Miserere Nobis!

Hilfe für Katholikinnen und Katholiken mit ungewollten gleichgeschlechtlichen Neigungen

Homophobie


KARL-LEISNER-JUGEND

Homophobie

Wenn nun jemand in der Ausübung einer Tätigkeit eingeschränkt wird - sei es aufgrund von staatlichen Verboten, kirchlicher Moral oder aufgrund von anderweitigen Umständen -, so ist das kein Angriff auf seine Person.
Es sei denn, jemand würde in seinen Freiheiten nur deshalb eingeschränkt, weil er eine bestimmte Identität besitzt. So wäre es natürlich eine eindeutige Diskriminierung, wenn man eine an sich nicht bewertbare Handlung (wie z.B. Busfahren) nur deshalb jemandem verbietet, weil er Schwarzafrikaner ist. Oder - so wird nun angeführt - einem Homosexuellen wird das Ausleben seiner Sexualität nur deshalb verboten, weil man etwas gegen Homosexuelle hat. Das wäre dann tatsächlich "Homophobie" (Angst vor der Gleichgeschlechtlichkeit) und genauso verachtenswert wie Rassismus und "Xenophobie" (Angst vor allem Fremden).
Einen solchen Gedankengang nennt der Logiker "genetischen Fehlschluss": Weil ein schlechter Mensch etwas tut, muss diese Handlung schlecht sein. - Das ist natürlich ein krasser Denkfehler!

In kirchlichen Kreisen taucht dieser Fehlschluss leider genauso auf wie bei allen Menschen. Über den Theologen Bernhard Wenisch (der ein wirklich gutes Buch zur Wunderfrage geschrieben hat) hörte ich von einem Studenten ein vernichtendes Urteil, weil «Wenisch ja ein abgefallener Priester» sei. Aus der Biografie eines Menschen zu schließen, dass dieser zu keiner ordentlichen Theologie mehr in der Lage sei, ist diffamierend.

Es ist aber auch der umgekehrte "genetischen Fehlschluss" möglich. So ist zum Beispiel Bill Gates in Amerika ein beliebter Redner - und auch ein gern gesehener Gast in evangelikalen Kirchen, wo er zu Fragen der persönlichen Lebensführung zu Rate gezogen wird. Aus der Tatsache, dass Herr Gates ein sehr vermögender Mensch ist, zu schließen, dass er deshalb kompetent in allen Lebensfragen ist, wäre allerdings ein Fehlschluss.

"Homophobie" bedeutet also, dass aus dem gesetzten Urteil über den Menschen auf die moralische Qualität seiner Handlungen geschlossen wird. Aber das ist - zumindest in der katholischen Moral - nicht erlaubt und hier in dieser Frage nicht der Fall. Es gilt noch nicht einmal das Gegenteil: Es wird weder vom Menschen auf seine Handlungen geschlossen, noch von den Handlungen auf den Menschen. Die Qualität des Menschen ergibt sich nicht aus dem, was er tut, sondern aus dem, was er ist: Ein geliebtes Geschöpf Gottes.
Von "Homophobie" als wahrer Grund für die Ablehnung homosexueller handlungen kann nur sinnvoll die Rede sein, wenn vorausgesetzt wird, dass die sexuellen Handlungen eines Homosexuellen im Grunde belanglos sind - und ihre moralischen Qualität nur aus einer angstbesetzten Ablehnung der Person erhalten.

Wer einem anderen also "Homophobie" unterstellt, nur weil der eine moralisch andere Ansicht zur aktiven Homosexualität hat als man selbst, handelt höchst unredlich. Der Kirche im Ganzen "Homophobie" zu unterstellen, ist nicht mehr als ein argumentativer Fluchtversuch.

(Quelle: www.karl-leisner-jugend.de)


Ihr seid doch für Menschen mit "ungewollten" gleichgeschlechtlichen Neigungen da. Heißt das nicht automatisch, dass diese Menschen dann ihre Neigungen dann ändern wollen? Führt das nicht logischerweise zur "Konversionstherapie"?

Keineswegs. Viele von uns hatten in frühester Jugend mit dem Anbruch der Pubertät und den ersten gleichgeschlechtlichen sexuellen Empfindungen eine tiefe Ablehnung diesen Neigungen gegenüber. Diese Ablehnung hat sich dann oft ihr ganzes Leben lang nicht geändert. Andere sind erst in späteren Jahren zu diesem Entschluss gekommen. Das heißt aber nicht automatisch, dass sie dann "heterosexuell" sein wollen. Für diejenigen unter uns etwa, die Christinnen und Christen sind, ist diese Frage unerheblich. Wir wollen mit ganzem Herzen Jesus Christus nachfolgen. Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen haben in vielerlei Hinsicht aus der Norm fallende Gaben und Talente. Sie müssen ihre sexuelle Energie also nicht zwangsweise in gleichgeschlechtlichen sexuellen Begegnungen ausleben, sondern können sie verwenden, um diese Gaben und Talente zu stärken und fördern. Nicht nur in der freien Wirtschaft kann es von Vorteil sein, die Dinge anders als alle anderen Menschen zu sehen und anzugehen. Mit "ungewollten" gleichgeschlechtlichen Neigungen meinen wir also, dass wir diese nicht ausleben wollen - weder in der schwulen Szene noch in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung. Das bedeutet nicht, dass wir unsere Neigungen deshalb verleugnen, unterdrücken oder was auch immer. Wir definieren uns nur nicht über sie und haben für uns entschieden, dass wir ein anderes Leben führen möchten. Gleichzeitig bieten wir den Menschen Unterstützung an, die ebenso denken und empfinden.

