Miserere Nobis!

Hilfe für Katholikinnen und Katholiken mit gleichgeschlechtlichen Neigungen

Leid


Leid bezeichnet alles, das psychische oder physische Belastungen im Menschen auslöst.

Peter Egger unterscheidet das „schuldige Leid“, das „unschuldige Leid“, das „absurde Leid“ und das Leid, das durch die „Begrenztheit der Natur“ verursacht wird und erklärt es mit „Das Leid als Läuterung“, „Das Leid als Herausforderung“, „Das Leid als Sühne“ und „Das Mit-Leid Gottes“


Die Sicht des Leidens im historische Wandel

Die Bücher des Alten Testaments zeigen uns folgende Grundannahme: Wenn ein Mensch nach Gottes Gesetz und Willen lebt, wird ihm Segen zuteil, der sich in einem geglückten, leid-freien und mit weltlichen Gütern gesegneten Leben schon hier auf dieser Welt äußert. Wenn jemand dem Gesetz Gottes zuwiderhandelt, wird er mit allen möglichen Formen von Leid bis hin zur Vernichtung bestraft.Man spricht hier vom Tun-Ergehen-Zusammenhang.

Dieser Standpunkt ist natürlich nur bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar: Selbstverständlich hilft ein Leben nach dem Gesetz Gottes zu einem geglückten Leben - aber der Umkehrschluss ist nicht zulässig: nicht jeden, dem ein Leid widerfährt, hat gesündigt und empfängt nun "gerechte Strafe Gottes".

Im Buch Iob (Hiob) wird diese Problematik eingehend reflektiert und aufgezeigt, dass Leid nicht mit Strafe Gottes gleichgesetzt werden kann, und dass die Leid-Frage viel differenzierter zu sehen ist als es der Tun-Ergehen-Zusammenhang nahelegt.

Im Neuen Testament kommen Jesus und die Apostel einmal mit einem Blinden in Kontakt, und die Jünger fragen, ob er selber oder seine Eltern gesündigt hätten. Jesus antwortet, dass weder er noch die Eltern gesündigt hätten. Vielmehr sollte Gott durch seine Heilung verherrlicht werden. Hier erteilt Jesus dem Tun-Ergehen-Zusammenhang eine deutliche Absage.

Heute sehen wir Gott nicht als Urheber irgendeines Leides an, denn Gott ist die Liebe. Menschliches Fehlverhalten zieht sehr oft das Leid sozusagen als Konsequenz aus sich selbst heraus nach sich. Denkbar erscheint aber ein Zulassen von Leid durch Gott, um den Menschen zu läutern und wachsen zu lassen.
Die Frage nach dem Sinn des Leidens - heute gestellt

Vieles - nicht alles - Leid hat seine Ursache in mangelnder Verantwortung füreinander. Man kann allerdings nicht alles Leid daraus erklären; Die Frage nach dem Leid in der Welt ist eine der Grundfragen der menschlichen Existenz, auf die die Weltreligionen Antworten geben, die zum Teil sehr verschieden ausfallen.

Der Buddhismus z.B. lehrt, dass das Leid seinen Ursprung in den ungeordneten Begierden des Menschen hat; daher müsse der Mensch die Begierden überwinden und von allem leer werden. Dann könne er in den leid-freien Zustand des Nirwana eingehen. Leid soll also vermieden werden, indem man sich selbst aus Leid und Freude, aus der Welt zurückzieht.

Die Antwort, die Jesus Christus gibt, ist genau entgegengesetzt: Er nimmt die "Karriere nach unten", Armut, Erniedrigung und Leid an, trägt sie und durchleidet sie bis zum Tod am Kreuz. Er zieht Sich nicht zurück und verweigert Sich nicht, sondern gibt Sein Leben in Liebe für uns hin. "Keiner hat eine größere Liebe als der sein Leben hingibt für die Freunde". Leid wird uns also hier gezeigt als Geschenk der Liebe. Sozusagen als eine andere Erscheinungsform der Liebe.


Leid und Hoffnung

Das Leid erfährt eine neue Deutung in der Hoffnung auf den auferstandenen Christus.

So wie Jesu Weg durch das Kreuz hindurch zur Auferstehung führte, darf auch der Einzelne hoffen, dass sein persönliches Leid vor Gott einen Sinn bekommen wird, wenn er es im Vertrauen auf Gottes Führung und Seine wandelnde Kraft erträgt. Im Gebet zum Gekreuzigten darf jeder Leidende die Kraft und Hilfe Gottes dafür erbitten. So erwächst aus dem Wissen um Gottes Mit-Sein gerade im Leiden neue Hoffnung und ganz tiefes Vertrauen. Der Leidende kann geistliches Wachstum und tiefe Gottverbundenheit erfahren.


Päpstliche Schreiben

Johannes Paul II.

11. Februar 1984 Apostolisches Schreiben Salvifici doloris über den Sinn des Leidens.
10. Juni 1984 (veröffentlicht) Botschaft Il sangue dei martiri zum Weltmissionssonntag im Oktober an die Bischöfe der Katholischen Kirche Sas Leiden ist kostbares Werkzeug der Evangelisierung.


