the Lord gives us the possibility of keeping them" and that "keeping God's law in particular situations can be difficult, extremely difficult, but it is never impossible" (n. 102). It will be the task of the Church's attentive pastoral care to offer those of her children who experience such a situation the specific care they need and deserve in the conviction that "only what is true can ultimately be pastoral" (Homosexualitatis problema, nn. 1,15).

The "gay" culture

3. A very different aspect of the question is presented by the so-called "gay" culture. Today this term is highly politicized and does not simply mean a homosexually oriented person but one who publicly adopts a homosexual "lifestyle" and is committed to having it accepted by society as fully legitimate. Justifiable opposition to offences and discrimination, which violate a person's basic rights, cannot be confused with this demand. In fact a systematic plan for the public justification and glorification of homosexuality is taking shape, starting with the attempt to make it fully accepted in the mind of society. It aims, through increasing pressure, at a change in legislation so that homosexual unions may enjoy the same rights as marriage, including that of adoption.

It respect for every person is promoted in society even when he may privately behave according to questionable moral criteria, and if civil law is not required to impose moral values in the sphere of private life, nevertheless the State cannot fail to recognize the promotion and defence of families founded on monogamous heterosexual marriage as an essential part of the common good. A State which relinquished its primary raison d'etre would ultimately deprive itself of that healthy social fabric, generously open to life and to the proper education of the new generations, which makes possible not only a harmonious society but the very continuation of human civilization.

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Taken from:
L'Osservatore Romano
Weekly Edition in English
11 June 1997, p.7

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