Diese unsere freie Entscheidung bitten wir doch zu respektieren. Es ist in hohem Maße verwerflich, wenn uns von psychischen Krankheiten bis zur Selbstverleugnung alles Mögliche unterstellt wird, ohne jemals mit uns Kontakt aufgenommen zu haben.

Mit der Toleranz und dem Respekt ist es nämlich so eine Sache - die kann man nicht einfach nur für sich selbst einfordern, die muss man auch anderen gewähren.


"Ich will endlich so sein, wie ich bin?"

Diesen Spruch hört man von vielen Schwulen. Nach langer "Selbstverleugnung" wäre nun der Damm gebrochen und sie könnten so sein, wie sie tatsächlich sind.

Wie aber sieht die Realität aus?

Kurz: Die Einzigen, die sie so nehmen, wie sie sind, sind wahrscheinlich die "Heteros". Die schwule Wirklichkeit - insbesondere für Männer - sieht anders aus.
Um auf dem "schwulen Fleischmarkt" Erfolg zu haben, versuchen viele, Stereotypen zu imitieren - oder verlangen dies von potentiellen Partnern. Das wird dann sogar als "Freiheit" von der bisherigen - tatsächlichen - Identität bezeichnet. So werden die Haare kurz geschoren, ein Holzfällerhemd und Jeans angezogen, man lässt sich einen Bart wachsen und meint dann, ein "richtiger" Mann zu sein. Je mehr man einer stereotypen Vorstellung eines "Hetero-Mannes" entspricht, desto besser. Das Problem dabei? Das ist eine Comic-Version von einem Mann. Mit wahrer Männlichkeit hat das aber schon gar nichts zu tun. Ein Bart und ein Holzfällerhemd machen einen mit Sicherheit nicht zum Mann. Vor allem aber verleugnet man damit sich selbst und fordert dies von anderen. "Freiheit" ist etwas anderes. Die Partner sind austauschbar und befriedigen im Grunde nur die eigenen Bedüfnisse und Wünsche. Irgendwann erledigt das Alter den Rest und ein Stereotyp lässt sich beim besten Willen nicht mehr konstruieren. Ich habe dies selbst getan und erfahren und ich habe es zur Genüge an anderen gesehen.

"Freiheit" ist das, was ich erleben durfte, nachdem ich die schwule Szene verlassen hatte. Endlich konnte ich mich dem Zwang des schwulen Fleischmarktes entziehen und so sein, wie ICH bin und sein will. Ich verlange von niemandem, dies zu mögen, ich werde mich aber bestimmt nicht mehr verleugnen, um jemand anderem zu gefallen. Er will dann nicht mich, sondern ein verzerrtes körperliches Bild von mir.

Besonders aber hat mich immer die Diskriminierung innerhalb der schwulen Szene geärgert und verletzt (wenn dies von Menschen kam, an denen mir was lag): wer nicht der schwulen Vorstellung eines Mannes entspricht, ist eine "Tunte" - und nichts ist schlimmer als das. Niemand will eine Tunte sein und distanziert sich davon, indem er andere als solche beschimpft. Die wahren "Tunten" stecken aber nicht selten in Holzfällerhemden.

Im Grunde ist das alles eine sehr tragische Entwicklung. Wer seine männliche Identität nie gefunden hat, jagt einer Fata Morgana nach, die dem entsprechen soll. Vor allem aber läuft er Männern hinterher, die diesem Trugbild am besten entsprechen. Hat er einen gefunden, bleibt er aber weiterhein auf der Suche, ob das Gras anderswo grüner ist. Nicht umsonst sind "Bären" so beliebt in der schwulen Szene, weil sie all die körperlichen Kriterien haben, die man als "männlich" vermutet: Dicker Bauch, behaart, kurze Haare, Bart, Holzfällerhemd, Jeans.

Die Einzigen, die mich so genommen haben, wie ich bin, waren "Heteros". Wo mich so mancher Schwuler beschimpft (oder aufgrund der Entsprechung mit dem "Ideal" als "geil" bezeichnet hat) hat, haben mir Heteros offen gesagt, was ihnen an mir gefällt.

"Freiheit" habe ich in der schwulen Szene nie gefunden. Sobald potentieller Sex meinerseits nicht mehr zur Verfügung stand, lösten sich schnell schwule "Freundschaften" auf. Ebensowenig selbstlose Liebe und Zuneigung und wahren Glauben.

Das mag politisch nicht korrekt sein, entspricht aber meinen Erfahrungen.

Robert