Literatur

Leo Tanner: Leiden - wozu? Biblische Impulse zur Leidbewältigung. Verlag BE Team 2001 (1. Auflage; 120 Seiten).
Francis Remler CM: Hsgr: Paul Karl: Warum muss ich leiden? (104 Seiten; ISBN 978-3-00-027011-6; erhältlich beim Benedetto Verlag).
Theologie der Leiden, Jesus an Sr, Maria Ionela Cotoi Fe-Medienverlag 2001 (239 Seiten, 1. Auflage; ISBN 3-928929-24-0) [1]
Paul Wilhelm Keppler: Leidensschule, Herdersche Verlagsbuchhandlung Freiburg im Breisgau 1914 (156 Seiten; Imprimatur Friburgi Brisgoviae, die 12 Novembris 1914 ‡ Thomas, Archiepps; in Fraktur abgedruckt).
Ferdinand Holböck: Fegfeuer - Leiden, Freuden und Freunde der Armen Seelen Christiana Verlag Stein am Rhein 1992 (184 Seiten; 5. Auflage; Kirchliche Druckerlaubnis Erzbischöfliches Ordinariat Salzburg 3. Mai 1977 (Zl. 362/77), ISBN 3-7171-0709-7).
Richard Graf: Trost im Leid von Pater Rihard Gräg C.S.Sp. Johann Wilhelm Naumann Verlag Augsburg-Göggingen 1946 (164 S.).
Alois Wurm: Der dunkle Teppich. Von Sinn und Überwindung des Leidens. Josef Habbel Verlag 1940 (220 Seiten).
Hans Schaler: Wenn Leid Gemeinschaft stiftet: Vom Leben mit geistig Behinderten. Kanisius Verlag Freiburg/Schweiz 1992 (64 Seiten).
Alfons Benning: Der Christ und das Leid. Kanisius Verlag Freiburg/Schweiz, Kanisiuswerk Konstanz, 1991 (31 Seiten; ISBN 385764334X).
Kreuzeslob. Katholisches Gebets- und Gesangbuch zum Leiden Christi. Mit Texten von Papst Benedikt XVI.. Fe Medienverlag 2011 (DIN A 6; 960 Seiten; 6. Auflage; Kirchliche Druckerlaubnis Regensburg, den 24. April 2011 Der Generalvikar Michael Fuchs; ISBN 978-3-86357-004-0).
Hans Buob: Gott, wo warst du? Hilfen aus dem Glauben zur Bewältigung von Leid. Unio Verlag 2014 (195 Seiten).

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php?title=Leid abgerufen am 28.03.2019)


Leiden

Leiden (lat. passio) ist ein Träger der göttlichen Gnade. Die Früchte des Leidens sind Reue und die Umwandlung der Sinne. Sie lehrt den Menschen, sich in Demut zu üben und schützt vor der Sünde und ungeodrneter Liebe zu der Welt.

"Die Sprache des Alten Testamentes kennt keinen Unterschied zwischen Übel (Krankheit) und Leiden. Erst die griechische Sprache macht dort einen Unterschied." ("Savifici doloris" Papst Johannes Paulus II – Pkt. 7). Auch im heutigen Sprachgebrauch wird kein Unterschied gemacht zwischen Schmerzen und Leiden. Es gibt auch Leiden ohne körperliche Schmerzen. Der Mensch leidet, wenn er sich eingeschränkt fühlt, wenn etwas Gutes nicht mehr gebraucht werden kann, oder nicht mehr vorhanden ist.

Geistiges leiden heißt Loslassen, ist der Prozess des Loslassens. Je mehr man loslässt, desto weniger leidet man seelisch, umso näher kommt man zu Gott. Leiden ist die geistige Auseinandersetzung mit dem Allmächtigen.

Das Leiden kam durch die Erbsünde in die Welt. Was wir demnach als Strafe empfinden, ist eine Medizin, eine Hilfe. Durch die Gnade Gottes, und die Erlösung durch Jesus Christus, zeigen sich die heilsame Wirkungen des Leidens.

Literatur

Tom Allen: Einführung in "Die Passion Christi" ( Antwort von 100 Fragen zum Film "Die Passion Christi" von Mel Gibson SJM Verlag (ISBN 978-3-932426-30-8).
A. Kluge: Das Seelenleiden Jesu Christi, des Welterlösers, eine Schule der Heiligkeit und des inneren Lebens., Erster, allgemeiner Theil, Kirchheim Verlag Mainz 1893 (302 Seiten).
Martinus von Kochem: Das große Leben Christi oder ausführliche, andächtige und bewegliche, ganz vollkommene Beschreibung des allerheiligsten Lebens und bittern Leidens unseres Herrn Jesu Christi und seiner glorwürdigsten lieben Mutter Mariae..., Sankt-Augustinus-Verlag Franz W. Drees Köln / München 1912 (1102 Seiten).
Ludwig von Granada: Betrachtungen auf alle Tage der Woche über die wichtigsten Gegenstände der Religion und besonders über das Leiden des allerheiligsten Erlösers, Hurter Verlag Schaffhausen 1866 (310 Seiten).

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php?title=Leiden abgerufen am 28.03.2019)